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Aus dem Landkreis Zu Gast im Bienenhaus
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Zu Gast im Bienenhaus
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15:24 13.07.2019
Wildblumen statt Gewächshausware: Anna-Lisa Giehl.   Quelle: vhs
Landkreis

Deshalb führt der Weg auch in die Honigwerkstatt, es geht um den Honig als Ware und die Vermarktung in der Region. Über die Rahmenbedingungen veränderten Wirtschaften entscheiden die politisch Verantwortlichen. Verändertes Kaufverhalten, so Imkerin Anna-Lisa Giehl, könnte schon jetzt Impulse geben. Ihren eigenen Berufsstand sieht sie in der Gefahr, den Ertrag der Völker zum einzigen Kriterium zu machen. Monokulturen würden dann allzu leicht nicht mehr als ein Hauptproblem der heutigen Landwirtschaft angesehen.

An Wespen kommt auch der Bienenfreund nicht vorbei. „Wespen werden gefährlich, wenn es an natürlicher Nahrung mangelt“, sagt Giehl. Kommen dann vor allem gegen Ende des Sommers noch lockende Angebote auf den Tisch, kann es Hauen und Stechen geben zwischen Mensch und Tier. Zum Wespenfeind müsse man deshalb nicht werden, Distanz sei geboten und Umsicht. Außerdem erscheine die Wespe in einem ganz anderen Licht, wenn man ihre Funktion im natürlichen Umfeld sehe, etwa als Vertilgerin von Mücken.

Offene Türen

Bienenhaus und Waldimkerei in Reinsdorf verstehen sich als offene Einrichtung, mitgetragen vom dazugehörigen gemeinnützigen Verein. Kindergartengruppen kommen vorbei, ebenso Grundschulklassen. „Dann führt der erste Weg immer zu den Schafen“, erzählt Giehl. Die Wildblumenwiese zeigt den Kindern, was leicht möglich ist, ebenso die Streuobstwiese am Hang. „Bewusste Wahrnehmung kann Verhalten verändern“, weiß Giehl. Tätiges Handeln helfe, sich im natürlichen Umfeld zu verorten, also die verbreitete Entfremdung zu mindern.

Damit möglichst viele Kinder nachhaltig Erfahrung vor Ort machen können, ist man dabei, mit der Grundschule Am Sonnenbrink in Stadthagen einen Kooperationsvertrag zu erarbeiten. Im naturnahen Schulgarten sieht Giehl an allen Schulen in Schaumburg ein Potenzial für eine angemessene Umwelterziehung, gerade auch für Kinder, die zu Hause beengt leben und von Gartenpracht nur träumen können. Spielplätze und Parkanlagen wären überall einer Inventur zu unterziehen, an ökologischen Kriterien orientiert. „Wilde Ecken“ wären ein Anfang, wie in der Landwirtschaft die Blühstreifen, für die allerdings finanzielle Anreize geschaffen wurden. Vom Augenschmaus allein kann der heutige Landwirt auch nicht leben.

Bleibt die Frage, was eigentlich „Insektenhasser“ umtreibt mit ihren Klatschen, Fallen und Spraydosen. „Womöglich eine zu ausgeprägte Ordnungsliebe“, sagt Giehl und schmunzelt verschmitzt. Unkenntnis und Unsicherheit dürften im Spiel sein. Allergien müssten natürlich sehr ernst genommen werden bei Stichen und Bissen. Dass gerade das Gift von Insekten die Mediziner interessiert, zeigt Michael Ohl in der Studie „Stachel und Staat“ (2018) auf. Gegen Insektenhass ist noch kein Mittel gefunden. Vhs