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Aus dem Landkreis Trend zu Wirtschaft, Verwaltung und Technik
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Trend zu Wirtschaft, Verwaltung und Technik
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22:52 14.05.2019
Berufsschüler der Kreisstadt begeistern sich nach Einschätzung der Schulleitung weniger für Gastronomie und Nahrungsgewerbe. Quelle: Archiv/rg
Landkreis

Wie der stellvertretende Schulleiter Sven Janßen auf Anfrage erklärt, verzeichnet Stadthagen bei 1909 Schülern insgesamt einen Anstieg von 792 auf 820 im Bereich Wirtschaft und Verwaltung im Vergleich zum Vorjahr. Dagegen sank die Schülerzahl im Bereich Ernährung von 195 auf 161. Metall-, Elektro- und Bautechnik halten sich vergleichsweise stabil.

„Der Trend geht zu Lasten von Gastronomie und Nahrungsgewerbe wie Bäckerei und Fleischerei“, kommentiert Janßen. „Die Betriebe suchen händeringend.“ Fähige junge Leute würden aber in die Büro-Berufe drängen und dort nach der Ausbildung auch tendenziell gute Aussichten auf Übernahme haben. „Zwar können sich Berufsanfänger weniger für körperliche Arbeit begeistern, in handwerklichen Berufen können sie aber so gut verdienen, wie lange nicht mehr“, so Janßen.

Der Grund für den Abwärtstrend in Backstube und Metzgerei liegt nach Meinung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in unattraktiven Arbeitsbedingungen und geringen Entgelten. „Bei den Fleischereien regelt kein Tarifvertrag die Ausbildungsvergütung, im Hotel- und Gaststättengewerbe variiert das Niveau je nach Tarifbindung des Betriebes“, erklärt Lena Melcher, NGG-Geschäftsführerin der Region Hannover. „Und nach der Ausbildung warten prekäre Beschäftigungsverhältnisse.“

Dass eine Mindestausbildungsvergütung in Höhe von 500 bis 600 Euro, wie derzeit politisch diskutiert, mehr Nachwuchs locken könnte, glaubt die Gewerkschafterin nicht. Würden die Betriebe bei der Entlohnung noch „eine ordentliche Schippe drauflegen“, könnte sich die Entwicklung vielleicht noch einmal umkehren – wie viel in Prozent oder barer Münze will Melcher wegen der Lohnniveau-Unterschiede zwischen den Betrieben nicht genau beziffern.

In Stadthagen fehlen Lehrkräfte

Für die 1671 Schüler starke BBS Rinteln, an der der Bereich Ernährung nicht angeboten wird, bestätigt Schulleiterin Lita Gooßen ein Wachstum des Bereichs Wirtschaft und Verwaltung indes nicht. Nach der Statistik verringerte sich dort die Schülerzahl von 404 auf 386. Bei der Metalltechnik hielt sich mit 185 fast der Vorjahreswert, während Elektrotechnik (von 80 auf 69) etwas schwächer, Holztechnik (von 56 auf 76) dafür etwas stärker belegt wird. Die Fahrzeugtechnik verbuchte das größte Plus (von 181 auf 217).

Was die Versorgung mit Lehrerstellen angeht, sind die beiden BBS-Standorte ebenfalls uneins. Mehr Lehrkräfte wünscht sich die Stadthäger Schulleitung. „Aktuell tun sich Lücken in den Bereichen Metalltechnik, IT, aber auch in allgemeinschulischen Fächern wie Deutsch und Englisch auf“, so Janßen. Ist eine offene Stelle erst einmal ausgeschrieben, werde diese aber meist schnell vergeben.

In Rinteln gebe es dagegen keinen Grund zu klagen. „Wir haben vom Landesministerium gerade noch zwei Stellen mehr zugewiesen bekommen und werden damit unsere Unterrichtsversorgung halten oder etwas erhöhen können“, erklärt Gooßen. Hintergrund sei, dass das niedersächsische Kultusministerium geplante Stellenkürzungen in weiten Strecken zurückgenommen habe. geb