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Bad Nenndorf Bad Nenndorf statt Baku
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17:21 25.05.2012
ESC – und Oli Hupe ist nicht dabei. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren ist der Bad Nenndorfer nicht in das Gastgeberland der bunten Musikveranstaltung gereist. Quelle: kcg

Bad Nenndorf (kcg). Wenn morgen Abend der 21-jährige Sänger Roman Lob in die Fußstapfen von Lena Meyer-Landrut tritt und Deutschland beim Eurovision Song Contest in Baku repräsentiert, steht Hupe nicht im Publikum vor der Bühne, sondern sitzt auf seinem Sofa vor dem Fernseher. Ganz bewusst habe er sich dazu entschieden, nicht in die Kaukasusrepublik zu fahren, um wie in jedem Jahr gemeinsam mit seinen Freunden aus der großen ESC-Fan-Gemeinde hautnah beim Musik-Großereignis dabei zu sein. Denn für den Bad Nenndorfer ist der ESC nicht nur Unterhaltung, sondern Politik.

Schließlich gehe das autoritäre Regime in Aserbaidschan abseits der Partystimmung immer wieder mit Polizeigewalt gegen Oppositionelle vor. Menschenrechte und Pressefreiheit würden nicht geachtet. „Das darf man nicht einfach ausblenden und sich von der glitzernden Fassade gefangen nehmen lassen“, betont der passionierte Grand-Prix-Fan mit Nachdruck und erklärt: „Ich weiß nicht, ob ich mich in einem Land wohlfühle, in dem Homosexuelle verfolgt werden.“

Denn für Hupe ist der Song Contest viel mehr als eine bunte Show mit Musik und mehr oder weniger beeindruckenden Künstlern. Für Hupe ist der Song Contest vor allem die Möglichkeit, die europäische Idee zu feiern, den Kontinent zu bereisen und Länder und Kulturen Europas kennenzulernen. „Ich will vor Ort etwas von Land und Leuten mitbekommen. Wenn ich aber weiß, dass ich nur das zu sehen bekomme, was man mir erlaubt, zu sehen, hat das keinen Mehrwert. Dann kann ich die Show auch gerne im Fernsehen anschauen.“

Etwas wehmütig sei er aber doch, wenn er in der Übertragung der Halbfinals bekannte Gesichter im Publikum erkenne. Dennoch fühle er sich nach wie vor wohl mit seiner Entscheidung. „Ich freue mich auf einen tollen Fernsehabend.“ Der Champagner sei bereits kalt und Zettel und Stift für die Bewertung der einzelnen Beiträge bereitgestellt. Für den deutschen Beitrag rechne er sich übrigens keine großen Chancen aus, dazu sei der Song zu beliebig. „Ich hoffe, dass ein guter Sänger mit einer tollen Show gewinnt. Und dass er aus einem Land kommt, in das ich nächstes Jahr gerne wieder reisen möchte.“