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Bad Nenndorf Flüchtlinge müssen selbst zahlen
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Flüchtlinge müssen selbst zahlen
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16:08 18.10.2018
Seit der Flüchtlingszustrom abgeebbt ist, gibt es ausreichend Kursplätze für Asylsuchende. Quelle: dpa
BAD NENNDORF.

Rosemarie Börner, die in der Kurstadt mehrere Flüchtlinge betreut, moniert die schleppende Erstattungspraxis für die immerhin mehr als 100 Euro teuren Monatsfahrkarten. Seit längerer Zeit warten einige Asylbewerber auf dieses Geld. Möglicherweise kommt aber auch gar nichts.

Denn wie Kreisdezernentin Katharina Augath auf Anfrage dieser Zeitung erklärte, gibt es in Schaumburg – und auch in Bad Nenndorf – ausreichend Plätze in Integrationskursen. Wer einen externen Anbieter auswählt, muss sich darauf einstellen, dass er auch die Reisekosten selbst zahlt.

Engpass längst Geschichte

Denn seit der Flüchtlingszustrom abgeebbt ist, hat der Landkreis den anfänglichen Engpass bei den Integrationskursen nach Augaths Kenntnisstand überwunden. Wegen der beiden großen Sammelunterkünfte in Bad Nenndorf sei die Kurstadt mit einem Kontingent an Kursplätzen vor Ort ausgestattet worden. Laut Augath existieren dort auch freie Plätze.

Anbieter der Kurse ist die Volkshochschule Schaumburg (VHS), die Standorte in Rinteln, Bückeburg und Stadthagen hat. Die VHS nutzt Räume im Kleinen Gymnasium.
Lange Zeit habe der Landkreis um finanzielle Unterstützung und Räume für die Integrationskurse gerungen. Mittlerweile gibt es drei unterschiedliche Angebote. Da wäre ein 300-Stunden-Basis-Kurs, der vom Land Niedersachsen gefördert wird.

Außerdem gibt es einen Kursus mit 1000 Stunden, der ebenfalls vom Land bezuschusst wird. Dieser dient unter anderem dazu, die Deutschkenntnisse der Asylsuchenden zu vertiefen. Die Sprache ist der Schlüssel zu allem, betont Augath. Daher spiele dieser Aspekt auch bei den Integrationskursen eine Hauptrolle. Hinzu kommen Landes- und Gesellschaftskunde. Das Absolvieren von Integrationskursen ist für Asylbewerber Pflicht.

Als dritte Möglichkeit bietet die VHS einen 900 Unterrichtsstunden umfassenden Grundlagenkurs an, der auch zur Alphabetisierung dient. Denn zahlreiche Flüchtlinge, die in den Landkreis vermittelt wurden, können nicht lesen und schreiben. Augath bezeichnet es als große Hürde, wenn erwachsenen Menschen diese Fähigkeiten in einer ihnen fremden Sprache vermittelt werden müssen. Der Alphabetisierungskurs wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) gefördert.

Barsinghausen fragt nach Lückenfüllern

Dass es in Bad Nenndorf Asylbewerber geben soll, die bei diesen Angeboten keinen Platz fanden, hält Augath für unwahrscheinlich. Es könne sich maximal um Einzelfälle handeln, die zustande kamen, weil sich einzelne Flüchtlinge nicht bis zum Starttermin eines neuen Kurses gedulden wollten. Oder sie ziehen einen anderen Bildungsträger vor. Es habe sogar eine Anfrage aus Barsinghausen gegeben, ob Nenndorfer Flüchtlinge dortige freie Plätze belegen wollen. „Nach Hannover muss wirklich niemand fahren“, sagt Augath.

In der Tat hat der hannoversche Veranstalter, dessen Kurs die in Nenndorf lebenden Flüchtlinge besuchen, einen besonders guten Ruf, wie Börner erklärt. Sie hofft nun, dass die Fahrtkosten doch noch erstattet werden.