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Aus dem Landkreis Übung mit 200 Einsatzkräften
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Übung mit 200 Einsatzkräften
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21:29 09.07.2018
Der Angriffstrupp der Kreisfeuerwehrbereitschaft Süd macht sich unter Atemschutz bereit, die verrauchte Scheune zu betreten. Quelle: sk
Petershagen-Bierde

Gemeinsam sind wir stark!“ Dieses Motto der Freiwilligen Feuerwehren ist nun unter Beweis gestellt worden. Feuerwehrleute aus Rinteln waren dabei, aus Bückeburg, Nienstädt, Stadthagen und Gelldorf.

„Diese Übungen werden regelmäßig absolviert“, erklärt Pressesprecher Oliver Witt, „damit wir jederzeit bestens vorbereitet sind.“ Das Ausmaß diesmal sei aber „besonders spektakulär und bedarf viel logistischer Organisation“.

Wer an diesem Sommertag den rund 300 Meter langen Feuerwehrkonvoi sieht, bleibt mitunter staunend am Straßenrand stehen. Die Kinder winken aufgeregt, wenn die Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und flankiert von vier Feuerwehreigenen Krads auf dem Weg zum „Einsatzort“ vorbeifahren.

Übungsszenario: Feuerwehrleute aus Krankenhagen retten einen Verletzten aus einer brennenden Scheune.

Dieser befindet sich in Petershagen auf dem Gelände eines landwirtschaftlichen Betriebes. Bei Ankunft der Einsatzkräfte qualmt es. Ein Angriffstrupp der Kreisfeuerwehrbereitschaft Süd macht sich unter Atemschutz bereit, die verrauchte Scheune zu betreten. Die Meldung über vermisste Personen erreicht die Einsatzzentrale.

Diese hat mit ihrem eigenen Einsatzleitwagen Position etwas abseits des Geschehens bezogen und koordiniert das Vorgehen der Einsatzkräfte. Brandmeister Dirk Dehne informiert die jeweiligen Zugführer über die Schadenslage, und diese wiederum senden sofort ihre Einsatzkräfte aus. Diese Züge sind taktisch selbstständig und bestehen unter anderem aus Fachzügen für Wasserförderung und -transport, dem Fernmeldezug, dem Gefahrstoffzug und dem Rüstzug.

Rund 45 Fahrzeuge bilden anlässlich der Großübung der Kreisfeuerwehrbereitschaft einen eindrucksvollen Konvoi.

Wenn die Kreisbereitschaft ausrückt, handelt es sich fast immer um überörtliche Großschadenslagen, bei denen die ortsansässigen Feuerwehren den Einsatz nicht mehr allein bewältigen können oder es sich um Situationen handelt, bei denen Spezialgeräte vonnöten sind.

Dazu gehören auch Katastrophenfälle, ABC-Einsätze und Hochwasser. Allein personell und bezüglich der benötigten Ausrüstung eine logistische Meisterleistung, die aber einwandfrei funktioniert. Die Rüstwagen und Löschfahrzeuge beziehen Stellung vor ihrem jeweiligen Einsatzgebiet, der für den Wassertransport zuständige Zug besorgt das Nass, unter anderem aus einem nahegelegenen Angelteich, und die Angriffstrupps gehen mit voller Ausrüstung und Atemschutz in die verrauchten Fabrikhallen, in denen vermisste und sogar verschüttete Personen vermutet werden.

Einsatzleiter Dirk Dehne unterrichtet die einzelnen Zugführer über die Großlage des Einsatzes.

Die Sicht ist gleich null. Hilfreich ist die mitgeführte Wärmebildkamera. Schnell werden die vermissten Opfer gefunden und zur weiteren Behandlung nach draußen gebracht, wo schon weitere Einsatzkräfte warten. Hier wird Hand in Hand gearbeitet. Auch der Löschzug hat bereits damit begonnen, das simulierte Feuer zu löschen.

Da wird ein Dummie gefunden, der fast vollständig unter der Schaufel eines großen Baggers eingeklemmt ist. Hier ist besonderes Geschick gefragt, um mit Hebekissen die Schaufel gleichmäßig so anzuheben, dass der Verletzte sicher geborgen werden kann. Ebenso bei einem anderen Opfer, das in großer Höhe auf einer Balustrade gefunden wird und nun für die notärztliche Versorgung abgeseilt werden muss.

Das Löschwasser tut dem trockenen Grün gut.

Sogar eine Drohne gehört zum Equipment der Kreisbereitschaft, die „besonders hilfreich bei der Vermisstensuche im Gelände ist“, berichtet Dirk Dehne. „Ausgerüstet mit einer Wärmebildkamera kann man sogar im Dunkeln Körper finden.“ Einziger Wermutstropfen ist für den Kreisbereitschaftsführer die Tatsache, dass bisher noch ein weiteres Modul fehlt, das die Live-Übertragung der Daten an den Fernmeldewagen ermöglicht. Momentan muss noch der Chip am Boden ausgelesen werden.

Nach gut eineinhalb Stunden, gegen 20 Uhr abends, kann der Einsatzleiter dann die Übung als „erfolgreich absolviert“ beenden. Alle Zugführer haben Rückmeldung gegeben, dass sämtliche Vermisste gefunden und die Brände gelöscht wurden.

von Sandra Knauthe