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Aus dem Landkreis Trümmer-Knie: 41-Jährige lebt von Rente - und wünscht sich ein Dreirad
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Trümmer-Knie: 41-Jährige lebt von Rente - und wünscht sich ein Dreirad
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14:52 12.12.2019
Nach einem Sportunfall hat Angela N. nicht nur ihren Job und Partner verloren. Weil ihr Knie beim Judo regelrecht zertrümmert wurde, ist sie auch in ihrer Mobilität stark eingeschränkt. Die SN-Weihnachtshilfe unterstützt die Schaumburgerin. Quelle: Roger Grabowski
Landkreis

Von einem Tag auf den anderen hat sich das Leben von Angela N. radikal geändert: Die heute 41-Jährige erlitt vor vier Jahren einen schlimmen Sportunfall. Bei einem Trainingskampf im Judo wurde sie von ihrer Partnerin regelkonform geworfen.

„Mein linkes Bein blieb dabei aber aus unerfindlichen Gründen stehen, wurde extrem verdreht, der Aufschlag mit dem Knie auf den Boden tat sein übriges“, schildert die frühere Leistungssportlerin.

Regelrecht zetrümmert: Knie muss achtmal operiert werden

Ihr Knie wurde dabei regelrecht zertrümmert. „Wie ein zerbröselter Zwieback, hat der Arzt damals gesagt“, erinnert sie sich. Insgesamt acht Operationen waren die Folge. Versuche, die Knochen mit Hilfe von Metallschienen wieder zusammenzufügen, schlugen fehl. Schließlich wurde eine Prothese eingesetzt.

Als Folge davon wächst bei Angela N. in extremem Maße Narbengewebe. Dieses verursacht starke chronische Schmerzen. Vor allem: Es verhindert, dass die frühere Sportlerin ihr Bein noch richtig strecken und beugen kann.

Judo war mein Leben. Heute ist an Sport ist nicht mehr zu denken.

Angela N.

„Judo war mein Leben“, beschreibt sie den Verlust, „ich habe es von kleinauf betrieben, als ich als Kind wegen Windpocken mal mit dem Training aussetzen musste, war das für mich die Katastrophe.“ Doch seit dem Unfall geht gar nichts mehr: „An Sport ist nicht mehr zu denken.“ Selbst schwimmen kann sie nicht, da seitliche Bewegungen mit dem Bein nicht funktionieren.

Auch Judo-Trainerin kann sie nicht sein: „Ich muss doch vormachen können, was ich den Jugendlichen beibringen will, und das geht nicht.“ Angela N. sinniert: „Die ersten beiden Jahre nach dem Unfall ging es mir psychisch richtig schlecht, ich habe viel geheult, mittlerweile habe ich gelernt damit zu leben.“

Im Einzelhandel arbeiten ist undenkbar

Doch die bösen Konsequenzen des Unfalls gehen weit darüber hinaus, dass Angela N. keinen Sport mehr treiben kann. Im vergangenen Jahr wurde der ausgebildeten Einzelhandelskauffrau als Folge des Knieschadens nämlich attestiert, dass sie ihren Beruf nicht mehr ausüben kann. „Selbst längeres Sitzen geht nicht, da die Schmerzen dann zu stark werden“, erläutert sie. Seitdem erhält die 41-Jährige 960 Euro Erwerbsunfähigkeitsrente.

Mehr zur SN-Weihnachtshilfe

Angela N. lebt als Alleinerziehende mit ihrer 15-jährigen Tochter in einer kleinen Souterrain-Mietwohnung in einer Stadt in Schaumburg zusammen. Von ihrem früheren Partner, dem Vater des Kindes, trennte sie sich kurze Zeit nach dem Unfall.

„Er hat sich damals überhaupt nicht um mich gekümmert“, sagt sie, „obwohl ich Hilfe so sehr benötigt habe. Besonders, als ich mit noch 44 Kilogramm Gewicht aus dem Krankenhaus gekommen bin.“ Eine Weile habe sie gebraucht, um die Kraft zur Trennung zu finden, aber irgendwann hat sie diese vollzogen.

Kleidungswünsche der Tochter bleiben auf der Strecke

Zusätzlich zur Rente erhält die Familie noch Kindergeld und Unterhalt, insgesamt stehen monatlich 1530 Euro zur Verfügung. Nach Abzug aller fixen Kosten bleiben 600 Euro zum Leben.

Die Nahrungsmittel besorgt Angela N. fast ausschließlich bei der Tafel. Und bei der Kleidung schaut sie immer auf Sonderangebote. „Es kommt sowieso selten vor, dass ich mir etwas kaufe, ich verzichte auf Vieles.“ Dass sie ihrer Tochter auch kleidungsmäßig viele Wünsche nicht erfüllen kann, empfindet die Mutter als „eine Katastrophe für mich, nur schwer auszuhalten“.

Die Konten der SN-Weihnachtshilfe

Wenn Sie bedürftige Menschen im Landkreis Schaumburg zur Weihnachtszeit unterstützen wollen, können Sie eine Spende auf eines der Konten der „Aktion Weihnachtshilfe“ überweisen:

  • Sparkasse Schaumburg, IBAN DE17 2555 1480 0470 0044 66.
  • Volksbank Hameln-Stadthagen: IBAN DE92 2546 2160 0024 7006 00.
  • Volksbank in Schaumburg: IBAN DE97 2559 1413 7306 6630 00.

Doch der dringendste Wunsch von Angela N. ist der nach einem speziellen Dreirad. Denn nur mit einer solchen Hilfe – belasten würde sie dabei ganz überwiegend nur ihr rechtes Knie – könnte sie mal Spaziergänge mit Tochter oder Freunden machen – längere Gehstrecken schafft ihr Knie nicht. Mehr noch: Mit dem Dreirad könnte sie viele Wege bewältigen, die sie heute mit ihrem Automatik-Auto zurücklegt.

Dieses gebrauchte Gefährt benötigt sie, um überhaupt mobil zu sein. Doch oft würde sie lieber mit einem Dreirad fahren. „Das spart teures Benzin und es ist ökologisch sinnvoll.“

Krankenhaus will nicht für Dreirad aufkommen

Ein vom Sanitätshaus speziell gefertigtes Dreirad – mit einer wegen des Knies verkürzten linken Pedale – benötigt Angela N., weil nur dieses ihr genügend Sicherheit verleihen würde. Doch die Kosten von etwa 2000  Euro kann die Frührentnerin nicht aufbringen.

Ein Antrag bei der Krankenkasse blieb erfolglos. „Eine Förderung aus Mitteln der Weihnachtshilfe könnte für Angela N. in ihrer schwierigen Situation eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität bedeuten“, betont die Mitarbeiterin der Wohlfahrtsorganisation, die die kleine Familie betreut. von Stefan Rothe

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