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Aus dem Landkreis Schwimmfähigkeit der Kinder nimmt ab
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Schwimmfähigkeit der Kinder nimmt ab
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20:04 16.05.2019
Kinder sollten schon vor der Einschulung in einem Schwimmkurs besuchen. Quelle: Archiv
Landkreis

Auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) schlägt Alarm – und appelliert an Eltern, ihren Nachwuchs schon vor der Einschulung in einem Schwimmkurs fit fürs Wasser zu machen.

„Tatsächlich gibt es immer wieder Kinder, die in der dritten Klasse gar nicht schwimmen können“, sagt Frank Plagge, Leiter der Schule Am Stadtturm in Stadthagen. Die mangelnde Schwimmfähigkeit seiner Schüler sei aber kein neues Phänomen, sondern begleite die Pädagogen schon etliche Jahre.

Auch an der Magister-Nothold-Grundschule in Lindhorst haben nach Auskunft von Schulleiter Hubert Sagel bei Weitem nicht alle Dritt- oder Viertklässler die Fähigkeit, sich sicher über Wasser zu halten. Die Leistungsunterschiede zwischen den Kindern zu Beginn des Schwimmunterrichts in Klasse vier seien groß. Während viele Jungen und Mädchen ein Schwimmabzeichen wie Seepferdchen oder den Freischwimmer vorzeigen könnten, gebe es immer wieder Schüler, die erst an die Bewegungen im Wasser herangeführt oder bei denen Ängste vor Wasser abgebaut werden müssten, erklärt der Pädagoge.

Um so größer sei die Herausforderung für die Lehrer, mit einem differenzierten Schwimmunterricht auf alle Kinder einzugehen. In der Stadthäger Grundschule am Stadtturm werden dafür unterschiedliche Leistungsgruppen gebildet. Das Ziel: Die Nichtschwimmer während des Unterrichts mindestens bis zum Seepferdchen zu bringen. „Leider schaffen wir es nicht, alle Schüler schwimmfähig an die weiterführende Schule zu übergeben“, sagt Plagge.

Die DLRG mit Sitz in Bad Nenndorf bestätigt die Einschätzungen der Schaumburger Schulleiter. 59 Prozent der Zehnjährigen in Deutschland sind keine sicheren Schwimmer, zitiert die DLRG eine forsa-Umfrage und fügt erläuternd hinzu: Als sicherer Schwimmer gilt, wer mindestens ein Jugendschwimmabzeichen in Bronze, sprich den Freischwimmer hat.

Familie und Schule sind beide verantwortlich

Zwar hätten 77 Prozent der Grundschüler das Seepferdchen absolviert, dieses sei aber allenfalls Basis für eine weitergehende Ausbildung und kein Beleg für eine Schwimmfähigkeit. Die Anforderungen des Seepferdchens seien nicht ausreichend, um als sicherer Schwimmer zu gelten, betont DLRG-Präsident Achim Haag.

Die Gründe für die Entwicklung liegen nach Ansicht Haags sowohl im familiären wie im schulischen Bereich. Immer weniger Eltern gehen regelmäßig mit ihren Kindern ins Schwimmbad, immer mehr Schulen in Deutschland, nämlich 25 Prozent, haben keinen Zugang zu einem geeigneten Schwimmbad. „Das ist so nicht hinnehmbar“, beklagt Haag.

Doch wer schon vor der Einschulung dafür sorgen will, dass sich sein Kind zumindest über Wasser halten kann, hat es nicht immer leicht, einen Platz in einem Schwimmkurs zu bekommen. Sechs Monate müssen Kinder beispielsweise warten, um bei der DLRG in Bad Nenndorf ihr Seepferdchen abzulegen. „Dabei ist die Situation bei uns noch relativ entspannt, ich kenne Ortsgruppen, da stehen die Interessenten zwei Jahre oder länger auf der Warteliste“, schildert der Bad Nenndorfer DLRG-Vorsitzende Torsten Herkendell.

Die Lebensretter in Stadthagen nehmen derzeit gar keine Schwimmstarter mehr in ihren Kursen auf. Es gebe angesichts der großen Nachfrage aus den Eltern-Kind-Gruppen der DLRG keine Kapazitäten mehr, sodass die Plätze in den Schwimmkursen vereinsintern besetzt werden.

Als Grund nennt der Stadthäger DLRG-Vorsitzende Olaf Böhlke vor allem mangelnde Trainingsmöglichkeiten. Dabei sei Schaumburg mit Hallenbädern in Bad Nenndorf, Bückeburg und Rinteln, dem Tropicana in Stadthagen sowie der Badewonne und dem Solabali und zahlreichen Freibädern noch gut aufgestellt.

Für Böhlke ist klar: Um Kindern nachhaltig Schwimmen beizubringen, dürfe die Verantwortung nicht auf die Schulen abgewälzt werden. „Die Lehrer können das nicht auffangen.“ Viel wichtiger sei die Wassergewöhnung von klein auf, damit Kinder kontinuierlich mit dem Element aufwachsen und sich sicher im Wasser bewegen. kcg

Wo lernen Kinder schwimmen?

Schon Kinder ab vier Jahren können mit dem Anfängerschwimmen beginnen. Für das Seepferdchen müssen sie vom Beckenrand ins Wasser springen und 25 Meter weit schwimmen. Voraussetzung ist außerdem, dass sie einen Gegenstand mit den Händen aus schultertiefem Wasser heraufholen.

Für das Jugendschwimmabzeichen in Bronze (Freischwimmer) müssen Kinder vom Beckenrand und aus einem Meter Höhe ins Wasser springen, mindestens 200 Meter in höchstens 15 Minuten schwimmen und einen Gegenstand aus zwei Meter Tiefe heraufholen.

Schwimmkurse bieten die jeweiligen DLRG-Ortsgruppen (www.niedersachsen.dlrg.de) und diverse Sportvereine in Schaumburg an. Kurse für Babys und Kinder gibt es außerdem in den Schwimmschulen Reineke in Bad Eilsen (www.schwimmschule-reineke.de) und in der Schwimmschule Neptun (www.neptun-schwimmschule.de). kcg