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Bad Nenndorf Familie greift Rollstuhlfahrerin an
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Familie greift Rollstuhlfahrerin an
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13:45 24.08.2018
Erst die Polizei kann die Auseinandersetzung beenden.
Erst die Polizei kann die Auseinandersetzung beenden. Quelle: Symbolbild/dpa
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Bad Nenndorf

Kerstin Bucher (Name von der Redaktion geändert) fürchtet sich noch immer. Trotzdem möchte sich die 30-Jährige, die aufgrund einer schweren Erkrankung im Rollstuhl sitzt, wehren und die Öffentlichkeit für solche Vorfälle sensibilisieren.

Die Situation eskaliert in sekundenschnelle

Begonnen hat alles ganz harmlos mit Buchers Besuch in einem Gastronomiebetrieb. Der Inhaber diskutierte gerade auf der anderen Straßenseite mit einem Fahrradfahrer. Dies schien wiederum einen Nachbarn des Lokals zu interessieren. „Er hat darauf gelauert, dass dort gleich etwas passieren könnte“, schilderte die 30-Jährige. Sie habe daraufhin gesagt: „Die unterhalten sich nur, da ist nichts“, um von vornherein deeskalierend zu wirken.

Denn der Restaurantleiter und sein Nachbar haben eine längere Vorgeschichte, die immer wieder im Streit endete. Bucher erzählte, sie habe selbst des Öfteren erlebt, wie der Nachbar grundlos provoziere und Streit mit den Restaurantgästen vom Zaun breche.

Mann spuckt Rollstuhlfahrerin ins Gesicht

Auf ihre einfache Aussage hin seien der Mann und seine daneben stehende Tochter im Teenageralter ausgerastet und haben die Rollstuhlfahrerin wild beschimpft. „Wie redet ihr denn mit mir?“, stellte Bucher die beiden zur Rede. Wenig später habe der Mann ihr ins Gesicht gespuckt.

Daraufhin habe sie versucht, den Mann von sich wegzuschieben und aus dem Rollstuhl aufzustehen – vergeblich. „Als er sich bedrohlich vor mir aufgebaut hat, wollte ich Abstand zwischen uns bringen.“

Geschädigte ist Wochen später noch fassungslos

„Du greifst eine Behinderte an?“, schrie sie zudem. Bei ihr sei der Geduldsfaden gerissen. Auch sie habe Beleidigungen ausgesprochen. „Für mich wäre es vermutlich weniger schlimm gewesen, wenn er mich geschlagen hätte“, erzählte die Frau, die das Geschehen auch Wochen später noch fassungslos macht.

Die Situation habe sich immer weiter „aufgebauscht“, bis kurze Zeit später auch noch die Ehefrau und der Sohn auftauchten. „Die Frau ist wie eine Furie aus dem Auto gesprungen und mir direkt an den Hals gegangen“, so die Rollstuhlfahrerin, die auch Fotos von den Abdrücken an ihrem Hals zeigte. Bucher versuchte, die Frau abzuwehren. Der Sohn wollte ihrer Schilderung nach währenddessen die Mitarbeiter des Restaurants schlagen.
„Es ist unter aller Würde, auf jemanden loszugehen, der im Rollstuhl sitzt“, erzürnte sich der Gastronom im Gespräch mit dieser Zeitung.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Der Fall liegt inzwischen bei der Staatsanwaltschaft. Sprecher André Lüth erklärte, dass zwei Verfahren, jeweils über Körperverletzung und Beleidigung, vorliegen. Die Beteiligten – zum einen die 30 Jahre alte Rollstuhlfahrerin und zum anderen eine 53-jährige Frau und ein 54-jähriger Mann – haben wechselseitige Strafanzeige gestellt. Mehr konnte Lüth zu dem Fall nicht sagen, da die Ermittlungen noch andauern. Ob der Fall vor Gericht geht, ist dementsprechend auch noch offen.

Unter eine Körperverletzung fällt grundsätzlich jede Verletzung des körperlichen Wohlbefindens – also auch das Anspucken, wie Polizeisprecher Jürgen Henze erklärte. göt