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Aus dem Landkreis Vatertag 2020 am Kanal auf der Kippe
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Vatertag 2020 am Kanal auf der Kippe
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00:21 14.06.2019
Quelle: geb
Landkreis

Doch am Kanal auf Höhe Bad Hiddenserborn bot sich den insgesamt 75 Einsatzkräften ein gänzlich anderes Bild: pöbelnde, aggressive vornehmlich junge Menschen. Die Bilanz: zwei verletzte Polizisten, fünf Festnahmen, 13 Platzverweise, drei Beleidigungen, fünf Körperverletzungen, vier Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, eine Sachbeschädigung, 27 Gefährderansprachen und fünf Widerstände gegen Vollstreckungsbeamte.

Die vergangenen Jahre sei es deutlich ruhiger gewesen. Die Vorkommnisse in diesem Jahr lassen bei Bergmann Erinnerungen aus den neunziger Jahren wach werden. Damals musste die Polizei auf Höhe des Kanals in Schaumburg mit Reiterstaffeln sowie Einsatzhundertschaften der Polizei auflaufen. „Selbst das DRK hatte eine Art Lazarett aufgebaut. Da lagen meistens um 10 Uhr morgens schon erste Verletzte oder Betrunkene drin“, erinnert sich der Behördensprecher. Mit großem Einsatzaufgebot konnte die Polizei in Folgejahren diese Art der Eskalation eindämmen.

Doch jetzt – gut 20 Jahre später – der nächste Rückschritt aus Sicht der Beteiligten. „Dafür, dass es in diesem Jahr wieder hochgekocht ist, haben wir keine Erklärung“, zeigt sich Bergmann ratlos. Auffällig sei gewesen, dass sich die Aggressionen der jungen Menschen vornehmlich gegen die Einsatzkräfte gerichtet hätten. So wurde auch ein Sanitäter geschlagen, als er eigentlich helfen wollte.

Respektlosigkeit und Selbstüberschätzung

„Es ist mittlerweile egal, ob Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei: Die jungen Menschen werden immer respektloser. Das hat sich auch an Vatertag gezeigt.“ Der Nachwuchs habe ein „Maß an Respektlosigkeit und Selbstüberschätzung“, das es früher so nicht gegeben habe. Auch vor Gewalt gegen die Uniformierten würde nicht zurückgeschreckt. So habe unter anderem ein Beamter der Bereitschaftspolizei nach einem Schlag Eintrübungen im Auge gehabt. Ein Stadthäger Polizist erlitt nach einem Schlag eine Platzwunde über dem Auge. „Dieses Maß an Gewalt werden wir nicht tolerieren.“ Damit unterstützt Bergmann noch einmal deutlich die eindringlichen Worte des Schaumburger Kreisbrandmeisters Klaus-Peter Grote.

Inwiefern 2020 die Vatertagsfeier am Kanal erneut stattfindet, müssen Polizei, Kreisverwaltung und die Samtgemeinde Niedernwöhren besprechen. Möglich sei unter anderem, den Bereich am Kanal zu einem sogenannten gefährlichen Ort zu bestimmen. Nach dem Gefahrenabwehrgesetz dürften die Einsatzkräfte den Ankommenden sofort Platzverweise erteilen. So verfahren mittlerweile auch andere Städte. Doch die Hürden dafür sind hoch, sagt Bergmann. Ob da ein Tag im Jahr reicht, der aus dem Ruder läuft, sei fraglich.

Appell an "Möchtegern-Väter"

Einen Appell hat Bergmann noch an die jungen Menschen, die diverse Grenzen an Vatertag überschritten haben: „Ich würde mir wünschen, dass diese Möchtegern-Väter ihren Kindern später mehr Respekt vermitteln.“

Und mit Blick auf die Umweltbewegung unter den jungen Menschen meint der Behördensprecher: „An dem besagten Donnerstag war am Kanal nichts von Umweltbewusstsein zu sehen, derart vermüllt haben die Feiernden den Bereich verlassen. Getreu dem Motto: Am Donnerstag betrunken die Umwelt verschmutzen und am Freitag wieder für Klimaschutz auf die Straße gehen.“

Von Verena Gehring