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Bad Nenndorf Astronaut Walter: Beamen wie bei Star Trek wird's nie geben
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Astronaut Walter: Beamen wie bei Star Trek wird's nie geben
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14:51 15.08.2019
Patrick Stewart alias Captain Jean-Luc Picard hat in der Serie Star Trek wohl mit gezinkten Karten gespielt - meint zumindest der echte Astronaut Ulrich Walter. Quelle: Isabel Infantes/PA Wire/dpa
BAD NENNDORF

Nach Schreecks Überblick zur geschäftlichen Entwicklung des Bankhauses zeigte Bankstellenleiter Torsten Schmid, wo sich das Unternehmen lokal engagiert – etwa beim Ohndorfer Volkslauf und beim Kurparklauf. Es gebe langsame und schnelle Läufer, das sei aber nichts gegen Lichtgeschwindigkeit, leitete Schmid auf den Hauptvortrag des Abends über.

450 Besucher verfolgen den Vortrag in der Wandelhalle. Foto: göt

„Ja, das schafft nicht jeder“, griff Walter die Vorlage auf. Licht bewege sich mit einer Geschwindigkeit von rund 300 000 Kilometern pro Sekunde – „da kommt man schon ordentlich mit durch die Gegend“.

Schwerelos: "Ein wunderschöner Zustand"

Anhand der USS Enterprise und Captain James Tiberius Kirk aus der bekannten Star Trek-Reihe erklärte der Wissenschafts-Astronaut die Physik des Weltraums und beantwortete Fragen zu Beamen, Überlichtgeschwindigkeit und Wurmlöchern. Walter war 1993 zehn Tage im Weltall. „Ich sage Ihnen, die Schwerelosigkeit ist ein wunderschöner Zustand“, sagte der Wissenschaftler, der Raumfahrttechnik an der TU München unterrichtet.

Wissenschaftler Ulrich Walter war selbst zehn Tage im All. Foto: göt

Doch wie kommt es, dass die Crew der USS Enterprise im All nicht schwebt, sondern gemütlich auf den Stühlen der Brücke sitzt? Das Technical Manual, also die Betriebsanleitung des Raumschiffes, gebe dafür nur fadenscheinige Erklärungen: Das Schwerkraftfeld entstehe durch Energie aus dem Elektroplasmasystem. „Oder es war im Studio nicht anders realisierbar“, nahm Walter den Trekkies, also den eingefleischten Fans, die Illusion.

Menschlicher Körper zu komplex fürs Beamen

Beamen werde leider niemals möglich sein, enttarnte der Wissenschaftler einen weiteren Mythos. Der Grund: Der menschliche Körper ist zu komplex, als dass die Bandbreite an Informationen übertragen werden könnte. „Science Fiction ist geduldig, aber das wird es sicherlich nicht geben“, schloss er.

Im Youtube-Video klingt Mr. Spocks Erklärung zum Beamen vielleicht noch ganz plausibel. Aber da hat er wohl ein wenig geflunkert.

Auch hinsichtlich der Frage, ob es tatsächlich möglich ist, mit Überlichtgeschwindigkeit zu fliegen – was im Fall der USS Enterprise mit Warp-Antrieb geschieht – warf Walter einen Blick in die Konstruktionszeichnung. Der Antimaterie-Generator spritzt die Energie in den Warpkern, heißt es da. „An der Stelle wird es etwas ungenau“, konstatierte Walter.

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Zum Schluss gelang es dem Physiker, den Anwesenden anhand weniger Sätze die Grundzüge von Albert Einsteins Relativitätstheorie näher zu bringen. Die Quintessenz „Es gibt keine einheitliche Zeit. Die Zeit hängt von der Geschwindigkeit ab“, erklärte Walter. Jeder Ort lasse sich in null Zeit erreichen – „welchen Sinn macht dann noch Überlichtgeschwindigkeit?“

Würden doch nur alle Physiklehrer anhand von Science Fiction unterrichten ... auf die Noten vieler Schüler würde sich das wohl positiv auswirken.

Von Andrea Uhura-Göttling