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Samtgemeinde Lindhorst Matthias Hinse will „das Beste für den Bürger herausholen“
Schaumburg Lindhorst Samtgemeinde Lindhorst Matthias Hinse will „das Beste für den Bürger herausholen“
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22:49 17.05.2019
Matthias Hinse will als Samtgemeindebürgermeister neue Wege gehen.  Quelle: bab
Samtgemeinde Lindhorst

In der Küche seines Hauses an der Feldstraße empfängt Matthias Hinse Besuch. Das ist der Ort, an dem schon einige Nachbarn gesessen haben sollen, um ihm ihr Herz auszuschütten. Seit einiger Zeit macht den Anliegern in der Westsiedlung Sorgen, dass sie für die Erneuerung der Straßen zur Kasse gebeten werden.

Eigentlich kein Thema für die Samtgemeinde, weil sie nicht zuständig ist. Aber Hinse, der am 26. Mai antritt, um Nachfolger des Samtgemeindebürgermeisters zu werden, hat das Thema Straßenausbaubeitragssatzung als Ratsherr in Lindhorst schon länger auf dem Zettel. Dort sitzt er – wie auch im Samtgemeinderat – inzwischen als Einzelkämpfer, denn er wechselte von den Grünen zu den Linken. „Ich habe schon immer gesagt: Ich bin linker Grüner.“ Grund für seinen Austritt aus Fraktion und Partei von Bündnis 90/Die Grünen war nach der Kommunalwahl 2016 die Kooperation der Grünen mit der CDU.

Seine sozialpolitische Haltung treibt den 46-Jährigen auch im VW-Betriebsrat um. Und er gründete vor 14 Jahren in Lindhorst den Verein „Wir für soziale Gerechtigkeit“, der vor allem Kinder aus armen Familien unterstützen möchte. In Youtube-Videos ist zu sehen, wie er sich über Kinderarmut mit dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt unterhielt, auch mit anderen wie Andreas Rebers, Christoph Sieber und Jochen Malmsheimer. Linken-Politiker wie Katja Kipping und Klaus Ernst bekam er ebenso vor das Mikrofon wie Roland Kaiser und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil.

Traumjob und glückliche Beziehung

Er selbst ist Vater von vier erwachsenen Kinder im Alter von 18 bis 28 Jahren. Sein jüngster Sohn bewohnt die untere Wohnung in dem Siedlerhaus. Hinse sagt, dass es noch zwei Hunde gibt. „Gartenarbeit ist nicht gerade mein Hobby“, entschuldigt er sich beim Anblick seiner Außenanlagen. Dafür mag er Sport, hat bis vor Kurzem in Auhagen Fußball gespielt, zudem in jungen Jahren Leichtathletik in Beckedorf betrieben.

Die Fußballschuhe hat er an den Nagel gehängt, läuft aber weiter Marathon wie kürzlich in Hannover. Und er betont, dass er seit einiger Zeit wieder liiert sei. Einen „Traumjob“, den er schon immer gerne haben wollte, bei VW und eine glückliche Beziehung. Und jetzt noch die Kandidatur: „Warum tue ich mir das an?“, fragt er sich manchmal.

Vor acht Jahren kandidierte er schon einmal für das Amt und bekam damals als Grüner knapp 20 Prozent. Er verlor im ersten Wahlgang gegen Andreas Günther, der mit rund 62,5 Prozent gewann. Der dritte, parteilose Bewerber Klaus Illmer landete bei rund 18 Prozent.

Neue Wege einschlagen

Schon damals forderte er, in der Verwaltung neue Wege einzuschlagen und mehr Bürgerbeteiligung zu wagen, um den Bürgern mehr Mitspracherecht einzuräumen. Bildungspolitische und soziale Fragen sind ihm wichtig – damals wie heute. Die kleinen Leute, kleinen Kommunen und kleinen Geldbeutel treiben ihn um.

Er vertritt die Ansicht, dass höhere Instanzen wie der Landkreis Aufgaben wie die kostspielige Kinderbetreuung in den Kindergärten übernehmen sollten. „Das ist ein Riesenproblem für die Kommunen, deshalb wird etwas passieren müssen.“

Die Verwaltung zu leiten, traue er sich deshalb zu, weil er im VW-Konzern festgestellt habe, dass man diese einfach für seine Ziele einzusetzen wissen müsse. Seine Aufgaben im Werk in Hannover vergleicht er mit dem Amt, das er in der Samtgemeinde anstrebt. „Bei VW betreue ich 750 Leute mit all den Problemen, die da kommen. Die Themen sind vielschichtig“, erzählt er. „Man muss die Verwaltung nutzen, um das Beste herauszuholen.“ Delegieren könne man auch bei der Größe der Lindhorster Verwaltung. „Du musst einen klaren Menschenverstand haben“, zitiert Hinse den isländischen Komiker und Schriftsteller Jón Gnarr, der es zum Bürgermeister von Reykjavík gebracht hatte.

An kleinen Dingen ansetzen

In der Samtgemeinde bedeute das, „an den kleinen Dingen anzusetzen“. Neugeborene sollen nicht nur Besuch vom Bürgermeister bekommen, der ein Willkommenspaket überreicht, auch bei der Bewältigung der schulischen Laufbahn bis hin zum Ausbildungsplatz müsse die Samtgemeinde Unterstützung bieten. Die Einwohner sollen das Gefühl bekommen, eine Verwaltung zu haben, „die sich viel um die Bürger kümmert. Das kostet auch gar nicht viel“, meint Hinse, der sich deshalb gute Chancen ausrechnet. „Weil die Leute danach lechzen, jemanden zu haben, der sagt, was er denkt, und tut, was er sagt.“ bab