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Aus dem Landkreis Rehburg ist älter als gedacht
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Rehburg ist älter als gedacht
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16:08 23.07.2018
Bevor mit den Arbeiten für den Stadtplatz begonnen werden konnte, hat Jens Berthold viel Zeit an der Ausgrabungsstelle verbracht. Quelle: ade
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Rehburg

„Eine neue Ortschronik für Rehburg“ – so nennt Berthold die Broschüre, die er auf der Grundlage von Grabungen in Rehburgs Ortskern geschrieben hat.

„Es geht um die Vergangenheit – und wir sind über die Zukunft darauf gekommen“, sagte Berthold zur Präsentation der Broschüre. Zahlreiche Förderer, Mitarbeiter und Unterstützer waren dabei, denn weitaus mehr als „nur“ eine Broschüre steckt hinter diesem Projekt. Begonnen hatte alles, als die Stadt Rehburg-Loccum innerhalb des Förderprogramms „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ damit begann, sowohl die Ortsdurchfahrt sanieren zu lassen, als auch eine Platzsituation auf dem Gelände gegenüber dem Rathaus zu gestalten. Beides ist historisch vorbelasteter Grund und Boden, sodass die Kommunalarchäologie in Person von Berthold schon vor dem ersten Spatenstich involviert war. Die Funde und Erkenntnisse daraus, das weiß Berthold heute, sollten sich lohnen.

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Rehburg-Loccums Bürgermeister Martin Franke denkt an die lange Zeit der Grabungen mit gemischten Gefühlen zurück. Zum einen sei es natürlich gut, dass Licht in das Dunkel der Vergangenheit gebracht worden sei und Stadtgeschichte nun neu geschrieben. Zum anderen hätten die Grabungen aber auch 130 000 Euro gekostet, von denen die Stadt nur wegen der Aufnahme in das Förderprogramm lediglich ein Drittel zahlen musste. In solchen Dimensionen seien die Kosten nicht erwartet worden.

Aufschlussreiche Daten

Worauf die Stadt nun in ihrer Geschichte blicken kann, das sind einige aufschlussreiche Daten, die sich in erster Linie durch Untersuchungen zahlreicher Hölzer, die im Boden gefunden wurden, ergeben haben. Dendrochronologie nennt sich das Verfahren, nach dem gearbeitet wurde – ein Verfahren, bei dem die Jahresringe von Baumscheiben untersucht werden und mit dem sich oftmals bis aufs Jahr genau feststellen lässt, wann ein Baum gefällt wurde.

Da die Gegend um den Kern Rehburgs schon immer moorigen Untergrund hatte, sind etliche Bauten dort auf Pfählen gegründet. Und auch die erste Straße, die gebaut wurde, war ein hölzerner Knüppeldamm. Überall dort wurden Holzproben entnommen – und zeichnen nun ein genaueres Bild von der Gründung Rehburgs, die bislang für circa 1320 angenommen wurde nach der ältesten vorhandenen Erwähnung in einer Urkunde. „1260 beginnt hier das Leben“, führte Berthold aus.

So weit zurückdatiert ist das älteste Holz – gefunden in einem Meter Tiefe über dem Belag der Heidtorstraße. Der alte Knüppeldamm ist dort immer noch in weiten Teilen vorhanden und sei wohl die erste Baumaßnahme gewesen, wie Berthold meint. Denn wie hätte anderes auf Moor gebaut werden können, wenn keine Zuwegung vorhanden war? Mitte des 13. Jahrhunderts, vermutet der Archäologe, sei dann wohl die Burg gebaut worden. Die Reheburgk, auf deren Stammplatz heute das Rathaus steht. In dessen ältestem Teil ist noch ein Gewölbekeller vorhanden, der aus jenen Gründerjahren stammen mag. Und um Burgen herum seien oftmals Siedlungen entstanden – so wohl auch in Rehburg.

700-Jahr-Feier anvisiert

Nur wenige Schritte vom Rathaus entfernt und direkt angrenzend an die Heidtorstraße habe er im Bereich der Schmiede- und der Kirchstraße Hölzer ausfindig gemacht, die auf das Jahr 1321 datiert werden konnten. Das sieht Berthold als das Gründungsjahr Rehburgs an – des Fleckens Rehburg also. Die Burg stand, wie gesagt, bereits einige Jahrzehnte früher.

Das Datum 1321 legte Berthold dem Bürgermeister ans Herz. 2021 sei ja nicht mehr weit entfernt. Es könne durchaus eine 700-Jahr-Feier für Rehburg werden.
Was indes die Förderer finanziert haben, ist nicht nur die Broschüre mit den Erkenntnissen aus den Grabungen. Geld haben sie auch gegeben für dendrochronologischen Untersuchungen – immerhin für zwei Fahrzeuge voller Holz, die in einem Berliner Institut ausgewertet worden sind. Und auch solche Dinge wie neue Vitrinen für das Rehburger Heimatmuseum gehörten dazu. Dort sind in der archäologischen Abteilung mittlerweile etliche Fundstücke auch aus diesen Grabungen zu sehen.

Die Broschüre „Reborgh – Reheburgk – Rehburg“ ist im Rehburger Heimatmuseum kostenfrei erhältlich. Geöffnet ist sonntags von 15 bis 18 Uhr. Telefonisch kann sie beim Vorsitzenden des Bürger- und Heimatvereins, Fritz Mackeben, unter (0 50 37) 21 58 angefordert werden. Im Spätherbst wolle der Verein zudem jedem Rehburger Haushalt ein Exemplar zukommen lassen. ade