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Bad Nenndorf Deshalb bilden sich in Nenndorf zwei Lager beim Thema Klimaschutz
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Deshalb bilden sich in Nenndorf zwei Lager beim Thema Klimaschutz
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12:16 06.11.2019
In vielen Städten Deutschlands - wie hier in Hannover - streiken Schüler für mehr Klimaschutz. Quelle: Frank Wilde
Bad Nenndorf

Obwohl alle Redner den drohenden Umwelt-Kollaps als menschengemacht einstuften und betonten, es müsse mehr dagegen unternommen werden, bildeten sich zwei Lager, die einander unerbittlich Widerstand leisteten. Der Grund: CDU/FDP, WGN und SPD lehnten den Begriff Klimanotstand ab.

Kein Kompromiss ohne Notstands-Vokabel

Die Grünen und die große Mehrheit der Zuhörer waren offenkundig aber nicht willens, einen Kompromiss ohne diese Vokabel einzugehen. Allerdings wurde nicht klar, was der Unterschied gewesen wäre, hätte sich der Ausschuss für das Ausrufen des Klimanotstands ausgesprochen. Stattdessen war die Mehrheit nur für ein Maßnahmenpaket und eine „AG Klima“.

Gegen Steingärten und Neubaugebiete

Konkret wurde es eigentlich nur, als WGN-Ratsherr Henning Dormann dafür plädierte, im Sinne des Klimaschutzes gegen Steingärten vorzugehen und keine weiteren Neubaugebiete auszuweisen.

Die für letztgenannte zu opfernden Ackerflächen seien humusreich und daher wertvolle CO2-Speicher. In diesem Punkt pflichtete ihm Imke Hennemann-Kreikenbohm (Grüne) ebenso bei wie eine Zuhörerin.

E-Motor nicht das Allheilmittel

Die Verwaltung strich heraus, was die Stadt im Sinne des Klimaschutzes bereits alles unternimmt. Dazu zählte ein Energiespar- und Umweltkonzept für die Kläranlagen, Förderung von Photovoltaik und E-Mobilität sowie das Ziel, den Bauhof komplett „zu elektrifizieren“, wie es Stadtdirektor Mike Schmidt formulierte.

Das der E-Motor kein Allheilmittel ist, hielt dem wiederum Friedrich Varwig (SPD) entgegen. Er verwies auf Probleme solcher Fahrzeuge im Winter. Zudem wurde das Problem der Lithium-Förderung genannt.

Zoff: Wer macht es sich zu einfach?

Einen anderen Ansatz hatte Holger Reifschneider, der sich als Mitglied der Gruppe Parents for Future vorstellte. Er forderte, dass die Stadt mehr Aufklärung in Sachen Klimaschutz betreibt, weil zum Beispiel seine Nachbarn in der Sache schlecht informiert seien.

Dafür fing er sich einen Konter Michael Richters (FDP) ein: Jeder mündige Bürger müsse sich selbst informieren. „Da machen Sie es sich aber leicht“, gab Reifschneider zurück. Doch da dieser die Aufforderung Henning Dormanns, doch bitte selbst für den Rat zu kandidieren, um seine Themen einzubringen, ausgeschlagen hatte, riefen ihm der WGN-Politiker und Varwig im Duett zu: „Sie machen es sich zu leicht.“

Für Bruchteil des CO2-Ausstoßes verantwortlich

Varwig wies zudem auf den verschwindend geringen Anteil Bad Nenndorfs am weltweiten CO2-Ausstoß hin. Warum ausgerechnet dort ein Notstand helfen soll, den Klimawandel zu stoppen, leuchtete ihm nicht ein – wobei er dennoch mehr Anstrengungen beim Umweltschutz forderte.

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Auch Jugendbeiratsmitglied Lea Sankowske, die vehement für den Klimanotstand eintrat, argumentierte nicht mit konkreten kommunalen Schritten sondern mit eher globalen Argumenten. Immerhin signalisierte sie Bereitschaft an der zu gründenden „AG Klima“ mitzuwirken. „Man sieht ja, dass Sie hier Hilfe nötig haben“, sagte Sankowske.

Von Guido Scholl