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Lindhorst Solabali könnte Energiekosten in fünfstelliger Höhe sparen
Schaumburg Lindhorst Lindhorst Solabali könnte Energiekosten in fünfstelliger Höhe sparen
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14:30 06.05.2019
Die Samtgemeinde könnte mit Investitionen an den richtigen Stellen die Energiekosten des Solabali soweit senken, dass Kosten in fünfstelliger Höhe pro Jahr gespart werden könnten. Quelle: Archiv
Samtgemeinde Lindhorst

Fazit: Es gibt viele Möglichkeiten, etwas zu tun. Dafür muss aber Geld in die Hand genommen werden. Die auf die Samtgemeinde zukommenden Kosten und den finanziellen Nutzen – einmal mit, einmal ohne Sportstättenbau-Förderung durch das Land Niedersachsen, jeweils über 30 Jahre gesehen – stellte Christopher Sendler aus dem Fachbereich Bauen vor. In die Summen seien mögliche Kostensteigerungen, Energie- und Reparaturkosten bereits eingerechnet.

Ohne Förderung läge die Investitionssumme demnach bei rund 242.000 Euro. Das Einsparpotenzial umfasst rund 1,3 Millionen Euro, was etwa 43.000 Euro im Jahr entspricht. Mit Förderung müsste die Samtgemeinde 145.000 Euro aufbringen, das Einsparpotenzial läge bei rund 1,4 Millionen Euro, also knapp 47.000 Euro im Jahr.

Die Zahlen gelten jeweils unter Annahme eines eigenen Blockheizkraftwerks (BHKW) und Kessels – derzeit ist ein solches zwar vorhanden, gehört allerdings Westfalen Weser Netz. „Nicht berücksichtigt wurde, dass durch die Umstellung der Beleuchtung im Hallenbad auf LED-Technik die abgängige Hallendecke ebenfalls erneuert werden müsste“, heißt es im Beschlussvorschlag.

Der Bericht listet darüber hinaus zahlreiche konkrete Energiesparmaßnahmen auf. Die wichtigsten Punkte:

Außenwände

Hier empfiehlt die Klimaschutzagentur eine zusätzliche Dämmung von außen. Einzig an der Westseite ist aktuell Glaswolle eingesetzt.

Fenster und Türen

Hier müssten laut Agentur zeitnah vor allem die Einfachverglasung sowie die Oberlichter ausgetauscht werden. Empfohlen werden gedämmte Dachluken ohne Verglasung; mittelfristig auch der Austausch der Fassadenelemente in der Schwimmhalle gegen gut gedämmte Rahmen und Drei-Scheiben-Wärmeschutzverglasung. Ebenso bedürfe die Außentür auf der Westseite einer Erneuerung.

Dach und Boden

Langfristig müsste die Dämmung des Daches mit einem besseren Wärmeschutz erneuert werden. Beim Blick nach unten fielen der Agentur besonders die Bodenplatte aus Stahlbeton, das Schwimmbecken aus Beton und die Kellerdecke zur Technik auf: Hier könne man prüfen lassen, ob eine Dämmung des Beckens und der Kellerdecke sinnvoll und bauphysikalisch möglich sind.

Heizung

Hier schlägt die Klimaschutzagentur den Einbau von Hocheffizienzpumpen und voreinstellbaren Thermostatventilen vor, ebenso wie eine gleichmäßige Wärmeverteilung im Gebäude. Auch denkbar sei der Einbau eines eigenen BHKW und Kessels, dahingehend spricht die Agentur eine „deutliche Umsetzungsempfehlung“ aus.

Trinkwarmwasser

Hier könnte ein zentraler Pufferspeicher mit Frischwasserstation für Einsparungen sorgen.

Lüftung

Diese war erst 2017 erneuert worden und ist daher auf einem modernen Stand.

Erneuerbare Energien

Um die Stromkosten weiter zu senken, sollte laut Agentur über die Installation einer Photovoltaik-Anlage auf dem Süddach oder den Dächern der Schwimmhalle nachgedacht werden. Auch hier gibt es eine „deutliche Umsetzungsempfehlung“.

Beleuchtung

Die Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen sollten durch LED-Technik ersetzt werden. Dazu werden Präsenzmelder für Gänge, Umkleiden und Duschen sowie eine tageslichtgeregelte Steuerung in der Schwimmhalle empfohlen.

Samtgemeindebürgermeister Andreas Günther verwies während der Diskussion auf die seit März bestehenden Förderungsmöglichkeiten für Sportstättenbau, insgesamt 80 Millionen Euro bis zum Jahr 2022. Wenn Lindhorst eine Förderung erhalte, gehe er von einer „kurzen Amortisationszeit von drei bis vier Jahren“ statt von sechs bis sieben Jahren aus. „Auf jeden Fall lohnt es sich, wenn wir es haushaltstechnisch hinbekommen“, so Günther. Die jetzt kalkulierten Summen seien noch mit Vorsicht zu genießen, da noch kein Fachplaner konsultiert worden sei. „Die Leute, die den Bericht erstellt haben, sind aber auch Spezialisten.“ So weisen die Verfasser auch auf weitere Fördermöglichkeiten hin, die Sendler ebenfalls noch in Betracht ziehen will.

Ein mögliches Problem machte Günther viel eher mit Blick auf die Sportstättenförderung aus: Bereits jetzt sei das Programm zu gut 200 Prozent überzeichnet, die zur Verfügung stehende Summe möglicherweise nicht ausreichend. Mit einem Mindestförderbetrag von 50.000 Euro könne man den Richtlinien zufolge aber in jedem Fall rechnen. In der Regel würde die Förderung in Höhe von 40 Prozent der „zuwendungsfähigen Ausgaben“ gewährt, heißt es im Beschlussvorschlag ergänzend.

Gut ausgelastet

Zudem hob Günther die große Bedeutung des Schwimmbades für die Einwohner der Samtgemeinde hervor. Mal gebe es einen höheren, mal einen niedrigeren Zuschussbedarf, welchen man aber gerne trage – immerhin sei das Bad auch gut ausgelastet.

„Das ist gut zu tragen“, sagte auch Jens Bremer (CDU) zu den vorgestellten Kosten. Die jetzt aufgerufene Investitionssumme entspräche ungefähr dem Zuschussbedarf. „Das kann man in Gänze so auf den Weg bringen.“ Ähnlich äußerte sich Horst Schimmelpfennig (SPD): „Wenn man sich die Zahlen anguckt, stellt sich die Frage eigentlich gar nicht“, sagte er. Nun müsse man die Maßnahmen priorisieren und „über die nächsten drei, vier Jahre durchziehen“.

Im Zusammenhang mit dem Energieaudit-Bericht sprach der Ausschuss auch kurz über einen Antrag der Grünen-Fraktion. Der Samtgemeinderat habe mehrfach bekundet, dass das Solabali erhalten werden soll, dabei jedoch auch darauf geachtet werden müsse, dass das Defizit verringert werde, heißt es darin. Daher beantrage man die Durchführung von „Sanierungsmaßnahmen zur Erreichung des Passivhaus-Standards“, die „Umstellung der Beleuchtung auf LED mit den erforderlichen Deckenarbeiten“, die „Errichtung einer Photovoltaikanlage“ beziehungsweise „eines Carports mit Solarzellen“ sowie den „Einbau eines eigenen Blockheizkraftwerkes mit Kessel“.

Bauausschuss begrüßt Antrag

So konkret könne der Ausschuss derzeit aber noch nicht über umzusetzende Maßnahmen entscheiden, sagte Günther. Zunächst warte man auf eine detailliertere Begründung des Antrags in Samtgemeindeausschuss und -rat. „Der Antrag wird vom Bauausschuss aber begrüßt und befürwortet“, ergänzte der Ausschussvorsitzende Andreas Meyer (SPD).

„Es war eine gute Entscheidung, am Energieeffizienznetzwerk Schaumburg teilzunehmen“, zog Günther eine grundlegende Bilanz. Man habe sich konkret mit dem Solabali befasst und wisse nun, „dass großes Energiesparpotenzial da ist“. Dieses zu nutzen, heiße aber: investieren. „Das ist eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen.“

Von Thomas Rocho