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Bad Nenndorf Bad Nenndorfer klagt gegen Volkswagen
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Bad Nenndorfer klagt gegen Volkswagen
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00:27 19.03.2018
Auf zum Landgericht: Eigentlich ist Manfred Koech mit seinem VW-Touran und dessen Ausstattung zufrieden gewesen. Sich mit einer Nachrüstung des Dieselmotors durch den Autokonzern abspeisen zu lassen, kommt für den Bad Nenndorfer aber nicht in Frage.
Auf zum Landgericht: Eigentlich ist Manfred Koech mit seinem VW-Touran und dessen Ausstattung zufrieden gewesen. Sich mit einer Nachrüstung des Dieselmotors durch den Autokonzern abspeisen zu lassen, kommt für den Bad Nenndorfer aber nicht in Frage. Quelle: geb
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Bad Nenndorf/Bückeburg

Als sich der Bad Nenndorfer vor über fünf Jahren bei einem Bückeburger Händler für einen 25.700 Euro teuren Touran entschieden hatte, fiel seine Wahl bewusst auf den vermeintlich sauberen Dieselmotor. Einige skandalträchtige Enthüllungen später ist der Autokauf ein Fall für das Bückeburger Landgericht.

 Schon im Dezember 2015 ließ Koech von einer Hannoveraner Kanzlei erste juristische Schritte gegen den Händler einleiten, im Juni 2017 übernahm die Düsseldorfer Kanzlei Rogert und Ulbrich den Fall und richtete den Anspruch auf Rückabwicklung direkt an VW. Laut Handelsblatt vertreten die Juristen aktuell 6750 VW-Kunden. Etwa 65 Prozent der Verfahren habe die Kanzlei zu deren Gunsten entscheiden können. VW-Konzernsprecher Eric Felber hält dagegen, dass 1450 Klagen gegen VW oder VW-Händler gescheitert seien.

 Im Falle Koechs ließen die Konzernanwälte die erste gerichtliche Frist für eine Stellungnahme verstreichen, um danach gleich mit 190 Seiten auf die Vorwürfe zu antworten. Wie Koech verrät, wird in der Stellungnahme die viel zitierte Abschaltvorrichtung, mit der die Ergebnisse von Schadstoffmessungen verfälscht werden können, als unverdächtige „Umschaltlogistik“ bezeichnet. „VW fürchtet das Wort ‚Betrug‘ wie der Teufel das Weihwasser“, meint der Kläger. „Das Ganze ist einfach abenteuerlich.“

 Ass im Ärmel

Ein juristisches Ass hat der pensionierte Schulleiter nach Auffassung der Anwälte aber im Ärmel: die EG-Übereinstimmungsbescheinigung. Denn mit dem 2011 ausgestellten Dokument bescheinigt der Hersteller, dass das Dieselauto die Sicherheits- und Umweltschutznormen einhält.

 Zwar könnten ein Software-Update und ein eingesetztes Gitter den EA189-Motor wieder in den Normbereich bringen, mögliche Leistungseinbußen oder schnelleren Verschleiß will Koech aber nicht in Kauf nehmen. „Die Nachrüstung habe ich wegen der Nachteile von vornherein verweigert“, sagt er. Das Angebot des Bückeburger Händlers, beim Kauf eines E-Golfs für 36.000 Euro den Touran für 9000 Euro zurückzunehmen, schlug der unzufriedene Kunde genauso aus – es geht ihm ums Ganze.

 Sollte Koech am Mittwoch vor dem Landgericht recht bekommen, wird ihm wahrscheinlich aber nicht der volle Kaufpreis erstattet. Die Kläger müssen nämlich bislang für die Nutzung des Autos aufkommen. Der Brutto-Kaufpreis wird dabei mit den gefahrenen Kilometern und der geschätzten Maximallaufzeit des Wagens verrechnet. „Ich rechne mit einer Erstattung des halben Kaufpreises“, sagt Koech vor dem Prozess. Aber vor Gericht und auf hoher See sei man in Gottes Hand. geb