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Bad Nenndorf So soll Bad Nenndorf mehr bezahlbaren Wohnraum bekommen
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf So soll Bad Nenndorf mehr bezahlbaren Wohnraum bekommen
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15:21 31.07.2019
Auf dem ehemaligen Telekom-Gelände sollen Reihen- und Mietshäuser entstehen. Quelle: gus
BAD NENNDORF

Die Stadtratsfraktionen sehen unterschiedliche Lösungsansätze. SPD und CDU sehen in zusätzlichen Baugebieten grundsätzlich den richtigen Weg. Beide Fraktionen fordern Mehrfamilienhäuser in solchen Arealen. „Wir brauchen geförderten Wohnraum gerade in Neubaugebieten“, betont SPD-Sprecher Volker Busse.

Es seien vom Land jüngst erst die Förderrichtlinien für die Schaffung sozialen Wohnraums erneuert worden, um mehr Anreize für Investoren zu geben. Es müsse pro Baugebiet ein Prozentsatz an Mietshäusern festgelegt werden, in denen geförderter Wohnraum entsteht.

Baukosten ein Kernproblem

CDU-Sprecherin Cornelia Jäger sieht zudem das Kernproblem bei den Baukosten. Da diese so immens gestiegen seien, falle es Investoren schwer, sogenannten sozialen Wohnraum zu schaffen. Als Hausverwalterin wisse sie, wie schwer es ist, günstige Mietwohnungen in Bad Nenndorf zu finden. Die Regierung sei gefragt, Lösungen zu suchen, um Baukosten zu senken.

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Die Auflagen für Bauherren seien ebenfalls enorm – so müsse ein Mietshaus ab einer gewissen Größe beispielsweise einen Fahrstuhl haben. Jäger fordert noch mehr Förderung für den Wohnungsbau.

Kostensenkung unrealistisch

Die Kostenfrage stellt auch die WGN in den Fokus. „Als erstes müssten die rechtlichen Rahmenbedingungen, Bauverordnungen und die jetzigen Baustandards überprüft werden“, betont Sprecherin Heike Beiersdorfer. In den Niederlanden seien die Baukosten in den vergangenen zwölf Jahren um sechs Prozent gestiegen, in Deutschland aber um 36 Prozent.

Doch realistisch sei eine Kostensenkung nicht. „Günstiger Wohnraum wird also zwangsläufig in der Nachverdichtung, sprich: im Bestand zu finden sein“, so Beiersdorfer. Gäbe die Stadt in Baugebieten feste Quoten für bezahlbare Wohnungen vor, blieben diese Flächen womöglich einfach unbebaut. „Wir unterstützen Investoren, die nicht nur den reinen Profit im Auge haben“, unterstreicht Beiersdorfer.

Grünen wollen Leerstände erfassen

Für die Grünen ist laut Imke Hennemann-Kreikenbohm die Dokumentation von leer stehenden Wohnungen und Baulücken der springende Punkt. „Bevor darüber gesprochen werden kann, dass es eine Wohnungsknappheit in Bad Nenndorf geben soll, ist zuerst ein Leerstandskataster zu führen“, sagt die Grünen-Ratsfrau. Dieses und ein Baulückenkataster seien geeignete Instrumente für eine gute Innenentwicklung. Und diese sollte vor der Neuausweisung von Siedlungsflächen stehen.

Am Harrenhorst könnten günstige Wohnungen entstehen. Foto: gus

Ganz so schlecht schätzt SPD-Sprecher Busse die Entwicklung in Sachen bezahlbarer Wohnraum aber nicht ein. Die Sparkasse habe ihre Pläne für das Areal am Harrenhorst so geändert, dass mit mehr Mietwohnungen an der Stelle zu rechnen ist. Auf den ehemaligen Telekom-Gelände an der Rudolf-Albrecht-Straße wolle ein Investor zudem Reihen- und Mehrfamilienhäuser errichten. „Das passt ins Konzept“, findet Busse.

Von Guido Scholl