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Aus dem Landkreis Unbeholfen – aber nicht hilflos
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Unbeholfen – aber nicht hilflos
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17:10 25.05.2018
Aktuell sind viele junge Vögel unterwegs, die nicht immer so hilflos sind, wie sie dem Laien erscheinen.
Aktuell sind viele junge Vögel unterwegs, die nicht immer so hilflos sind, wie sie dem Laien erscheinen. Quelle: Nabu
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In Bäumen, in Gebüschen, in Nistkästen – derzeit zwitschert und piept es an allen Ecken. Der Nachwuchs der heimischen Vögel bettelt lautstark um Futter und verlässt seine Nester oft zum ersten Mal. Was aber ist zu tun, wenn ein vermeintlich geschwächter oder verletzter Jungvogel am Wegrand entdeckt wird?

„Manchmal machen sie vielleicht keinen fitten Eindruck und wirken etwas unbeholfen, was das Fliegen angeht. Grundsätzlich werden Jungvögel aber auch noch von ihren Eltern versorgt, wenn sie am Boden unterwegs sind oder im Gebüsch sitzen“, erklärt Maria Rollinger, die Vorsitzende des Schaumburger Nabu-Kreisverbands.

Ob ein Vogel bereits flügge oder möglicherweise versehentlich aus dem Nest gefallen ist, lässt sich an der Ausprägung des Federkleids recht gut erkennen. Sind die Tiere weitgehend „erwachsen“, dann haben sie auch richtige Federn; sind sie noch zu jung, fehlen diese. „Wenn man einen nackten Vogel findet, dann kann man sich einen Gummihandschuh überziehen und ruhig versuchen, ihn zurückzusetzen. Die Überlebenschancen im Nest sind in jedem Fall besser. Draußen kühlen sie schnell aus“, erklärt Rollinger.

Ein Vollzeitjob

Alternativ könne man auch versuchen, den Jungvogel zu Hause mit Mehlwürmern oder Larven aus dem Angelbedarf-Laden durchzufüttern. „Das kann funktionieren – aber wenn man ein Tier adoptiert, muss man auch Verantwortung übernehmen“, so Rollinger. Man müsse die Vogeleltern ersetzen und den Nachwuchs einmal pro Stunde füttern – ein Vollzeitjob.

Als erste Anlaufstelle beim Fund von verletzten Vögeln, aber auch anderen Tieren, empfiehlt Rollinger die Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen. Dort arbeiten hochqualifizierte und sachkundige Fachleute, zuletzt wurde ein weiterer Tierpfleger eingestellt, um die Arbeit insbesondere zur sommerlichen Jungvogelzeit mit rund 1000 Eingängen allein im Juni und Juli stemmen zu können.

Doch auch wenn es nicht gelingen sollte, einen Jungvogel zu retten, der tatsächlich in Not ist, muss laut Rollinger niemand ein schlechtes Gewissen haben. „Es gibt eine Überpopulation an Nachkommen“, sagt Rollinger. Ganz nach Darwin überlebten nur die am besten Angepassten beziehungsweise Stärksten – „Da ist die Natur ziemlich emotionslos.“ So ernähren etwa Beutegreifer ihren Nachwuchs auch mit anderen Vögeln.  tro

„Jede Blüte zählt“

Auch über die „Ersthilfe“ bei Jungvögeln hinaus können Tierfreunde eine Menge für das fliegende Getier tun. „Wer etwas für die Vögel tun will, muss etwas für die Insekten tun“, sagt Maria Rollinger vom Schaumburger Naturschutzbund. „Jede Blüte zählt.“ Am Rückgang der Vogelpopulation habe man als erstes bemerkt, dass „mit den Insekten etwas nicht stimmt“, so die Vorsitzende. Diese sind die Hauptnahrungsquelle der Vögel. Aus diesem Grund habe der Nabu in Exten unter dem Motto „Hier blüht Euch was“ zuletzt ein Pilotprojekt gestartet und mit zwei engagierten Landwirten auf deren Grund mehrjährige Blühstreifen angelegt.

Darüber hinaus seien sich Fachleute einig, so Rollinger, dass man Singvögel auch im Sommer weiterfüttern solle – zum Beispiel mit Futterknödeln oder Ähnlichem. „In Zeiten des Nahrungsmangels ist das ein wunderbares Ergänzungsfutter.“  tro