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Bad Nenndorf Harrenhorst: Flüchtlingsunterkunft in Bad Nenndorf ist dicht
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Harrenhorst: Flüchtlingsunterkunft in Bad Nenndorf ist dicht
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00:20 02.05.2019
Die nunmehr ehemalige Sammelunterkunft steht nun wieder in der Regie der Sparkasse.
Die nunmehr ehemalige Sammelunterkunft steht nun wieder in der Regie der Sparkasse. Quelle: gus
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Bad Nenndorf

Der Landkreis hat ein wichtiges Kapitel bei der Bewältigung des Flüchtlingsandrangs in der jüngeren Vergangenheit geschlossen: Die Sammelunterkunft am Harrenhorst ist mittlerweile leer und wird nicht mehr benötigt. Der Eigentümer, die Immobiliengesellschaft der Sparkasse Schaumburg, übernimmt ab Mai wieder die Regie in dem ehemaligen Pflegeheim. Das Fazit seitens des Landkreises fällt positiv aus.

Unterkunft am Harrenhorst war die viertgrößte in Schaumburg

Mit einer Kapazität von maximal 92 Bewohnern war die Unterkunft die viertgrößte in Schaumburg. Zuletzt waren nur noch 50 Asylsuchende in dem Gebäude untergebracht, verstärkt sollten dort Personen mit körperlichen Beeinträchtigungen wohnen. Auch wenn es sich um ein früheres Pflegeheim handelt, verfügten die Flüchtlinge keineswegs über luxuriöse Unterkünfte.

Die Sparkassen-Gesellschaft selbst hatte die Räume binnen eines Dreivierteljahres renoviert, wobei aber in erster Linie den Brandschutzanforderungen Rechnung getragen wurde. Frische Farbe wurde hingegen nicht auf die Wände gepinselt, um ein Beispiel zu geben.

Die Kosten für die Renovierung trug die Sparkasse als Eigentümer. Der Kreis mietete das Haus im Frühjahr 2016 für zwei Jahre an. Da zwei Jahre später, als sich das Mietvertrags-Ende näherte, noch unklar war, ob es weiter benötigt wird, wurde um ein weiteres Jahr verlängert.

Diese drei Flüchtlingsunterkünfte sind noch in Betrieb

Nun sind sich Klaus Heimann, Erster Kreisrat, und Klaus Böhm, der Chef-Beauftragte für die Flüchtlingssituation in Schaumburg, aber sicher, dass sie die Unterkunft dicht machen können. Im Laufe des April wurden die verbliebenen 50 Bewohner in andere Unterkünfte aufgeteilt. In Betrieb befinden sich nun noch die Sammelunterkünfte an der Horster Straße in Bad Nenndorf, in der Herderschule in Bückeburg und in der Pestalozzischule in Rinteln.

Die Unterkunft an der Horster Straße ist noch für zwei Jahre angemietet. Doch manche Asylsuchende aus dem Ex-Seniorenheim fanden auch anderswo neue Bleiben.

Das Kapitel Harrenhorst bewerten Böhm und Heimann rückblickend positiv. Die Anmietung sei damals ein wichtiger Baustein bei der Bewältigung des Andrangs gewesen. Händeringend habe eine Taskforce des Kreises nach Gebäuden gesucht, die sich für Sammelunterkünfte anboten. In der Gruppe kam bald die Idee auf, zusätzlich zu leeren Schulen auch nach verwaisten Altenheimen zu suchen.

Keine Beschwerden aus der Nachbarschaft - aber ein Zwischenfall

Denn beide Gebäudearten eignen sich ideal wegen der Fluchtwege. Diese tragen im Fall der Heime dem Aspekt Rechnung, dass bei einem Zwischenfall eine größere Zahl immobiler Menschen hinausgeschafft werden kann.

Abgesehen von einem Angriff mit einem Küchenmesser, bei dem ein Wachmann leicht verletzt wurde, und zahlreichen Fehlalarmen gab es keine Unannehmlichkeiten, wie Heimann bilanziert. Hausmeister Stephan Pisalski lobt darüber hinaus die gute Nachbarschaft mit den umliegenden Grundstücksbesitzern. Manche hätten gar gesagt, dass die Lärmbelästigung zu der Zeit, als dort noch das Pflegeheim betrieben wurde, deutlich größer war.

Auch des Geldes wegen war der Landkreis bestrebt, die Sammelunterkunft dicht zu machen. Die Mietkosten für den dreijährigen Betrieb möchte der Landkreis nicht exakt beziffern – mit Rücksicht auf die Interessen des Vermieters. Im unteren sechsstelligen Euro-Bereich lagen sie laut Böhm.

Was passiert geht es nun weiter mit dem leerstehenden Gebäude?

Hinzu kam noch einmal die ein gutes Stück höhere Summe, die der Kreis für den stets zweiköpfigen Sicherheitsdienst und die Hausmeistertätigkeit berappen musste. Somit darf getrost von Kosten jenseits der halben Million Euro ausgegangen werden.

Wie es jetzt mit dem Gebäude weitergeht, wird die Lokalpolitik von Bad Nenndorf entscheiden müssen. Denn die Sparkassengesellschaft dürfte 2015 auch deshalb bereit gewesen sein, das Ex-Seniorenheim zu vermieten, weil die eigentlichen Pläne, auf dem Grundstück mehrere Wohnhäuser neu zu errichten, auf heftige Gegenwehr der Nachbarschaft gestoßen waren.

Der ursprüngliche Entwurf sollte überarbeitet werden, ehe er nochmals zur Diskussion gestellt wird. von Guido Scholl