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Bad Nenndorf Pastorin Sabine Lambrecht verlässt Bad Nenndorf
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Pastorin Sabine Lambrecht verlässt Bad Nenndorf
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08:03 16.08.2019
Über die Schwelle der Bad Nenndorfer St.-Jacobi-Kirche ist Pastorin Sabine Lambrecht in den vergangenen 24 Jahren Hunderte Male geschritten. Quelle: göt
Bad Nenndorf

Manchmal brauche es die Dynamik, die sich aus einer Veränderung ergebe, sagt Lambrecht. Ihre Nachfolge tritt voraussichtlich im Dezember Nathalie Otte an, die aktuell noch in den Gemeinden Bakede und Beber arbeitet (wir berichteten).

„Die Entscheidung ist mir sehr, sehr schwer gefallen“, beteuerte Lambrecht im Gespräch mit dieser Zeitung. Wenn es sich erst eingespielt habe, erfinde man sich aber nicht noch einmal neu. So hingegen werde frische Energie freigesetzt. „Es war jetzt für mich an der Zeit, diesen Schritt zu machen“, sagte die 55-Jährige in Bezug auf ihr Alter und den anstehenden Studienbeginn ihrer Kinder.

Eigentlich eine Übergangsstelle

Lambrecht kam 1995 mit 31 Jahren vor ihrer Ordination als Kandidatin auf das Predigtamt nach Bad Nenndorf. Im Grunde war es eine Übergangsprojektstelle, die Lambrecht aber für fast ein Vierteljahrhundert an die Kurstadt band. Auch die Ordiantion, also die feierliche Einsetzung in ihr Amt, werde sie künftig weiter mit der hiesigen Kirche verbinden. Nachdem Lambrecht dreieinhalb Jahre auch Beckedorf mitbetreute, war sie seit 2000 – neben ihren Kollegen – nur noch für Bad Nenndorf zuständig. Seit 2003 saß sie zudem dem Kirchenvorstand vor.

In dieser Position war Lambrecht mehrmals Bauherrin. In ihre Zeit als Vorsitzende fällt unter anderem der Abschluss der Außensanierung. Auch wurde die Sanierung des Innenraums der Kirche initiiert, die beispielsweise die filigrane Bemalung an der Altarwand wieder hervorbrachte. „Ich bin stolz, wie schön die Kirche geworden ist“, so Lambrecht.

Kraft, Zeit und Liebe

Zuständig war die Pastorin auch für den evangelischen Kindergarten. Die Kinder haben sich bereits in einem Gottesdienst von Lambrecht verabschiedet (wir berichteten). Die Arbeit mit Kindern habe sie sehr erfüllt, schilderte die 55-Jährige. Auch die Einschulungsgottesdienste und die jährliche Schwedenfreizeit lagen ihr am Herzen. Letztgenanntes sei etwas Besonderes, weil inzwischen die Kinder von früheren Teilnehmern mitfahren. Dieses „große Erlebnis“ lasse sich jedoch nur mit einem guten Team organisieren. „Wie überhaupt so vieles, geht auch das nur mit Ehrenamtlern, die Kraft, Zeit und Liebe einbringen, damit die Dinge laufen können“, erklärte sie.

Insgesamt sei die Gemeinde ein „großes, lebendiges Gebilde“. Sie sei an verschiedenen Stellen gefragt – bei der Vernetzung, bei Gottesdiensten, beim Konfirmandenunterricht oder bei administrativen Tätigkeiten etwa. Die Arbeit an sich habe sich dabei inhaltlich wenig verändert, sehr wohl aber die Gesellschaft. „Alles ist heute ausdifferenziert“, sagte die Pastorin. Es sei deutlich mehr Individualität und Selbstbestimmtheit wahrzunehmen. Dies bringe „befruchtende neue Ideen“ mit sich, die aber auch mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Mehr Mitbestimmung

Auch die Säkularisierung, also dass die Kirche weiter weg rückt aus dem Blickpunkt der Menschen, bewege die Gemeinde. Hier lautet das Credo: Individualität, die zumindest stellenweise als Ursache gelten kann, wird zum Werkzeug. Menschen werden mit ins Boot genommen, um das Gemeindeleben zu gestalten. Insgesamt gehe es inzwischen sehr demokratisch zu, und es gebe mehr Mitbestimmung, „was ich sehr begrüße“, so Lambrecht. Viele Kreise würden beispielsweise heute ganz selbstständig arbeiten, was stetig gefördert werde. Es gehe um Selbstbestimmung des Einzelnen im großen Zusammenspiel der Gemeinde.

In Erinnerung werde Lambrecht das gute Miteinander bleiben und „dass wir auf unaufgeregte und freie Art unseren Glauben und unser Leben teilen können.“ „Die Gemeinde atmet viel freie Luft“, so Lambrecht. Es sei schön, ein Teil davon zu sein. Und das mit allen Wechselwirkungen. Der Prozess wurde gleichsam von ihr geprägt und hat sie selber geprägt, wie sie berichtet. „Wir sind gemeinsam eine lange Wegstrecke gegangen.“

Verabschiedet wird Lambrecht am morgigen Sonntag. Der Gottesdienst beginnt um 15 Uhr. Anschließend gibt es einen Empfang im Haus der Begegnung.

Von Andrea Göttling