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Aus dem Landkreis Unterstützung für Kunden des Jobcenters
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Unterstützung für Kunden des Jobcenters
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15:15 13.07.2019
Symbolbild Quelle: dpa
Landkreis

Seit Ende 2014 gehört zu den insgesamt fünf Maßnahmen das sogenannte Bedarfsgemeinschaften (BG) Coaching zum Programm. Daran nehmen Personen mit einem „erhöhten Unterstützungsbedarf“ teil. „Das Programm ist sehr niedrigschwellig, weil die Menschen keine weiten Wege haben. Wir kommen zu Ihnen“, erklärt Berater Sven Hahne. Im vergangenen Jahr sind 64 BG mit insgesamt 217 Personen betreut worden. In den meisten Fällen gebe es gleich mehrere Probleme, weiß Hahne, der die Arbeit an einem Beispiel vorstellt.

So habe er ein Ehepaar mit zwei Kindern betreut. Der Mann war gesundheitlich angeschlagen, die Frau hatte weder einen Schulabschluss noch eine Ausbildung. Der 15-jährige Sohn wusste nicht, welchen Beruf er ergreifen soll. Die Familie hatte zudem Schulden und der Energieversorger drohte, ihnen den Strom abzustellen.

Ein langer Weg

Er habe den 49-Jährigen zum Arzt begleitet und seine Perspektiven erörtert. Durch seine Betreuung und die Kooperation mit dem Jobcenter habe die 38-jährige Frau erfolgreich eine Qualifizierung zur Pflegekraft absolviert. Außerdem habe sie den Führerschein gemacht und sei nun Vollzeit beschäftigt. Der Sohn habe nach einem Praktikum eine Ausbildung zum Kfz- Mechatroniker gefunden.

Was so leicht klingt, sei ein langer Weg gewesen, betont VHS-Leiterin Undine Rosenwald-Metz. Denn die Familie sei seit Jahren im Bezug gewesen, „da bewegte sich nichts“. Diese Maßnahmen, „die geballt auf sie zukämen, haben dafür gesorgt, dass etwas in Bewegung kam“. Dies sei tatsächlich noch einer der „leichteren Fälle“ gewesen, sagt Hähne, weil weder Jugend- mich Sozialamt involviert gewesen seien. Hähne betreut acht BD, die von einer bis 13 Personen bestehen können.

Psychische Erkrankungen nehmen zu

Das Programm ist freiwillig und werde auch nicht von allen Kunden angenommen. Denn wenn die Kunden sich zur Teilnahme bereit erklären, dann jedoch nicht zusammenarbeiten, könne das Jobcenter sie sanktionieren, also die Leistungen kürzen. Er stelle fest, so Hahne, dass die Arbeit immer schwieriger werde, weil die psychischen Erkrankungen zunähmen. Der erste Schritt bestehe meist darin, den Menschen wieder eine Tagesstruktur zu geben.

Die Erfolgsquote könne sich sehen lassen. 2018 konnten 23 Prozent der Teilnehmer in eine versicherungspflichtige Beschäftigung beziehungsweise Ausbildung vermittelt werden. Vorrangig sei jedoch, Vermittlungshemmnisse abzubauen. „Sie eröffnen diesen Menschen eine Perspektive“, lobte Beiratsvorsitzende Heidemarie Hanauske. Und Katharina Augath betonte, dass sie sich als Schuldezernentin darüber freue, dass auch die Jugendlichen im Fokus stehen, um nicht die dritte Generation Hartz IV zu werden. Col

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Antragsservice

Seit zwölf Jahren unterstützt die VHS Schaumburg Menschen, die erstmals Hartz IV beantragen beim Ausfüllen der Anträge, um das Jobcenter zu entlasten, erklärt Susanne Balz-Herbst. „Die Komplexität macht das Ausfüllen so schwierig.“ Anfangs seien nur ausgewählte Kunden zu ihnen geschickt worden, seit sechs Jahren werden alle zur VHS geschickt – 2018 1345 Menschen. „Wir führen hier sehr persönliche Gespräche, bei denen wir uns viel Leid und Elend anhören müssen.“ Zweimal zwei Stunden seien dafür angesetzt. Zwar habe der Kunde erst einen weiteren Weg zu machen, letztlich komme er jedoch schneller an seine Leistungen, weil das Jobcenter mit kompletten Unterlagen weniger Aufwand habe.  col