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Samtgemeinde Lindhorst Im Herbst heißt es: Wasser, marsch!
Schaumburg Lindhorst Samtgemeinde Lindhorst Im Herbst heißt es: Wasser, marsch!
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00:22 16.06.2019
Im Hochbehälter Beckedorf können zwei Millionen Liter gespeichert werden, um Unterschiede im Verbrauch der Kunden auszugleichen. Quelle: tro
Lindhorst

Deswegen nennt Werner Volker, Geschäftsführer des Verbands, das Projekt eine „herausragende Investition“. Im Detail geht es um eine 14 Kilometer lange Verbindung zwischen dem Wasserwerk Landringhausen (Stadt Barsinghausen) und dem Hochbehälter in Beckedorf. „Das ist eine wichtige ‚Ader‘ für uns“, sagt Volker. In Landringhausen schöpft das Werk das Grundwasser ab, das das Urstromtal der Leine liefert.

Außer Landringhausen betreibt der Wasserverband Nordschaumburg – Sitz in Lindhorst – noch drei Wasserwerke, bei Steinhude, Apelern und Stadthagen. Gegründet wurde der Verband 1952, derzeit gehören ihm unter anderem die Städte Stadthagen und Wunstorf sowie die Samtgemeinden Lindhorst, Nenndorf, Niedernwöhren, Rodenberg und Sachsenhagen an. Insgesamt versorgt er 70.000 Menschen (und Firmen).

Sieben Kilometer schon fertig

Ein neues Rohrsystem muss her, weil das alte still vor sich hinrostet. Sieben Kilometer zwischen dem Wasserwerk und der A 2 sind schon fast fertig, seit April sind die sieben Kilometer zwischen der A 2 und Beckedorf an der Reihe.

Die Planung hat das Büro Scheffel übertragen bekommen, den Bau besorgt die Strabag. Die Strecke streift die Deponie Kolenfeld, die für ihren Betrieb Wasser abzapft. dann geht es zum Knotenpunkt Kreuzriehe, wo Wasser in das verzweigte System des WNV gelenkt wird.

Der Hochwasserbehälter auf der Beckedorfer Höhe ist der Endpunkt. Er fasst zwei Millionen Liter Wasser. „Wenn wir die neue Rohrleitung in Betrieb nehmen, wird der Speicher randvoll sein, damit wir mögliche Probleme ausgleichen können“, sagt Volker.

Rücksicht auf Naturschutz, Denkmalpflege und alte Kampfmittel

Bei der Planung der neuen Trasse habe man als Ziel formuliert, so weit wie möglich über öffentliches Gebiet zu gehen, sagt Geschäftsführer Volker. Bedenken mussten die Planer Naturschutz und Denkmalpflege, im Hinterkopf die Frage, wo Kampfmittel aus dem 2. Weltkrieg liegen.

Die Baufirma geht in drei Abschnitten vor, spätestens im November soll das Rohrsystem komplett sein. Spaziergänger kennen den Anblick der blauen Rohre, die derzeit in der Feldmark bei Waltringhausen lagern. Die Rohre werden mit einem Verfahren unter die Erde gebracht, das Fachleute „Horizontalspülbohrung“ nennen. Vereinfacht ausgedrückt: Die Spezialfirma gräbt ein Einstiegs- und ein Ausstiegsloch, weicht die dazwischen liegende Erde mit Wasser auf und ruckelt das Rohr – Durchmesser: 40 Zentimeter – dann in etwa zweieinhalb Meter Tiefe zurecht, bis alles passt. Die Rohre sind spezialbeschichtete Weiterentwicklungen jener Rohre, die jetzt ausrangiert werden müssen; Anfang der siebziger Jahre waren sie verlegt worden. „Es wäre zu aufwendig gewesen, die alten Rohre zu sanieren“, sagt Volker.

Bevor die neuen Rohre von Wasser benetzt werden, nimmt der Verband Prüfungen vor: Stimmt der Druck in den Rohrsystemen? Ist hygienisch alles einwandfrei? „Wir arbeiten hier schließlich mit Trinkwasser, also dem wichtigsten Lebensmittel, das wir kennen“, sagt Volker.

Von Arne Boecker