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Bad Nenndorf Rathaus Bad Nenndorf: Vollzieht die Politik die Rolle rückwärts?
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Rathaus Bad Nenndorf: Vollzieht die Politik die Rolle rückwärts?
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12:56 30.10.2019
Die Rathaus-Debatte in Nenndorf wird offenbar doch wieder neu aufgerollt. Quelle: gus
Bad Nenndorf

Was die Politiker zu hören bekamen, klang nach einem Haufen Arbeit: Oliver Zech vom Architekturbüro pm referierte über eine enorm lange Liste an Mängeln, die am Rathaus behoben werden muss.

Setzrisse, Korrosion, fehlende Dämmung

Da gibt es Setzrisse, Korrosion, nicht mehr tragfähige Teile, fehlende Dämmung und noch Vieles mehr. Das alles im Bestand – also bei laufendem Betrieb – umsetzen zu lassen, macht die Sache noch komplizierter und zeitaufwändiger.

Der offene Träger an dem alten Balkon belegt den maroden Zustand der Rathauses. Fotos: Scholl

Hinzu kommt, dass die Verwaltung ohnehin mehr Platzbedarf hat. Aktuell verfügt das Rathaus über eine Fläche von fast 2900 Quadratmetern, die für Verwaltungstätigkeit genutzt werden.

Verwaltung braucht mehr Platz

Ein zukunftsfähiges Konzept sieht Zech zufolge 2000 Quadratmeter zusätzlich vor. Dazu wäre ein dreigeschossiger Neubau nötig, der in etwa 20 Meter breit und 30 Meter lang ausfiele.

Auch der Anblick der Rückseite des Rathauses spricht Bände.

Die Sanierung zuzüglich Anbau würde laut Schätzung 7,15 Millionen Euro kosten. Ein kompletter Neubau an selber Stelle läge bei 7,9 Millionen Euro. Oben drauf kämen im letztgenannten Fall Abrisskosten in Höhe von rund 500 000 Euro. Denn der Anbau ginge zulasten des ehemaligen Feuerwehrhauses.

Mehr Fördergeld bei Sanierung

Bauamtsleiterin Annette Stang gab zu bedenken, dass bei einer Sanierung mehr Fördergeld in Aussicht stünde. Allerdings fehle noch eine Aussage der Klimaschutzagentur des Landkreises dazu, ob nicht ein Neubau energetisch sinnvoller wäre. Dann könnte es doch Zuschüsse dafür geben.

Die Rathaus-Debatte in Nenndorf wird offenbar doch wieder neu aufgerollt.

Im Falle eines Rathaus-Neubaus würde dieses so platziert, dass anstelle der Deisterhäuser neue, moderne und deutlich größere Wohngebäude errichtet werden können. In diese müsste die Verwaltung während der Bauarbeiten einziehen.

Beschlusslage: Sanierung des Altbaus

Die Häuser müssten also bis zum Start des Neubaus fertiggestellt sein. Es müssten 40 Parkplätze für die Wohnungen gebaut werden, fürs Rathaus gäbe es 44 Autostellflächen auf dem Grundstück.

Die Deisterhäuser könnten abgerissen werden, um Platz für moderne, größere Wohnhäuser zu schaffen.

Beschlusslage ist seit 2017 „nach langer Odyssee“, so Stang, eine Sanierung des alten Rathauses. In der Tat: Fast zehn Jahre lang hatte die Politik über etliche Varianten diskutiert – von Neubauten an unterschiedlichen Standorten über die Sanierung bis hin zum Umzug in bereits existierende Gebäude wie beispielsweise das ehemalige Residenz-Hotel.

Fraktionen sollen intern beraten

Letzten Endes schlug das Pendel dann aber doch zur Sanierung am alten Standort aus.

Stang und Zech betonten eingangs der Präsentation: Die Inhalte sind nur ein Planungszwischenstand, nicht etwa eine Vorlage, zu der sich die Fraktionen jetzt schon positionieren sollen. Vielmehr sollten die Inhalte erst in den internen politischen Diskurs gegeben werden, ehe die Entscheidung fällt.

"Wo Sie auftauchen, da wird es teuer"

Ein erster inhaltlicher Diskurs folgte trotzdem. Arno Sommerfeld (SPD) hatte Bedenken wegen einer zwischenzeitlichen Ausquartierung von Verwaltungsteilen während der Sanierung in andere Gebäude. Dies bedeute zusätzliche Mietkosten, denn es müssten wohl Container her.

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„Herr Zech, wo Sie auftauchen, da wird es teuer“, konstatierte Ralph Tegtmeier (SPD) lakonisch und spielte damit auf die Kurhaus-Planung an, die auch vom Büro pm stammen. Doch die Kosten seien deshalb so hoch, weil in Nenndorf jahrzehntelang in Teile der Infrastruktur investiert worden war.

Keine Komplett-Digitalisierung der Akten

Imke Hennemann-Kreikenbohm (Grüne) wollte ausgelotet haben, ob mittels Digitalisierung Platz fürs Aktenarchiv zu sparen ist. Eine komplette Digitalisierung ist aber aufgrund bestehender Vorschriften nicht möglich, gab André Lutz, Amtsleiter Bildung und Soziales, zu bedenken.

Hintergrund: Nach dem Abriss des Ex-Feuerwehrhauses muss die DRK-Tafel eine neue Bleibe suchen.

Wie Sommerfeld forderte CDU-Ratsherr Reinhard Schulte eine erneute Aufnahme der Standort-Debatte. Stang gab zu bedenken, dass die Stadt Bad Nenndorf als Grundstückseigentümer für eine Rathausfläche gesetzt sein sollte.

Sonst wären Kaufverhandlungen mit Externen nötig. Und sie ergänzte: „Dann würde die ganze Spirale wieder aufgerollt. Das hatten wir doch eigentlich alles schon einmal.“

Von Guido Scholl