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Bad Nenndorf Weil Schichtarbeiter nachts Krach machen: Paar findet kaum noch Schlaf
Schaumburg Nenndorf Bad Nenndorf Weil Schichtarbeiter nachts Krach machen: Paar findet kaum noch Schlaf
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13:37 25.06.2019
Gesunder Nachtschlaf ist für ein Bad Nenndorfer Paar seit langem nicht mehr möglich.
Gesunder Nachtschlaf ist für ein Bad Nenndorfer Paar seit langem nicht mehr möglich. Quelle: dpa/Kai Remmers
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BAD NENNDORF

Wenn neue Nachbarn einziehen, ruft das oft Bedenken hervor – wird die Chemie stimmen oder entstehen Konflikte? Für ein Ehepaar aus Bad Nenndorf ist geradezu ein Albtraum wahr geworden: Seit Monaten gehen Schichtarbeiter in einem Zwei-Parteien-Mietshaus ein und aus. An Nachtschlaf ist kaum mehr zu denken.

Das Paar will beobachtet haben, dass mehr als ein Dutzend Personen die 70-Quadratmeter-Wohnung gemeinsam verlassen haben. Zehn Bewohner seien dort gemeldet. Es handelt sich um Arbeiter eines Logistikunternehmens, die in Tag- und Nachtschicht tätig sind. Kommen die Nachtarbeiter nach Hause, knallen sie die Türen, gehen Duschen und unterhalten sich.

Ruhig nur, wenn die Polizei kommt

An den Wochenenden feiern sie regelrechte Gelage, erklärt der unter ihnen wohnende Bad Nenndorfer. Werde die Polizei gerufen, wenn es nachts zu laut ist, seien die Arbeiter plötzlich mucksmäuschenstill – zumindest für eine Weile.

Zu allem Überfluss lassen die Arbeiter den Hausschlüssel auf einem Sims über der Tür liegen. „Hier kann im Prinzip jeder rein“, ärgert sich der klagende Nachbar. Er stehe kurz vor dem Burnout. Seinem Bad Nenndorfer Arbeitgeber, wo er als Hausmeister tätig sei, habe er dies bereits signalisiert. Seinen gewerblichen Vermieter habe er bereits zweimal mit der Sache konfrontiert, woraufhin nichts geschehen sei.

Dies stellt der Vermieter aber etwas anders dar. Dessen Sprecher hat von dem Bad Nenndorfer bislang ein Schreiben dazu erhalten – und zwar vor zwei Wochen. Er finde die Situation bedauerlich, sieht aber seine Hände gebunden.

Offiziell sechs Bewohner gemeldet

Der Mieter der oberen Wohnung sei eine Art Schichtleiter der Truppe, die dort logiert. Der Mann selbst wohne dort nicht, fungiert aber als Ansprechpartner. Dieser hat dem Vermieter versichert, es seien sechs Personen in der Wohnung gemeldet. Ein Dutzend hält der Vermieter allein wegen des Platzangebots für ausgeschlossen. Vielleicht haben die Arbeiter öfter Besuch von Kollegen, vermutet er.

Der Schichtleiter sei auch über die Beschwerde des anderen Mieters informiert worden. Nun will sich der Sprecher der Vermieters noch einmal mit beiden Parteien in Verbindung setzen, um eine Lösung zu finden.

Vermieter: Kein finanzieller Schaden

Auch finanziell sieht sich das Bad Nenndorfer Paar einem Schaden ausgesetzt: Es gibt nur einen Wasserzähler im Haus, dessen Verbrauch bislang durch zwei geteilt wurde, weil beide Wohnungen gleich groß sind. Der gewerbliche Vermieter betont aber, dass das Paar bereits darüber informiert wurde, dass pro Kopf abgerechnet wird, sprich: Ein Viertel des Verbrauchs entfällt auf die untere Wohnung, drei Viertel auf die Wohnung mit den sechs gemeldeten Arbeitern.

Ohnedies ist ein Ende der Situation absehbar: Im Mai 2020 endet das Mietverhältnis mit dem Schichtleiter der Arbeiter. Im Juni zieht auch das darunter wohnende Paar aus. Anschließend will das Unternehmen, das die Wohnungen vermietet, das Haus abreißen und auf dem Grundstück neu bauen.

Von Guido Scholl