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Aus dem Landkreis Rinteln bis Stadthagen: Wenig Hoffnung für alte Bahnstrecke
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Rinteln bis Stadthagen: Wenig Hoffnung für alte Bahnstrecke
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00:23 26.05.2019
Die Bückebergbahn GmbH investiert im Jahr etwa 150.000 Euro in die Bahnstrecke Rinteln-Stadthagen, die auch durch Nienstädt führt. Quelle: Archiv
Landkreis

25 Jahre lang kämpft Thomas Stübke bereits für ein Ziel: die Reaktivierung der Bahnstrecke Rinteln-Obernkirchen-Stadthagen.

In dieser Zeit sei man dem Ziel erheblich näher gekommen, sagt der Geschäftsführer der Bückebergbahn – dennoch sei er kurz davor, die Sache aufzugeben. „Wir machen das alles ja ehrenamtlich.“

Darum denkt Stübke ans Aufgeben

Das gehe mal für zehn Jahre. „Aber nicht auf Dauer. Ich sehe ein Zeitfenster von zwei bis fünf Jahren. Aber nur wenn wir eine Perspektive haben. Wenn es keiner will, dann müssen wir es aufgeben.“

Dabei ist Stübke sicher, dass die ganze Region unglaublich von einer Bahnstrecke profitieren würde. Zuletzt hat auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) die Reaktivierung der Strecke gefordert. Das freue ihn zwar, sagt Stübke, „aber der VDV gehört zum Kreis der üblichen Verdächtigen, die immer für die Reaktivierung waren“.

Dennoch hält Stübke es für ein gutes Signal, dass die Landesregierung in Hannover ihre Kriterien für eine mögliche Reaktivierung von Strecken in Niedersachsen gerade mit Blick auf den ländlichen Raum überarbeiten wolle. Dafür hat man sich zwei Jahre Zeit genommen.

In Schaumburg glaubt kaum einer an die Reaktivierung der Strecke

Stübke sieht die Strecke Rinteln-Stadthagen an sich als sehr aussichtsreichen Kandidaten. „Wir sind die Nummer zwei in Niedersachsen“, so der Bückebergbahn-Geschäftsführer. Nur: In Schaumburg will niemand so recht daran glauben.

Für eine realistische Reaktivierung brauche man aber mehr Unterstützung vonseiten der Politik und der Bevölkerung, so Stübke. Und genau dort hapere es. Dabei zeigt das Beispiel Lüneburg, dass es klappen kann. Dort habe der Landkreis vor einigen Jahren einen klaren Schwenk in Richtung Reaktivierung einer Bahnstrecke gemacht und arbeite seitdem aktiv daran.

„Bei uns sehe ich noch Ausbaupotenzial im politischen Raum“, drückt sich Stübke diplomatisch aus. Derzeit führe man Gespräche in der Samtgemeinde Eilsen und Obernkirchen, um mit einer Stimme sprechen zu können. „Erst wenn wir die Köpfe der Menschen in der Region erreichen, haben wir eine Chance.“

Trasse steht eigentlich kurz vor der Stilllegung

Wenn man das in den nächsten Jahren nicht schaffe, erwäge man eine Stilllegung der Trasse. Diesbezüglich gebe es derzeit rein rechtlich nur eine Pause. 2009 hat die Rinteln-Stadthagener Verkehrs GmbH als Besitzerin der Strecke eine Stilllegung beantragt. Solange die Bückebergbahn die Strecke nutze, könne sie aber nicht stillgelegt werden.

Würde das ehrenamtliche Engagement von Stübke, seinem Ko-Geschäftsführer Carsten Reinhardt und den anderen rund 25 Aktiven eingestellt, sähe es um die Zukunft der Strecke düster aus.

Aber auch so nimmt die Qualität der Strecke stetig ab. „Wir müssten mehr investieren“, so Stübke. Allein: Dafür fehlt das Geld.

So viel Geld fließt pro Jahr in den Erhalt der Strecke

Man finanziere die laufenden Instandhaltungsarbeiten zum größten Teil durch Güterverkehr und Ausgleichszahlungen des Landes für den Erhalt der Bahnübergänge. Rund 180.000 Euro könne man so im Jahr umsetzen und für Instandhaltungsarbeiten an der 20,4 Kilometer langen Strecke nutzen.

Mehr zum Thema: „Comeback der Schiene“: Wo verwaiste Bahn-Strecken reaktiviert worden sind

Selbst wenn das Land Niedersachsen heute beschließen würde, die Strecke zu reaktivieren, müsse man wohl noch etwa fünf Jahre lang die Strecke auf Vordermann bringen. „Vor allem die Bahnübergänge müssten auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden“, so Stübke.

Er denkt dabei noch weiter: „Wir möchten am liebsten die Strecke Rinteln-Stadthagen-Hannover bedienen.“ Dafür müssten ein kurzes Gleisstück sowie eine Weiche neu gebaut werden, um die bestehende Strecke Rinteln-Stadthagen mit dem DB-Netz in Stadthagen zu verbinden.

Reaktivierung: Stübke sieht Schaumburger in der Pflicht

Und was können normale Bürger tun, um eine Reaktivierung der Bahnstrecke Rinteln-Stadthagen zu unterstützen? „Treten Sie dem Förderverein bei“, appelliert Stübke. „Aber vor allem: Sprechen Sie mit Politikern auf kommunaler und auf Kreisebene über das Thema.“ Denn: „Das Thema wird hier vor Ort entschieden. Jeder Einzelne kann dabei entscheidend sein.“

Wenn die Bevölkerung und die Politik einhellig sagen würden: „Wir wollen diese Strecke“, dann werde man in Hannover auch reagieren.

Geschäftsführer will weiter für die Belebung der Strecke kämpfen

Dass man jetzt Rückendeckung von VDV erhalten habe, freut den Geschäftsführer der Bückebergbahn zwar, doch der Interessenverband sei kein lokaler Akteur. Und genau auf die komme es bei einer Reaktivierung eben an.

Doch auch wenn Stübke sich nur noch wenige Jahre gibt: Bis dahin will er mit vollem Engagement für die Belebung der Strecke kämpfen. „Wir führen momentan sehr viele Gespräche.“ von Jakob Gokl