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Samtgemeinde Lindhorst Die Wackel-Kandidatin
Schaumburg Lindhorst Samtgemeinde Lindhorst Die Wackel-Kandidatin
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00:20 26.04.2019
Lindhorst

Die Grünen-Kandidatin Stefanie Sonnekalb-Unruh, die von der CDU unterstützt wird, kämpft mit Gegenwind, weil sich die Beckedorfer CDU um Jörg Windheim, Chef der Ratsfraktion, von ihr losgesagt hat.

Die Renegaten kritisieren Sonnekalb-Unruh aufs Allerschärfste und rufen dazu auf, SPD-Kandidatin Svenja Edler zu wählen. Weder Sonnekalb-Unruh noch die Samtgemeinde-CDU wollten sich zu den schweren Vorwürfen äußern.

Auch im Lager der SPD rumort es. Auslöser ist Cerstin Bayer, die für die Sozialdemokraten im Gemeinderat, im Samtgemeinderat und auch im Kreistag sitzt. Von dieser Zeitung angefragt, mag sie sich nicht zu SPD-Kandidatin Svenja Edler bekennen. Auf die Frage, ob sie Edler unterstützt, weicht Bayer aus: „Ich unterstütze die Person, die am besten geeignet ist, Innovation, Kreativität, Professionalität und Bürgernähe zu vereinen.“

Vorgeschichte

Diese Antwort hat eine Vorgeschichte. Als es Ende vergangenen Jahres darum gegangen war, einen Kandidaten für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters aufzustellen, war die ortsfremde, aber verwaltungserfahrene Svenja Edler (derzeit stellvertretende Bürgermeisterin der Samtgemeinde Bad Eilsen) auf die Lindhorsterin Cerstin Bayer getroffen, die im Ort ein Geschäft führt. Edler, von den Parteigranden um den Beckedorfer Bürgermeister Dieter Wall angesprochen, setzte sich gleich im ersten Wahlgang klar durch.

Wenige Tage später trat Bayer vom Vorsitz der Samtgemeinde-SPD zurück. Sie selber dementiert jeden Zusammenhang zwischen diesem Schritt und ihrem Scheitern bei der Kandidaten-Wahl. Für die Öffentlichkeit griff sie nach der Formulierung von dem „fehlenden Vertrauen“, das den Rücktritt ausgelöst habe.

Politisches Ausrufezeichen

Ein politisches Ausrufezeichen setzte Bayer dann im Lindhorster Rat, als es um die Straßenausbaubeitragssatzung ging. Der fraktionslose Ratsherr Matthias Hinse, der sich für die Linke ebenfalls um das Amt des Samtgemeindebürgermeisters bewirbt, hatte wochenlang gegen die Satzung argumentiert und agitiert, weil sie Bürger seiner Meinung nach über Gebühr belaste. Als es im Rat zur Abstimmung kam, stand er fast allein gegen SPD, CDU und Grüne – nur SPD-Frau Bayer stellte sich Hinse zur Seite.

Spekulationen

In Lindhorst und um Lindhorst herum wird seitdem spekuliert, dass sich SPD-Frau Cerstin Bayer und der fraktionslose Matthias Hinse politisch zusammentun könnten. Hinse nährte diese Spekulation, indem er auf einer Demonstration andeutete, aus dem Zoff um die Straßenausbaubeitragssatzung könne eine Bürgerinitiative entstehen. „Mittelfristig“, so Hinse, sei „auch die Bildung einer neuen politischen Kraft möglich.“

Auf Anfrage dementiert Bayer diese Gedankenspiele nicht, bleibt aber vage: „Als Ratsmitglied habe ich abzuwägen, mich zu informieren und alles Wissen zusammenzutragen, um die bestmögliche Entscheidung zu treffen. So werde ich auch zukünftig entscheiden, dies nennt man Demokratie – und das hat nichts mit politischen Gruppierungen zu tun.“

Unverbindlicher Kaffee

Matthias Hinse bestätigt, sich mit Cerstin Bayer unverbindlich auf einen Kaffee getroffen zu haben. „Man kann sagen, dass wir beide Lust haben, Dinge neu zu denken“, sagt er.

Unabhängig von dem politischen Kaffeetrinken habe ihn erschreckt, welchen „Drohgebärden“ sich Bayer SPD-intern ausgesetzt sehe. Wichtige Funktionsträger der Sozialdemokraten würden sich weigern, mit ihr zu sprechen, so Hinse. Nach seiner Darstellung gibt es noch ein weiteres SPD-Mitglied im Samtgemeinderat, das unter dem aktuellen Streit leidet. „Für einige Leute in Lindhorst war das immer ‚ihre‘ SPD“, sagt Hinse, „das gilt inzwischen nicht mehr. Von Arne Boecker