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Bad Nenndorf Das ist Bad Nenndorfs kleinste Christengemeinde
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Das ist Bad Nenndorfs kleinste Christengemeinde
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13:49 23.11.2018
Priester Jens Christophersen im Kirchenraum der Neuapostolischen Kirche an der Mittelwiese.
Priester Jens Christophersen im Kirchenraum der Neuapostolischen Kirche an der Mittelwiese. Quelle: gus
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Bad Nenndorf

Fragt jemand einen Bad Nenndorfer, wie viele christliche Gemeinden es in Bad Nenndorf gibt, dürfte die Antwort in den meisten Fällen zwei lauten – und wäre damit verkehrt. Denn zusätzlich zur evangelisch-lutherischen und zur katholischen Kirchengemeinde gibt es auch noch jene der Neuapostolischen Kirche. Deren Gotteshaus befindet sich an der Mittelweise 6.

Ein ehrenamtlicher Priester

Mit aktuell 51 Mitgliedern ist die Neuapostolische Kirchengemeinde die kleinste in der Kurstadt. Und sie unterscheidet sich darin, dass ihr Seelsorger, Jens Christophersen, den Posten des Priesters ehrenamtlich bekleidet, durchaus deutlich von den anderen beiden. Aber ansonsten ist das Gemeindeleben gar nicht so erheblich anders strukturiert: An jedem Sonntag ist um 10 Uhr Gottesdienst, dem Pastor gehen drei ebenfalls ehrenamtliche Diakone zur Hand, außerdem Helfen Gemeindemitglieder bei den Abläufen.

Es gibt einen Chor, eine Orgel und eine Kindergruppe, die während der Gottesdienste beschäftigt wird. Die Konfirmanden besuchen Unterrichtsgruppen in Hannover.

Die Abgrenzung steht auch nicht im Fokus. „Wir gehen dazu über, eher die Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten als die Unterschiede“, erklärt Peter Harder, im Bezirk Hannover Südwest für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Dieser Kirchenbezirk wiederum gehört zur Neuapostolischen Kirche Nordost, die sich von Flensburg bis Hannoversch Münden erstreckt. Dieser Gebietskirche steht als Präsident ein Apostel vor – das Apostelwesen ist eine Besonderheit der Neuapostolischen Kirche.

Abendmal bei jedem Gottesdienst

Ähnlich wie bei den Katholiken gibt es ein internationales Kirchenoberhaupt, den Stammapostel. Derzeit ist dies der Franzose Jean-Luc Schneider.

Weltweit 8,8 Millionen Mitglieder

Die Neuapostolische Kirche ist die drittgrößte christliche Glaubensgemeinschaft in Deutschland. Entstanden ist die Strömung im Jahr 1863, ausgehend von einer Missionsbewegung in Hamburg.

Sie verfügt in Deutschland über knapp 350.000 Mitglieder in mehr als 1900 Gemeinden, weltweit sind es 8,8 Millionen Zugehörige in gut 60.000 Gemeinden. Verbreitet ist die neuapostolische Kirche außerhalb Europas in Afrika, Nordamerika, Australien und Asien, dort aber vor allem in Indien.

In der Neuapostolischen Kirche gibt es drei Sakramente und damit eines mehr als in der evangelischen sowie vier weniger als in der katholischen. Es sind das heilige Abendmahl, die heilige Wassertaufe und die heilige Versiegelung. Bei letztgenannter Zeremonie empfängt der Christ die Gabe des Heiligen Geistes. „Das heilige Abendmahl gehört bei jedem Gottesdienst dazu“, erwähnt Priester Christophersen eine weitere Besonderheit.

Die Geschichte der Nenndorfer Gemeinde

Am 3. Mai 1970 wurde in Bad Nenndorf der erste neuapostolische Gottesdienst gefeiert, seinerzeit im Musikraum des Gymnasiums, wie Christophersen erzählt. 1978 erfolgte dann der Bau der Kirche an der Mittelwiese. 100 Plätze gibt es dort. Und angesichts der 51 Mitglieder ist der Priester froh, eine recht hohe Quote an Gottesdienstteilnehmern zu haben. „Es ist ein buntes Feld aller Altersklassen, und die Mitglieder haben eine enge Bindung zu ihrer Gemeinde“, sagt der Seelsorger.

Dieser hält übrigens nicht an jedem Sonntag die Predigt in Bad Nenndorf. Denn die neuapostolischen Kirchengemeinden des Bezirks Hannover Südwest vertreten sich gegenseitig. So gibt es bei den Predigten mehr Abwechslung, nennt Pressesprecher Harder einen Vorteil.

Das Gemeindeleben finanziert sich durch Spenden. Öffentliche Zuschüsse fließen nicht. Allerdings zahlen die Mitglieder der neuapostolischen Kirche keine Kirchensteuer. Als Körperschaft öffentlichen Rechts wäre die Religionsgemeinschaft zwar zur Erhebung dieser Abgabe berechtigt, doch sie verzichtet darauf.

Andere Kirche, andere Sitten

Bei den kirchlichen Feiertagen gibt es zwangsläufig Unterschiede. Die rein evangelischen oder katholischen Anlässe werden nicht berücksichtigt. Auch der morgige Ewigkeitssonntag als Abschluss des Kirchenjahres spielt eine untergeordnete Rolle. Stattdessen wird am ersten Sonntag im März, Juli und November ein Entschlafenen-Gedenken begangen.

Jeder, der sich für die kleinste der drei Kirchengemeinden interessiert, kann unverbindlich bei deren Gottesdiensten teilnehmen, betont Christophersen. Morgen ist er selbst jedoch nicht anzutreffen, weil er sich von einem anderen Priester vertreten lässt.

von Guido Scholl