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Samtgemeinde Lindhorst Viel Applaus – aber auch Pfiffe und Buhrufe
Schaumburg Lindhorst Samtgemeinde Lindhorst Viel Applaus – aber auch Pfiffe und Buhrufe
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00:24 26.05.2019
Der Langeweile keine Chance! Marc Fügmann (links) und Babette Jakobs (rechts) diskutieren mit Stefanie Sonnekalb-Unruh, Matthias Hinse und Svenja Edler in der Aula der Magister-Nothold-Schule. Quelle: rg
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Samtgemeinde Lindhorst

Am Sonntag wird in der Samtgemeinde Lindhorst ein neuer Bürgermeister gewählt, weil Amtsinhaber Andreas Günther nicht wieder antritt. Wir dokumentieren einige der wichtigsten Antworten, die Marc Fügmann (SN-Chefredakteur) und Babette Jakobs (Redakteurin) den Kandidaten entlockten.

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Was hat Sie dazu bewogen, sich um den Posten in der Samtgemeinde Lindhorst zu bewerben?
Edler: Von selbst wäre ich nicht auf die Idee gekommen, drei SPD-Männer haben mich besucht und gefragt. Im Moment bin ich die Nummer zwei in der Verwaltung der Samtgemeinde Eilsen. Natürlich wäre es eine Herausforderung, die Nummer eins zu sein.
Hinse: „Mit den beiden geht es nicht“, dachte ich, als die Kandidaturen meiner Konkurrentinnen feststanden. Also habe ich mir gesagt: „Das mache ich mal selbst!“

Im Wahlkampf ging es stark um die Frage, was wichtiger ist: Verwurzelung in der Samtgemeinde oder Erfahrung in einer Verwaltung. Was sagen Sie?
Edler: Das Amt des Bürgermeisters einer Samtgemeinde ist zunächst nicht politisch. Es geht um sachliche Arbeit am Schreibtisch, daraus entwickelt sich dann Politik. Und der Blick von außen kann auch hilfreich sein.
Hinse: Ich sehe hier ein paar Mitarbeiter der Samtgemeindeverwaltung im Zuschauerraum. Die werden eine Menge Arbeit mit mir bekommen, wenn ich gewählt werde.
Sonnekalb-Unruh: Der Job der Samtgemeindebürgermeisterin ist nicht gleichbedeutend mit „erste und beste Sachbearbeiterin“. Statt dessen muss sie ein Team leiten.

Sie haben alle drei im Wahlkampf Gegenwind bekommen, gelegentlich sogar aus den eigenen Reihen. Kann Ihnen das gefährlich werden?
Edler: Gefährlich wird hier gar nix! Insgesamt habe ich in der SPD riesige Unterstützung erfahren, es ist doch normal, dass es auch ein paar Stimmen gibt, die anderer Meinung sind.
Sonnekalb-Unruh: Ich habe mich schon erschrocken, wie heftig die Vorwürfe (aus der Beckedorfer CDU, Anm. d. Red.) waren. Die CDU war sich hier – Achtung, Wortspiel! – nicht ganz grün. Wir konnten die Vorwürfe allerdings entkräften.

Wie bürgernah kann, wie bürgernah muss Verwaltung sein?
Edler: Es geht um Verwaltungserfahrung. Man muss die unterschiedlichen Rechtsgebiete kennen. Und dass die Verwaltung für den Bürger da sein soll, ist eine Selbstverständlichkeit. Punkt.
Hinse: Mir ist der Gedanke wichtig, dass ich als Ratsherr in Gemeinde und Samtgemeinde ein Mandat vertrete, das mir Bürger verliehen haben. Denen gegenüber habe ich eine Schutzfunktion.
Sonnekalb-Unruh: Nein, ich vertrete hier die Bürgernähe! In den vergangenen beiden Jahren hat es keinen einzigen Antrag von Herrn Hinse gegeben, der mit Bürgernähe zu tun hatte. Wir, die Grünen, haben dagegen einen Jugendbeirat auf den Weg gebracht – das ist Bürgernähe!

Was verbessern Sie an der Samtgemeinde Lindhorst, wenn die Wähler Sie ins Amt hieven?
Edler: Es gibt Pflichtaufgaben, die eine Samtgemeinde erledigen muss, zum Beispiel das Thema Abwasser. Wenn diese Aufgaben gut erledigt sind, schaffen wir einen Rahmen, in dem sich alle wohlfühlen.
Hinse: Am dringendsten ist, dass sich das Image der Samtgemeinde ändert, wonach hier alles ein bisschen angestaubt ist. Flapsig gesagt: Wir brauchen junge Menschen, die Bock haben, hier wohnen zu bleiben.
Sonnekalb-Unruh: Wir könnten noch mehr daraus machen, dass Lindhorst so gut an das Bahnnetz angebunden ist. Wir sollten auf jeden Fall die Situation auf dem Parkplatz überdenken.

In vielen Kommunen wird über die Lage der Kitas heiß diskutiert. Wie sehen Sie die Situation in der Samtgemeinde?
Edler: Die Kinderbetreuung regelt eigentlich der Landkreis, das Thema wurde per Vertrag an die Gemeinden delegiert. Samtgemeinden können sie nur entlasten, indem sie organisatorische Dinge übernehmen.
Hinse: Das Dilemma ist groß, weil die Kindertagesstätten unterfinanziert sind. Wir bauen jetzt in Lindhorst eine neue Kita, die wir uns wegen der Personalkosten gar nicht leisten können. Die Landesregierung hat die Beitragsfreiheit für Eltern beschlossen, jetzt muss sie die Kommunen entlasten.
Sonnekalb-Unruh: Wenn die Samtgemeinde organisatorisch Trägerin der Kitas wäre, könnte man effektiver wirtschaften, zum Beispiel beim Einsatz von Personal. ab