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Aus dem Landkreis Vom Aussterben bedroht
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Vom Aussterben bedroht
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15:27 12.05.2017
Die Auswirkungen des Pilzes auf die Esche sind gravierend – auch in Schaumburg. Quelle: dpa
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„In wenigen Jahren werden alle betroffenen Eschen abgestorben sein.“ Der verantwortliche Pilz „Falsches Weißes Stengelbecherchen“ ist flächendeckend vorhanden, sodass kleine, offene Eintrittstellen — wie beispielsweise Blattnarben — ausreichend zum Eindringen der latenten Pilzsporen seien, erklärt Seidel.

Ist der Pilz erst einmal in den Baum eingedrungen, verläuft der Sterbevorgang dynamisch und schnell: „Die Wasserleitungen werden verstopft. Die kleinen, feinen Äste am äußersten der Baumkrone trocknen zuerst aus. Danach zieht sich der Pilz immer mehr nach innen, bis im Endstadium nur noch vereinzelt Blätter an den starken Ästen übrig sein werden“, so Seidel weiter.

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Der Vorgang ziehe sich über zwei bis drei Jahre. Eine Lösung, um das Sterben aufzuhalten, sei noch nicht in Sicht: „Der letzte Funken Hoffnung besteht darin, durch Beobachtung resistente Eschen zu finden, die den Pilz abwehren können“, so der Fachmann. Auch die forstliche Forschung arbeite mit Hochdruck an einem Ausweg. Durch die Langlebigkeit der Eschen könne das aber noch Jahre in Anspruch nehmen.

Ökologische Tragweite nicht absehbar

Das Nachpflanzen der Esche wurde eingestellt, es habe keinen Sinn mehr: „99,9 Prozent davon würden mit Sicherheit wieder absterben“, sagt Seidel. Die Tragweite der ökologischen Auswirkungen durch den Verlust der Esche könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bestimmt werden. Jedoch werden diverse Käferarten, wie beispielsweise der Eschenbastkäfer, die die Esche als Wirtskörper angesehen haben, leiden und ihre Organismen umstellen müssen.

Vor allem in Schaumburg habe die Esche aber eine hohe ökonomische Stellung und einen großen Nutzungsaspekt, da es „vergleichbar wenige Baumarten in der Region gibt“, so Seidel. „Für die heimische Forstwirtschaft ist das Aussterben der Esche dadurch ein gravierender Verlust. Die hohe Elastizität der Esche macht sie zu einem optimalen Bau- und Konstruktionsholz.“ Nun müsse die Esche, eine regelmäßig vorkommende Nebenbaumart in Schaumburg, gezwungenermaßen gefällt und verwertet werden, bevor das wertvolle Holz nutzlos werde. „Dies stellt Forstbetriebe und Waldbesitzer vor eine besondere, wirtschaftliche Herausforderung — allein schon, weil das Holz meistens noch nicht ausgereift ist. Insbesondere Waldeigentümer müssen sich Gedanken über neue Baumarten machen, die sie als Ersatz in den Wald etablieren könnten. Das ist natürlich mit hohen Kosten verbunden“, gibt Seidel zu bedenken.

Fremdartige Insekten in heimischen Wäldern

Ein gesunder Wald sei nicht selbstverständlich. Durch die Folgen des Klimawandels seien die Wälder einer dauerhaften Belastung ausgesetzt. Fremdartige Insekten, auch aus dem asiatischen Raum, wie beispielsweise Termiten haben es sich dadurch in deutschen Wäldern heimisch gemacht. Auch ihr Befall führt zum Absterben von Baumarten. „Von der Natur werden wir nicht gefragt. Sie wird das Eschensterben und auch den Klimawandel als Ganzes überstehen. Aber sie wird sich verändern“, so Seidel.

Und noch was: „In der germanischen Kultur wird die Esche als Weltenbaum bezeichnet, ein Baum der alles zusammenhält, eine Verkörperung der Schöpfung als Gesamtes“, erklärt der Leiter weiter. Eine traurige Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet dieser Baum bald ausgestorben sein wird. cep