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Lindhorst Vater frei
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10:50 25.05.2018
Der Angeklagte sitzt mit seinem Anwalt Andreas Fedler im Gerichtssaal im Landgericht.
Der Angeklagte sitzt mit seinem Anwalt Andreas Fedler im Gerichtssaal im Landgericht. Quelle: dpa
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Lindhorst / Bückeburg

Das Schwurgericht in Bückeburg hat den Haftbefehl gegen den Beschuldigten, der wegen Totschlags angeklagt ist, am zweiten Verhandlungstag aufgehoben. Zur Begründung hieß es, dass kein dringender Tatverdacht mehr bestehe. Es sei nicht wahrscheinlich, dass dem Vater das Schütteln nachgewiesen werden könne. Dies würde bedeuten: Im Zweifel für den Angeklagten. Das Urteil könnte bereits am heutigen Freitag verkündet werden.

Zuvor hatte ein Rechtsmediziner der Universität Münster sinngemäß erklärt, dass sich der Zeitpunkt, zu dem das Baby geschüttelt worden ist, nicht genau eingrenzen lässt. Am fraglichen 27. November 2017 war der Vater von 15 bis 17 Uhr mit seinem Sohn allein. Nach Erkenntnissen des Sachverständigen kann der Säugling jedoch auch vor 15 Uhr geschüttelt worden sind. Damit könnte die Mutter ebenfalls als Täterin infrage kommen.

Ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags gegen die 21-Jährige war im Vorfeld des Prozesses zunächst eingestellt worden. „Wir können das Verfahren jederzeit wieder aufnehmen, wenn wir neue Anhaltspunkte haben“, so Nils-Holger Dreißig, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Bückeburg, gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Nach dem Urteil werde „die Sachlage neu bewertet“.

Sachverständiger bestätigt Schütteltrauma

Fest steht, dass das Baby in einem Zeitraum von zwei bis drei Wochen insgesamt dreimal so heftig geschüttelt worden ist, dass es zu Blutungen kam. Zum Tode führte nach Überzeugung des Sachverständigen ein Schütteltrauma, das der Säugling am 27. November erlitten hat. An diesem Tag war der kleine Junge nach einem Atemstillstand mit Hirnblutungen ins Mindener Klinikum gekommen, wo er trotz einer Notoperation zwei Tage später starb. Dies war das Ende eines Leidensweges.

Blutungen unter der harten Hirnhaut, die zum Zeitpunkt der Obduktion zwei bis drei Wochen alt waren, weisen darauf hin, dass der Säugling damals zum ersten Mal geschüttelt worden ist. „Solche Verletzungen entstehen nahezu ausschließlich durch Schütteln“, sagte er. Etwa drei Tage vor der Einlieferung ins Krankenhaus seien Blutungen im Bereich des oberen Brustkorbs entstanden. „Es kann auch eine Woche vorher gewesen sein“, so der Mediziner.

Am 27. November schließlich erlitt das wehrlose Baby dann jenes Schütteltrauma, das einen schweren Hirnschaden zur Folge hatte. „Es wurde massive Gewalt angewandt“, so der Sachverständige. Durch eine Impfung seien die Blutungen nicht erklärbar, fügte er hinzu. Der Vater hatte den schlechten körperlichen Zustand seines Sohnes auf eine Sechsfach-Impfung zurückgeführt, die der Säugling etwa drei Wochen zuvor bekommen hatte. ly

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