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Samtgemeinde Lindhorst Samtgemeindebürgermeister Andreas Günther geht Ende des Monats in den Ruhestand
Schaumburg Lindhorst Samtgemeinde Lindhorst Samtgemeindebürgermeister Andreas Günther geht Ende des Monats in den Ruhestand
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15:45 13.10.2019
Andreas Günther war acht Jahre lang Samtgemeindebürgermeister in Lindhorst.  Quelle: bab
Samtgemeinde Lindhorst

Andreas Günther hat immer noch etliche Akten auf dem Schreibtisch. „Ich kann hier kein bestelltes Feld hinterlassen“, sagt der Samtgemeindebürgermeister, dessen Dienstzeit am 31. Oktober endet. Zu viele Dinge seien noch in der Planung und im Prozess – wie in Kommunen üblich. Zurzeit bereitet er seine letzte Samtgemeinderatssitzung vor. Diese ist am 17. Oktober und an dem Abend will sich der Lindhorster Verwaltungschef von den Politikern verabschieden. 

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„Wir haben die Politik ganz schön getrieben“, findet Günther im Rückblick auf seine acht Jahre als Samtgemeindebürgermeister. „Im Schnitt haben wir 47 Drucksachen pro Jahr durch den Rat gejagt“. Und mit den Entscheidungen, die in seiner Amtszeit getroffen worden sind, hat sich der Heuerßer nicht immer Freunde gemacht. So hat ihn die Schließung der Feuerwehr Ottensen einiges an Sympathien gekostet. „Wir haben das gemacht, was wir vorher vereinbart hatten und uns nach dem Feuerwehrbedarfsplan gerichtet“, stellt er klar.

In der Feuerwehr viel bewegt

Dazu gehörte auch, dass Heuerßen ein neues Gerätehaus bekommen hat und der Neubau für ein gemeinsames Domizil der Vornhäger und Lüdersfelder Wehr zurzeit umgesetzt wird. Die Lindhorster Feuerwehr erhielt ein neues Fahrzeug und die Flächennutzungsplanäderung für die Erweiterung des Beckedorfer Standortes wird gerade auf den Weg gebracht.

Die letzten acht Jahre waren die intensivsten meines ganzen Berufslebens.

Andreas Günther , Samtgemeindebürgermeister Lindhorst

Auch bei der Schließung der Beckedorfer Grundschule musste die Samtgemeinde gegen Widerstände ankämpfen. „Die letzten acht Jahre waren die intensivsten meines gesamten Berufslebens“, sagt Günther. Und in diesen ist in der Samtgemeinde einiges passiert. Eingerichtet wurden ein Senioren- und Behindertenbeirat, jüngst auch ein Jugendbeirat, der Bürgerbus, die Ganztagsschule und ein Ganzjahresbetrieb im Hallenbad Solabali. In das Bad wurde etliches in neue Anlagen investiert, die energie- und kostensparender sind. Zudem wurde der Beckenrand erhöht, sodass sich eine größere Wassertiefe für Wassertherapien ergibt.

Sanierungsstau bei Amtsantritt

Energie- und Kostenersparnis durch Modernisierung hat auch die Kläranlage und das Abwassersystem effizienter gemacht. Günter verhehlt dabei auch den Einfluss der Grünen auf seine Amtszeit nicht, die die entsprechenden Anträge für manche Maßnahme eingebracht hatten. Es habe zu seinem Amtsantritt aber auch einen gehörigen Sanierungsstau gegeben, der beseitigt werden musste, betont er. Das führte auch zum Umbau des Rathauses, das barrierefrei gestaltet und zusätzlich renoviert wurde. Darüber hinaus wurden in öffentlichen Gebäuden die Beleuchtung auf LED umgestellt.

Eine der größten Herausforderungen sei es gewesen, genug Wohn- und Integrationsmöglichkeiten für Flüchtlinge zu schaffen. „Das hat die Verwaltung echt gefordert, für 160 Flüchtlinge Wohnraum zu schaffen“, blickt der 63-Jährige auf die Jahre 2015 und 2016. Die Samtgemeinde habe im Gegensatz zu manch anderer Kommune das Soll geschafft.

Ich wäre gerne den Weg der Fusionsverhandlungen gegangen.

Andreas Günther , Samtgemeindebürgermeister Lindhorst

Die Diskussion um die Übertragung der Kindergärten aus der Verantwortung der Mitgliedskommunen in die der Samtgemeinde hat Günther längst abgehakt, denn außer Lindhorst hatte sich keine Gemeinde dafür erwärmen können. Was ihn allerdings schmerzt, ist der jähe Abbruch der Fusionsgespräche zwischen Lindhorst und den Samtgemeinden in der Nachbarschaft, die einige Hauptverwaltungsbeamte im Frühjahr 2018 angeregt hatten.

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„Ich wäre gerne den Weg der Fusionsverhandlungen gegangen“, sagt er. Günther sieht auf die kleinen Kommunen immer mehr Aufgaben zukommen, die in Rathäusern der Größe Lindhorsts nur noch schwierig zu bewältigen sind.

Eigengewächs der Samtgemeinde

Kommunalpolitik ist nicht nur ein Beruf, sondern auch ein Steckenpferd von Günther, der ein sogenanntes Eigengewächs der Samtgemeinde ist, wo er 1974 als Auszubildender begann. Deshalb will er auch als Pensionär nicht ganz davon ablassen. Für den Städte- und Gemeindebund möchte er nach seiner Pensionierung Seminare und Workshops für ehrenamtliche Mandatsträger und Bürgermeister geben. Ob er sich auch in seinem Heimatort Heuerßen selbst noch ehrenamtlich engagieren wird, lässt er zunächst offen.

„Ich werde wieder Klavierunterricht nehmen“, kündigt er an, sein Hobby auszubauen. „Klavier spiele ich jeden Morgen“, verrät er, dass er sich täglich vor Arbeitsantritt erst einmal ans heimische Klavier gesetzt hat. Auch seine sportlichen Hobbys will er künftig mehr pflegen. Dazu gehöre das Fußballspielen in der Alt-Alt-Mannschaft des TuS Jahn Lindhorst, Radfahren, Joggen und Tennis. Vielleicht wollen er und seine Frau Monika sich auch einen Hund anschaffen, das müsse aber noch besprochen werden.

Ohne meine Frau wäre das überhaupt nicht gegangen.

Andreas Günther , Samtgemeindebürgermeister Lindhorst

Seine Frau Monika bezieht Günther stets in seine Entscheidungen ein. Ihr habe er überhaupt zu verdanken, dass er in der Kommunalverwaltung geblieben sei, weil er beruflich Fuß fassen musste, da er eine Familie gründen wollte. Auch im Rückblick auf seine Amtszeit stellt er fest: „Ohne meine Frau wäre das überhaupt nicht gegangen.“

Im Umgang mit den Politikern habe immer ein gedeihlicher Umgang geherrscht, findet Günther. „Ich bin dankbar für die Zeit, die ich hier aufgrund des Votums der Wähler haben durfte“, sagt er, gibt aber zu: „Ich habe Glück gehabt, dass ich in dieser guten konjunkturellen Lage Bürgermeister war.“ von Babette Jakobs