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Bad Nenndorf Hunderte Räder für Bedürftige
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Hunderte Räder für Bedürftige
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14:39 25.01.2019
Michael Letsch (von links), Mohamed Soumaore und Wolfgang Becker haben aber auch Spaß bei der Arbeit.  Quelle: göt
BAD NENNDORF

Anfänglich richtete sich das Angebot nach dem Startschuss im Oktober 2015 nur an Flüchtlinge. Fahrräder wurden aufbereitet, damit die Männer und Frauen hier im ländlichen Raum von A nach B kommen können, wie Teamsprecher Michael Letsch schilderte. Der vorherige Sprecher, Joachim Toemmler, war im Sommer 2017 aus persönlichen Gründen ausgeschieden.

Bald wurde deutlich, dass es auch darüber hinaus einen großen Bedarf gibt, weshalb sich das Angebot inzwischen auch auf bedürftige Deutsche bezieht. Mittlerweile werden auch mehr Räder an diese Zielgruppe ausgegeben – vorrangig sind das ältere Menschen oder Alleinerziehende, die Räder für ihre Kinder suchen. Der Einzugsbereich von Faff ist groß: Spender und Empfänger kommen auch aus Lauenau, Stadthagen und Obernkirchen.

500 Räder parat

Die Aufbereitung gespendeter Räder beschäftigt das Team vornehmlich in der kühlen Jahreszeit. „Wir haben rund 500 Fahrräder im Feld. Da geht immer mal wieder etwas kaputt“, so Letsch. Gerade im Frühling ist der Andrang für Reparaturen entsprechend groß.

Nachdem er in Rente gegangen war, war das erste Jahr zu Hause für ihn wie Urlaub. „Doch irgendwann wird die Welt sehr klein“, sagte Letsch. Dass die gerade an den Start gegangene Initiative Mitstreiter suchte, kam ihm deshalb sehr gelegen. Es sei schön, noch eine Aufgabe zu haben und hin und wieder von zu Hause weg zu kommen, schilderte Letsch. Darüber sei auch seine Familie froh, ergänzte er schmunzelnd.

Konzentriert wird in der Faff-Werkstatt geschraubt.

Die „Kommunikation“ mit den anderen sei ein weiterer Hauptgrund. Was er damit meint, ist die gute Stimmung der Männerrunde, die während der Arbeit immer zu Späßchen aufgelegt ist. Etwas für die Allgemeinheit tun wollte Wolfgang Becker – er ist im Team für den Papierkram zuständig.

Auch einige Flüchtlinge packen mit an. Einer von ihnen ist Mohamed Soumaore. Er hilft bei den Reparaturen und fungiert auch als Französisch-Dolmetscher. Inzwischen ist die Zahl an Flüchtlingen im Team etwas geschrumpft, weil viele der vorherigen Helfer nun zur Schule gehen, eine Integrationsmaßnahme absolvieren oder arbeiten.

Nachschub stets benötigt

800 Fährräder hat die Werkstatt über die Jahre hinweg kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen – der Großteil davon sind private Spenden. Nur etwa 30 Drahtesel stammen aus Fundbüros. Nachschub wird laufend benötigt. Auch Sachspenden in Form von Ersatzteilen stehen auf der Wunschliste.

Zudem ist Tatendrang immer gerne gesehen. Wer sich einbringen möchte, braucht auch kein ausgefeiltes Fachwissen vorzuweisen. Interesse reicht vollkommen, der Rest wird vor Ort vermittelt. „Es fängt immer mit Schlauchflicken an“, sagte Letsch. Das Spektrum sei breit gefächert, sodass sich das Team mit den Fähigkeiten ergänzt. „Jeder weiß etwas und alle gemeinsam schaffen wir das dann“, schilderte der Teamsprecher. So kriegen die Ehrenamtlichen alles auf die Kette.

Im April 2018 zog die Werkstatt vom Kurhaus in eine Garage des ehemaligen Feuerwehrgerätehauses hinter dem Rathaus. Geöffnet ist montags von 16 bis 18 Uhr, sowie mittwochs von 10 bis 13 Uhr und von 16 bis 18 Uhr. Wer helfen möchte, kann zu diesen Zeiten einfach vorbeischauen oder Letsch telefonisch kontaktieren unter der Rufnummer 01 57 - 54 85 43 56.

Von Andrea Göttling

Kein Ersatz für Fachmarkt

Die Leistungen von Faff können Bedürftige und Flüchtlinge in Anspruch nehmen. Die Bedürftigkeit muss dafür nachgewiesen werden. In der Regel erfolgt dies per Schreiben der Tafel oder der Arbeiterwohlfahrt. Dafür gilt es lediglich, eine Schutzgebühr in Höhe von fünf Euro zu entrichten. Ein Fahrradschloss ist in dem Preis inbegriffen. Wer ein Fahrrad durch die Werkstatt erhält, kann auch für nötige Reparaturen zurückkommen. Die Ersatzteile müssen in dem Fall aber bezahlt werden.

Dieser Service richtet sich allerdings auch nur an Bedürftige. Nach dem Umzug von Deisterbike nach Stadthagen, gab es zunächst keine Möglichkeit, Fahrräder in Bad Nenndorf reparieren zu lassen. Doch diese Nische ist wieder ausgefüllt: Seit geraumer Zeit betreibt Hardy Johnson einen Stand auf dem Wochenmarkt, wo er Drahtesel wieder auf Vordermann bringt.  göt