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Samtgemeinde Lindhorst CDU Beckedorf unterstützt SPD-Kandidatin
Schaumburg Lindhorst Samtgemeinde Lindhorst CDU Beckedorf unterstützt SPD-Kandidatin
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19:09 19.04.2019
Kann sie SPD-Kandidatin Svenja Edler in den Schatten stellen? Manche in der CDU zweifeln an Stefanie Sonnekalb-Unruh. Quelle: ab
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Samtgemeinde Lindhorst

Während die Wahlkämpfe um das Amt des Bürgermeisters in den Samtgemeinden Sachsenhagen und Nienstädt schleppend anlaufen, wird in Lindhorst schon tüchtig um die Macht gerangelt. Im Mittelpunkt steht derzeit Stefanie Sonnekalb-Unruh, Kandidatin der Grünen, unterstützt von der CDU.

Jörg Windheim, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Beckedorfer Stadtrat, ruft jetzt „in der Verantwortung für das Dorf“ dazu auf, die SPD-Kandidatin Svenja Edler zu wählen. Windheims wichtigstes Argument für die parteifremde Kandidatin: Die Samtgemeinde brauche einen „kompetenten, fachlich versierten Vollprofi“ als Bürgermeister.

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"Parteilos und unvoreingenommen"

Edler bringe „Verwaltungs- und Führungserfahrung“ aus einer Samtgemeinde mit, die „ähnlich strukturiert“ sei wie Lindhorst, so Windheim. Derzeit fungiert sie als Stellvertreterin des Eilser Samtgemeindebürgermeisters Bernd Schönemann. Außerdem sei die Kandidatin, die die SPD ins Rennen geschickt hat, „parteilos und unvoreingenommen“, lobt Windheim.

Kein gutes Haar lässt der Beckedorfer CDU-Chef an der gemeinsamen Kandidatin von Grünen und CDU. Mit Blick auf Stefanie Sonnekalb-Unruh sagt Windheim: „Die Verwaltung ist kein Abenteuerspielplatz für Selbstverwirklicher.“ Dort sei kein Platz „für Experimente“.

Gegen Sonnekalb-Unruh spricht laut Windheim ihr „völlig inakzeptables Wahlprogramm“. Unter anderem wolle sie die Zuständigkeit für die Kitas von den Gemeinden auf die Samtgemeinde übertragen. In Lindhorst ist dies ein heikles Thema. Das jahrzehntelange Gegeneinander von Gemeinden und Samtgemeinde geht darauf zurück, dass sich die Dörfer mit aller Macht dagegen stemmen, Zuständigkeiten an die Samtgemeinde Lindhorst abzugeben.

Ehe mit CDU-Fraktionschef sei ungünstig

Der Rest der Welt gegen Lindhorst: Die SPD umschifft das Problem, indem sie die Auswärtige Svenja Edler präsentiert, die die Kabale nur vom Hörensagen kennt. Die Grünen-CDU-Kandidatin Sonnekalb-Unruh wurde dagegen protegiert von Burkhard Pieper, Vorsitzender der Samtgemeinde-CDU, und von Sven Unruh, CDU-Fraktionschef im Samtgemeinderat. Sonnekalb-Unruh, Pieper, Unruh: Alle drei sind Lindhorster.

Der Beckedorfer CDU-Chef Jörg Windheim holt bei seiner Kritik an der Kandidatin Sonnekalb-Unruh noch weiter aus. Dem „ehrgeizigen Engagement“ von Sonnekalb-Unruh im Beckedorfer Schulelternrat sei es zu verdanken gewesen, dass die Gemeinde vor drei Jahren „die Schließung der Grundschule schmerzlich hinnehmen“ musste, ätzt Windheim. Dieser „infrastrukturelle Verlust“ wirke sich bei auf dem Wohnungsmarkt „immer noch negativ aus“.

Zu guter Letzt nennt Windheim „die Konstellation nicht besonders günstig“, dass die Grünen-CDU-Kandidatin die Ehefrau von Sven Unruh ist, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Samtgemeinderat. Das könne „zu Komplikationen, zumindest zu einem Gschmäckle führen“, mutmaßt Windheim.

Zoff schwelt seit Wochen

Rückblick: Mitte Dezember hatten Grüne und CDU Sonnekalb-Unruh einstimmig auf den Schild gehoben, nachdem die CDU intern nicht fündig geworden war. Auf der Versammlung nicht anwesend, weil verhindert: Jörg Windheim, das politische Schwergewicht aus Beckedorf. „Wir hätten damals für Frau Edler votiert“, sagt er heute. Ihm sei nicht klar gewesen, dass es an jenem Tag schon um die endgültige Festlegung einer Kandidatin gehen sollte, er sei von einer „Aussprache“ ausgegangen. „Die Beschluss war eine Überraschung“, sagt Windheim. „Zumal im Vorfeld nicht mit uns über die Kandidatensuche kommuniziert wurde.“

Der Zoff schwelt schon seit Wochen. Sie sei im Haustür-Wahlkampf darauf angesprochen worden, dass Teile der Beckedorfer CDU sie nicht unterstützten, sagt Sonnekalb-Unruh. Windheim begründet den Zeitpunkt des Lagerwechsels damit, dass ihm die Herausgabe des Protokolls der Dezember-Sitzung verweigert worden sei. „Das habe ich erst jetzt bekommen“, sagt er.

„Mit den Meinungen Einzelner kann ich leben“, kommentiert Sonnekalb-Unruh das Fremdgehen der Beckedorfer CDU-Fraktion. Zweifelsohne müsse man an der „internen Kommunikation arbeiten“, sagt Sandra Völkening, Sprecherin der Samtgemeinde-CDU.

Auch Lüdersfelder CDU zweifelt

Der Beckedorfer CDU-Mann Windheim scheint mit seiner Skepsis allerdings nicht allein zu stehen, was die Kandidatur von Sonnekalb-Unruh auf dem grün-schwarzen Ticket angeht. Auch der Lüdersfelder Bürgermeister Wilfried Schröder (CDU) lässt sich – trotz der einstimmigen Nominierung – derzeit lediglich ein „Das tragen wir jetzt erst einmal mit“ entlocken.

„Ich schätze Frau Sonnekalb-Unruh als Mensch, aber die Frage ist tatsächlich, ob wir nicht jemanden mit mehr Verwaltungserfahrung brauchen“, sagt Schröder. Er wolle seine Wahlentscheidung davon abhängig machen, wie sich die Kandidaten am 8. Mai während einer Bürgerversammlung in Lüdersfeld präsentieren. ab