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Bad Nenndorf Nazi-Opfer gibt Geschichtsstunde
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Nazi-Opfer gibt Geschichtsstunde
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00:18 29.01.2018
Die Zeitzeugin Ruth Gröne beeindruckt das Nenndorfer Publikum.
Die Zeitzeugin Ruth Gröne beeindruckt das Nenndorfer Publikum. Quelle: Hecht
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Bad Nenndorf

„Sie“, damit sind Anhänger der Nationalsozialisten gemeint, die an jenem Novembertag unzählige Wohnungen und Geschäfte von Juden zerstörten sowie Synagogen in Brand setzten – und auch vor dem Zuhause von Grönes Familie nicht Halt machten.

Es sind Eindrücke wie diese aus der Reichspogromnacht, mit denen Ruth Gröne es schafft, selbst in einem großen Saal wie dem des Parkhotels einen Moment der Geräuschlosigkeit zu erzeugen. Die Hannoveranerin hat die Verfolgung von Juden während des Dritten Reiches hautnah erlebt. Am Donnerstagabend berichtete die Zeitzeugin auf Einladung von Bad Nenndorf ist bunt auch in der Kurstadt eindrucksvoll von ihrem bewegten Leben.

Gröne bekam mit, wie ihre Großeltern ins Ghetto nach Riga deportiert wurden. Ihre Eltern und sie mussten auf engstem Raum in einem „Judenhaus“ leben und überstanden den Bombenangriff auf Hannover im Oktober 1943 – bis auch der Vater verhaftet und ins KZ gebracht wurde. „Ich kann nicht sagen, dass er gestorben ist. Er ist vielmehr verendet“, sagt die 84-Jährige.

Kein Mitleid mit SS-Täter

Gröne selbst überlebte, ebenso wie ihre Mutter, und ist an den traumatischen Erlebnissen im Kindesalter nicht kaputt gegangen. Stattdessen hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, an den Terror der Nazi-Herrschaft zu erinnern. Dafür ist Gröne regelmäßigbei Schulklassen zu Gast und setzt sich für zahlreiche Gedenkstätten ein.

Den Umgang mit dem 96 Jahre alten Auschwitz-Wärter Oskar Gröning, der kürzlich wegen Beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen verurteilt wurde, hält die Hannoveranerin für richtig. „Er ist dafür verantwortlich, auch wenn er 100 Jahre als ist. Mein Opa war 70 – und der hatte nichts verbrochen.“