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Bad Nenndorf Schulgeld: Landespolitik soll CJD-Schule vor dem Aus retten
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Schulgeld: Landespolitik soll CJD-Schule vor dem Aus retten
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08:43 24.05.2019
„Pass gut auf, Karsten“: Johanne Modder und Karsten Becker verfolgen den Anatomie-Unterricht des dritten Semesters
„Pass gut auf, Karsten“: Johanne Modder und Karsten Becker verfolgen den Anatomie-Unterricht des dritten Semesters Quelle: gus
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Bad Nenndorf

Um weiter für eine Schulgeldfreiheit auch für Absolventen der Schlaffhorst-Andersen-Schule zu werben, hat die Einrichtung die SPD-Landespolitiker Johanne Modder und Karsten Becker eingeladen. Denn sonst droht der Schule das Aus, weil die Logopädieausbildung ab Sommer schulgeldfrei wird.

Bis zu 90 Prozent der Bewerber wollen in Therapie arbeiten

„Wir bilden auch Sprech- und Stimmtherapeuten aus“, betonte Schulleiter Torsten Lindner. Zwar arbeiten einige der an der Bornstraße ausgebildeten Pädagogen auch im musischen und künstlerischen Bereich, doch die große Mehrheit sei im Therapie-Feld tätig. Und sämtliche gesetzliche Krankenkassen erkennen die Leistungen der Atem-, Sprech- und Stimmlehrer an.

42 Bewerbungen sind bisher im Jahr 2019 bei der Schule eingegangen. Davon gaben 37 an, sie wollen in der Therapie arbeiten. Die Quote betrage in jedem Jahr 85 bis 90 Prozent. 114 Bewerbungen für Ausbildungsplätze waren 2018 eingegangen.

Es gebe an der Bornstraße sogar eine angegliederte Praxis für die Ausbildung, was in der klassischen Logopädie-Lehre eher ungewöhnlich sei.

Landtagsabgeordneter will sich für Schule einsetzen

Der Landtagsabgeordnete Becker räumte ein, dass ihm lange nicht bewusst gewesen sei, dass die Atem-, Sprech- und Stimmlehrer von der Schulgeldbefreiung ausgenommen werden sollten.

„Dass das nicht zu Ihrem Nachteil wird, ist mir ein inneres Anliegen“, betonte Becker. Die CJD-Schule bringe sich in das kulturelle Leben in der Kurstadt ein. „Das ist auch ein Beitrag, den ich nicht vermissen möchte“, betonte Becker.

Darum ist die Abschaffung des Schulgeldes kompliziert

Umso dankbarer sei er der SPD-Fraktionsvorsitzenden Modder dafür, mit nach Bad Nenndorf gekommen zu sein. Beide wollten sich einen Einblick in das Schulleben verschaffen. „Es ist immer besser, wenn man sich das vor Ort anguckt, als wenn man nur nach Papierlage urteilt“, schloss sich Modder an.

Die CJD-Schule könne sich glücklich schätzen, mit Becker einen Abgeordneten zu haben, der sich „sehr hartnäckig“ für die Belange seines Wahlkreises einsetzt.

Es gebe in der eigenen Fraktion durchaus Befürworter, die eine Aufnahme der Bad Nenndorfer Ausbildungseinrichtung in die Schulgeldfreiheit wollen. „Aber wir haben da doch noch einige dicke Bretter zu bohren“, gestand Modder ein. Denn der Umstand, dass doch manche Absolventen in den künstlerisch-musischen Sektor gingen, sei nicht wegzudiskutieren.

SPD-Abgeordnete lernen von den CJD-Schülern

„Wir wollen das nicht Spitz auf Knopf abrechnen“, so Modder. Aber einen gewissen Abschlag gegenüber reinen Logopädie-Ausbildern müsse die Schule möglicherweise hinnehmen. Die Grenzen seien aber in anderen Berufsfeldern ebenso schwimmend. Modder nannte als Beispiel einen Physiotherapeuten, der auch Wellness-Wochenenden anbietet.

Becker sieht noch ein anderes Problem: Sollte die CJD-Schule vom Markt gehen, weil dort niemand mehr seine dann vergleichsweise teure Ausbildung absolvieren wolle, dann könnte ein anderer Anbieter genau dasselbe Profil – inklusive musisch-künstlerischem Teil – nachträglich einführen.

Die beiden Sozialdemokraten besuchten unter anderem den Anatomie-Unterricht des dritten Semesters. Außerdem erlebten sie, wie einem Parkinson-Patient in der Praxis dabei geholfen wird, seine Sprechfähigkeit zu erhalten. Von Schülern erfuhren sie, dass der hohe Praxisanteil sie besonders gut auf den Therapieberuf vorbereite.

Darum ist die Schule für Schaumburg enorm wichtig

Ein 50-jähriger Opernsänger aus Frankreich, der auf die Schlaffhorst-Andersen-Methode schwört und diese für wesentlich fundierter hält als die Logopädie, lässt sich an der Bornstraße ebenfalls ausbilden. Becker beeindruckte die Motivation der Schüler. Der musische Teil sei ein Schlüssel dazu. Modder lobte den ganzheitlichen Aspekt der Ausbildung an der Schule.

Auch die Rolle als lokaler Wertschöpfer ist nicht klein. 50 Prozent der Auszubildenden an der Bornstraße stammen aus Niedersachsen. Die Hälfte davon kommt aus der Region Hannover und Schaumburg. 17 Lehrer, die meisten in Teilzeit, sind an der CJD-Schule beschäftigt, dazu kommen Honorarkräfte.

Von den derzeit 107 Schülern – maximal sind 135 möglich – wohnen nur zehn nicht im Landkreis Schaumburg. Auf dem Campus gibt es zwölf Zimmer – der Rest mietet Wohnungen in der Umgebung an. von Guido Scholl