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Samtgemeinde Lindhorst „Die Fachfrau, der Populist und ich“ - die Kandidaten in der Samtgemeinde Lindhorst
Schaumburg Lindhorst Samtgemeinde Lindhorst „Die Fachfrau, der Populist und ich“ - die Kandidaten in der Samtgemeinde Lindhorst
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00:19 09.03.2019
Lindhorst

Während die Samtgemeinde Sachsenhagen (Titelverteidiger: Jörn Wedemeier/SPD, Herausforderer: Jörg Zschetzsche/CDU) und die Samtgemeinde Nienstädt (Alleinkandidat: Ditmar Köritz/SPD) noch im Winterschlaf dämmern, wird in der Samtgemeinde Lindhorst schon tüchtig um die Macht gerungen. Das belegt ein erster Blick auf den Wahlkampf.

Matthias Hinse

ist fraktionslos, aber nicht machtlos. Er hat sich das Reizthema „Straßenausbaubeitragssatzung“ geschnappt. Das spielt zwar in der Gemeinde und nicht in der Samtgemeinde, bringt aber Menschen auf die Beine wie kein zweites Thema.

Vor allem das SPD-Lager wirft Hinse vor, er instrumentalisiere das Satzungs-Hickhack, dabei hat er das Thema nachweislich schon 2017 aufgegriffen. Hinse scheint in der Rolle als Don Quijote, der gegen alle Windmühlen anrennt. Die meisten Lanzenstiche setzt er auf Facebook. Hinses Kurs geht in etwa so: Die Gemeinde zahlt den Ausbau der Straßen selbst, kein Bürger muss blechen. Die immensen Schulden, die dabei auflaufen? Egal, sagt er, so zwinge man Landkreis und Land, zu helfen.

Stefanie Sonnekalb-Unruh

hat eigentlich eine spannende Story zu erzählen. Sie ist eine junge Grüne, seit Langem in Lindhorst ansässig – und sie ist die gemeinsame Kandidatin von Grünen und CDU. Was könnte man daraus im sozialdemokratischen Lindhorst nicht alles für Geschichten stricken! Bis hin zu: Kann eine grünschwarz angestrichene Samtgemeinde Lindhorst ein Modell für Deutschland sein? Allein: Lokalmatadorin Stefanie Sonnekalb-Unruh kommt bislang nicht vor.

Das macht ihr durchaus zu schaffen. Das war in der Sitzung des Grünen-Kreisverbands zu beobachten, in der Sonnekalb-Unruh ein Wahlkampfteam bekommen sollte. Die Kreisgrünen kauten so lange auf Themen wie Feststoff-Fermentation herum, dass kaum Zeit für die Bürgermeister-Kandidatin blieb. Sie sandte einen Hilferuf in die Runde: „Die Fachfrau, der Populist und ich – ich brauche jede Hilfe, die ich kriegen kann.“

Svenja Edler

„Die „Fachfrau“? Das ist . Man bräuchte viele Zeilen, um die Verwaltungs-Funktionen aufzuzählen, die sie in Ausbildung und Beruf innehatte. Derzeit ist sie stellvertretende Samtgemeindebürgermeisterin in Eilsen, außerdem Gemeindedirektorin in Bad Eilsen.

Auch Edler würde in dem Wirbel untergehen, den Hinse derzeit entfacht, allerdings kann sie sich auf die SPD-Leute verlassen, die die Region im Griff haben. Als der Beckedorfer SV kürzlich tagte, lotste sie den Bürgermeister Dieter Wall (SPD) zu einem Grußwort ans Rednerpult. Zwei Monate vor einer Wahl ist das ein ungewöhnliches Prozedere für einen Sportverein.

Genutzt hat Edler die Vorlage des Mannes nicht, der zu den SPD-Granden gehört, die sie für die Kandidatur gekeilt haben. Sie entschuldigte sich, dass sie das Essen herausgezögert habe, teilte mit, sie wolle „keinen Wahlkampf machen“, und teilte mit, dass „sehr wohl jemand aus dem Südkreis eine Samtgemeinde im Nordkreis führen“ könne – und entschuldigte sich, dass sie das Essen herauszögert.

Populist, Lokalmatadorin und Fachfrau: In Lindhorst dürfte es bis zum 26. Mai spannender zugehen als in Sachsenhagen und Nienstädt zusammen.

Von Arne Boecker