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Samtgemeinde Lindhorst Grenzenloser Jubel im Edler-Lager
Schaumburg Lindhorst Samtgemeinde Lindhorst Grenzenloser Jubel im Edler-Lager
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00:20 29.05.2019
SPD-Samtgemeindeverbandsvorsitzender Thilo Müthing überreicht der strahlenden Siegerin Svenja Edler Blumen. Quelle: rg
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Samtgemeinde Lindhorst

Großer Jubel bei den Sozialdemokraten, als das Ergebnis der Samtgemeindebürgermeisterwahl in Lindhorst offiziell verkündet wird. „Hammer“, so Edlers erste Reaktion auf das Wahlergebnis.

6360 Wahlberechtigte waren in der Samtgemeinde Lindhorst aufgerufen, einen Nachfolger für den noch amtierenden Samtgemeindebürgermeister Andreas Günther zu wählen. 62,55 Prozent davon nahmen dieses Recht wahr und gaben ihre Stimme ab.

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Für Matthias Hinse (Linke) votierten 24,83 Prozent. Damit bekam er fast fünf Prozentpunkte mehr als bei der Wahl 2011, bei der er bereits einmal für den Posten kandidiert hatte – damals noch als Grüner. Stefanie Sonnekalb-Unruh (Bündnis90/Die Grünen), die auch vom Großteil der CDU unterstützt wurde, schnitt mit 21,06 Prozent überraschend am schlechtesten ab.

„Ich freue mich riesig“, sagte Edler an die Adresse ihrer Wahlkampfhelfer, die in der Kneipe Alte Tränke mit ihr auf die Ergebnisse gewartet hatten. Die Sozialdemokraten waren technisch zwar gut ausgestattet, aber dennoch langsamer informiert, als die Besucher, die zu Fuß ins gegenüberliegende Rathaus marschierten und von dort das endgültige Ergebnis mitbrachten.

Edler gab zu, eine Stichwahl nicht ausgeschlossen zu haben. „Ich habe mich gefragt: Wo geht das hin?“, gestand die Bückeburgerin. „Wird jemand vom Fach gewählt, oder jemand aus der Gegend?“

Viele Worte verlor sie nicht: „So, und jetzt haben wir Arbeit“, kündigte sie unter Applaus an, dass sie die Dinge im Rathaus nun schnell in Angriff nehmen will. Doch ihr erster Arbeitstag als Samtgemeindebürgermeisterin wird erst am 1. November sein. Bis dahin läuft die Amtszeit von Andreas Günther.

In den Mitgliedskommunen Beckedorf und Heuerßen kam Edler sogar auf mehr als 60 Prozent. Nur in der Gemeinde Lindhorst lag die SPD-Kandidatin mit 48,36 Prozent unter 50 Prozent der Stimmen. Dort erzielte Hinse mit 32,45 Prozent sein bestes Ergebnis. Sonnekalb-Unruh hatte offensichtlich keinen Heimvorteil, sie fuhr in der Mitgliedsgemeinde Lindhorst mit 19,19 Prozent sogar ihr schlechtestes Resultat ein. Am besten schnitt sie mit 26,05 Prozent in Lüdersfeld ab.

Lange Zeit während der Auszählung hatte Sonnekalb-Unruh den zweiten Platz im Wahl-Ranking inne – die Hoffnung: Stichwahl. Die Auszählung der letzten zwei Wahllokale brachte dann die Wende. Sonnekalb-Unruh verschwand daraufhin für eine Weile in liebevollen Umarmungen von Familie und Freunden.

Tränen bei der Verliererin

Schließlich brandete Applaus auf – und bei Sonnekalb-Unruh kullerten die Tränchen. „Sie hat das klasse gemacht. Vor 250 Zuhörern auf der Bühne so souverän zu sprechen, war eine tolle Leistung“, lobte ein Freund ihren Auftritt beim Wahlforum dieser Zeitung.

Nach der Wahlniederlage sprach Sonnekalb-Unruh zunächst Glückwünsche an Edler aus. Aber: „Ich bin schon enttäuscht“, gab die gemeinsame Bewerberin von Grünen und CDU offen zu. „Ich hätte mir ein besseres Ergebnis erhofft. Wir hatten das auch anders wahrgenommen“, sagte sie in Bezug auf das Stimmungsbild. Aber Lindhorst sei nun einmal sehr SPD-lastig. „Das tut zwar weh, aber das ist Demokratie“, schloss die unterlegene Kandidatin.

Ruhe statt Wahlparty

Hinse hielt sich aus dem ganzen Trubel heraus. Statt eine Wahlparty zu schmeißen, zog er sich mit seiner Freundin zurück. Zu zweit verfolgten sie die Entwicklung. Bei dem Endergebnis war ihm zwar nicht zum Jubeln zumute, aber letztlich erkennt er an, dass knapp ein Viertel der Wähler ihn im Rathaus sehen wollte.

„Eigentlich ist es ein Erfolg“, findet Hinse, „weil die Leute mich persönlich wollen. Frau Edler hat die 50 Prozent nicht gekriegt, weil die Leute sie kennen und schätzen.“ Ironisch fügt er hinzu: „Hinse gibt strategische Fehler beim Wahlkampf zu. Ich habe unterschätzt, dass Händedrücken, Bratwurst und Kugelschreiber so viel Wirkung auf Wähler haben.“ Er wolle im politischen Rahmen weiter für seine Sache streiten. „Ich bin froh, dass persönliches Glück und Engagement nicht mit dem Wahlergebnis schwinden.“

Genossen freuen sich über gelungenen Wahlkampf

Der Erfolg hat mal wieder viele Väter. Die Sozialdemokraten sind sich sicher, dass der Wahlkampf durch die vielen Helfer zum guten Ergebnis geführt hat. „Die Plackerei der letzten Monate hat sich ausgezahlt“, meint Beckedorfs Bürgermeister Dieter Wall.

„Ich freue mich total, dass die Ergebnisse aus den kleinen Kommunen so gut sind“, sagte Heuerßens SPD-Fraktionssprecher Klaus Büsking. Lindhorst Bürgermeister Hans-Otto Blume bedankte sich besonders bei Karina Lehmann und Christopher Sendler für deren Engagement im Wahlkampf. Blume, Büsking und Wall waren diejenigen, die die parteilose Edler ermuntert hatten, sich als Kandidatin für die Sozialdemokraten aufstellen zu lassen.  bab/göt