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Bad Nenndorf Vandalismus und verrohte Sprache: So will der Präventionsrat dagegen vorgehen
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Vandalismus und verrohte Sprache: So will der Präventionsrat dagegen vorgehen
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17:49 11.11.2019
Schmierereien wie diese am Pavillon im Kurpark sind in Nenndorf und Rodenberg an vielen Stellen zu sehen. Quelle: gus
Nenndorf/Rodenberg

Bislang war es so gewesen, dass die Initiativen von der Polizei, namentlich vom Kontaktbeamten Jürgen Henze, ausgingen. Henze brachte Ideen ein, an deren Umsetzung sich die übrigen Mitglieder mal mehr, mal weniger intensiv beteiligten.

Schon in der Kita verroht die Sprache

Nun trafen sich im Vorfeld der aktuellen Sitzung die Verwaltungs-Chefs Georg Hudalla und Mike Schmidt sowie Kommissariatsleiter Michael Panitz und Henze. Ein Vorschlag aus dieser Runde lautete, dass sich der Präventionsrat gezielt dem Thema Verrohung von Sprache widmet.

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Auf der Straße, in der Schule und in der Kita sie dieses Phänomen ebenso zu beobachten wie im Internet. Dies könnte das Kernthema für 2020 werden.

Politiker Zielscheibe von Anfeindungen

Dies stieß auf Zustimmung. Schmidt nannte als Beispiel eine Sitzung des Umweltausschusses, bei dem ehrenamtliche Politiker in so heftigem Ton angegriffen wurden, dass einzelne von ihnen anschließend überlegten, ob sie ihre Mandate weiter wahrnehmen wollen. Irgendwann könnten die kommunalen Gremien nicht mehr besetzt werden.

Dass in den WCs des Kurparks keine Spiegel mehr hängen, liegt nicht etwa daran, dass sich die Nutzer selbst nicht in die Augen schauen mögen - die Spiegel wurden von Unbekannten zerstört. Foto: gus

Jugendpfleger Moran Dzang fand den Ansatz gut, befürchtete aber, dass die meisten Menschen durchaus wissen, welcher Sprachgebrauch sich eigentlich gehört. Aber viele wollen sich nicht mehr an bisherige Gepflogenheiten halten, sondern bewusst Dampf ablassen. Dies liege auch an zweifelhaften Vorbildern.

Eltern oft zu lax bei verbalen Ausrutschern

Elisabeth Meyer-Engelke sah es ähnlich wie Dzang. Ein Problem sei, dass despektierliche Äußerungen von Schülern heutzutage oft keine Konsequenzen haben. Denn viele Eltern rufen ihren Nachwuchs für beleidigende Worten an die Adresse anderer nicht mehr zur Ordnung.

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Meyer-Engelke hielt es für sinnvoll, Kinder mit älteren Menschen zusammenzubringen, um so die Werte von einst zu vermitteln. Aus eigener Erfahrung sagte sie: „Selbst Rabauken benehmen sich dann empathisch.“ Eine Arbeitsgemeinschaft dieser Art wird derzeit an der Julius-Rodenberg-Schule angeboten.

Auch eine Form des Vandalismus: Unbekannte werfen ihr Butterbrot in einen Blumenbehälter. Foto: gus

Brigitte Constien, Leiterin der Kita Erlengrund in Bad Nenndorf, berichtete von hervorragenden Erfahrungen aus einer Kooperation mit einem Seniorenheim.

Jugendlichen Fläche zum Sprayen geben

Ein anderer Schwerpunkt könnte Präventionsarbeit gegen Vandalismus sein. Dies schlug Lea Husmann vom Jugendbeirat Nenndorf mit dem Hinweis auf die Schmierereien am dortigen Skatepark vor. Wäre ästhetisch hochwertiges Graffiti aufgetragen worden, wäre kein Schaden entstanden. Eine allein fürs Sprayen gedachte öffentliche Wandfläche könnte Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden.

Wilder Müll ebenfalls ein Problem

Jörg Döpke, Fachbereichsleiter Innere Verwaltung, war dafür, das Thema noch genereller auf öffentlichen Vandalismus auszuweiten, wozu auch wilder Müll gehöre. Dies unterstützte Schmidt.

Im Beirat wurde zudem Zivilcourage gefordert. Wer beobachtet, wie jemand öffentliches Eigentum beschädigt oder illegal Abfall entsorgt, soll dies der Polizei oder dem Ordnungsamt melden. Dies ist der aktuelle Fokus beim Weissen Ring Schaumburg, wie Anke Heldt berichtete.

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Henze warb für einen griffigen Slogan, der von Jahr zu Jahr abgewandelt werden kann. „Augen auf:“ oder „Schau hin:“ wäre der feste Bestandteil, der mit thematischen Zusätzen wie „Vandalismus“, „Zivilcourage“ oder „Sprache“ kombiniert würde. Beispiel: „Augen auf: Vandalismus“. Eine Ausstellung könnte ein Ergebnis jeweils zum Jahresende sein. Dies stieß auf positive Resonanz.

Gesellschaftsspiele statt Internet

Noch mehr Ideen: Zum Thema Sicherheit im Internet könnte seitens des Präventionsbeirates ein Referent des Vereins Smiley e.V. eingeladen werden, regte Moran Dzang an. Ein Anliegen war es dem Jugendpfleger zudem, Jugendlichen das System der Demokratie nahe zu bringen. Der Präventionsrat könnte eine Fahrt zum Bundestag organisieren. „Die jüngsten Wahlergebnisse machen wir ein bisschen Angst“, sagte Dzang.
Ferner soll es eine Arbeitsgruppe Gesellschaftsspiele geben. Darin können sich Interessierte im Jugendzentrum mit Karten- und Brettspielen beschäftigen, um Alternativen zum Internet zu geben. Diese will Dzang leiten. gus

Von Guido Scholl