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Bad Nenndorf Pflegeheim Am Galenberg wird zu Quartierszentrum
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Pflegeheim Am Galenberg wird zu Quartierszentrum
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00:20 02.03.2019
Die Seniorenwohnanlage am Galenberg, die von der Bürgerhilfe betrieben wird, ist nicht länger ein Pflegeheim sondern ein Quartierszentrum. Quelle: göt
Bad Nenndorf

„Wir hätten gerne darauf verzichtet, wenn es sich weiter hätte tragen lassen“, sagte Geschäftsführer Georg Kotmann. Er erklärte den Schritt mit veränderten Bedingungen im Gesundheitssektor.

24 Bewohner hat das Haus

Die Bürgerhilfe Dienstleistungs- und Service gGmbH führt aktuell noch das sogenannte Kleinstheim mit 24 Betten als stationäre Einrichtung in Bad Nenndorf. Ähnliche Einrichtungen betreibt die Bürgerhilfe unter anderem in Nordhorn, Lingen, Meppen und Schüttorf. Daran angegliedert ist zudem der Schaumburger Pflegedienst, der Patienten ambulant – sprich: bei ihnen zu Hause – versorgt.

Ende November wurden die Angehörigen der Heimbewohner zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. In dem Anschreiben wurde jedoch kein Betreff genannt. Eine betroffene Familie empfand dies als „nebulös“, wie sie im Gespräch mit dieser Zeitung erklärte.

Seniorenhotel statt Pflegeheim

Vor Ort wurden die Familienmitglieder der Bewohner ihren Angaben zufolge darüber aufgeklärt, dass die vollstationäre Pflege zum 31. Dezember geschlossen werden soll, was die Familie als sehr kurzfristig erachtete. Ab dem 1. Januar sollte das Heim als ambulante Pflegeeinrichtung mit Pflegeappartements weiter geführt werden. Dabei handelt es sich nicht um betreutes Wohnen, obwohl es von der Idee her vergleichbar ist. Das Quartierszentrum ist eine Art Seniorenhotel, wobei die Bewohner Pflegeleistungen als Bausteine dazu buchen können.

Dieser Termin wurde schließlich auf den 1. März verlegt. Ein weiterer Informationsabend wurde Anfang Januar anberaumt. Die Vertreter der Heimaufsicht des Landkreises waren krankheitsbedingt verhindert, hieß es. „Unsere Fragen wurden nicht richtig beantwortet“, befand ein Angehöriger.

Die Familie dachte daraufhin über einen Wechsel zu einem anderen Heim nach. „Eine Alternative ist schwer zu finden. Die Wartelisten sind extrem lang“, schilderte ein Angehöriger. Tatsächlich müssen einige Heime in Schaumburg mit Wartelisten arbeiten (siehe Kasten). „Es gibt kaum bezahlbare Pflegeplätze in kleinen Einrichtungen“, beklagte er.

Heimaufsicht des Landkreises begleitete den Prozess

Grundsätzlich habe die Heimaufsicht den gesamten Prozess verfolgt und abgesegnet, sagte Kotmann. Auch Kreissprecher Klaus Heimann sprach von einer „engmaschigen Begleitung“ im Sinne des Schutzes und der Wahrung der Bewohnerinteressen.

„Die Umstellung mag für die Angehörigen kurzfristig gewesen sein“, räumte der Geschäftsführer ein. Er wisse auch, dass nicht alle Änderungen immer beklatscht werden. Die Verlegung der Umstrukturierung auf März in Absprache mit der Heimaufsicht sei als Entgegenkommen zu werten.

Die Bürgerhilfe sah sich zu diesem Schritt gezwungen. Die Umstrukturierung erklärte Kotmann sinngemäß wie folgt: Die Pflegestufen eins bis drei wurden Anfang 2017 in die Pflegegrade eins bis fünf umgewandelt. Dies führt zu einem veränderten Personalschlüssel. Zudem werden die Leistungen anders vergütet. Dadurch ist die Wirtschaftlichkeit des Kleinstheims nicht mehr gegeben.

Kleinstheim wirtschaftlich nicht tragbar

„Wir sind eine gemeinnützige Einrichtung. Bei uns steht nicht die Gewinnmaximierung im Vordergrund“, sagte Kotmann. Es müsse auch nicht zwingend eine schwarze Null geschrieben werden. Allerdings sei das Kleinstheim in dieser Form nicht mehr tragbar gewesen.

Die Bewohner können ihm zufolge alle Leistungen ohne Verteuerung durch die Umstellung auf ambulante Pflege weiter in Anspruch nehmen. Abgesehen von dem veränderten Modell werde sich für sie nichts ändern. „Die Bewohner sind alle bei uns zufrieden“, sagte Kotmann. göt

400 Pflegeplätze in der Kurstadt

Im Landkreis gibt es einige Altenheime, die mit Wartelisten arbeiten, wie Claudia Kuhlmann vom Senioren- und Pflegestützpunkt schilderte. Aufgrunddessen sei es auch des Öfteren problematisch, einen Pflegeplatz in der direkten Umgebung zu finden.

In der Kurstadt gibt es nach Abzug des Heimes Am Galenberg noch sieben Einrichtungen die zusammengenommen etwa 400 Plätze für vollstationäre und Kurzzeitpflege vorhalten. Hinzu kommen knapp 80 Plätze in Haste. Im gesamten Landkreis bieten 45 Häuser 3350 Plätze an.

Betreutes Wohnen wird laut Übersicht des Stützpunktes von acht Einrichtungen in der Samtgemeinde Nenndorf mit gesamt 240 Wohnungen angeboten. Da dies ein freier Markt ist, ist diese Auflistung möglicherweise lückenhaft, gab Kuhlmann zu bedenken.