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Haste Bahnhof Haste: Deshalb geht es mit der Sanierung nicht voran
Schaumburg Nenndorf Haste Bahnhof Haste: Deshalb geht es mit der Sanierung nicht voran
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15:04 11.06.2019
Die Speiseleitung befindet sich zu nah am Gebäude. Quelle: gus

Dass es mit der Umnutzung des Haster Bahnhofs so schleppend vorangeht, liegt nicht etwa daran, dass es der Investor, die Burchhard Führer GmbH, mit dem Start der dort geplanten Tagespflege nicht sonderlich eilig hat. Im Gegenteil: Das Unternehmen ist selbst frustriert angesichts der Hängepartie. Das Hauptproblem bilden zwei gefährliche Stromkabel.

Diese Leitung, die der überregionalen Energieversorgung im DB-Netz dient, sollte eigentlich längst vom ehemaligen Bahnhofsgebäude weg verlegt worden sein. So wird es auch vom Landkreis als Bauaufsichtsbehörde gefordert. Denn die Starkstromleitung käme den Baugerüsten zu nahe. Auch ohne direkten Kontakt könne Elektrizität übertragen werden. Arbeiten an Fassade und Dach sind also momentan nicht möglich, wie Burchard Führer, Inhaber der GmbH, und Geschäftsführer Eike Schmedes, bei einem Ortstermin erläuterten.

Bahn hält sich nicht an Vertrag

An sich hätte die Verlegung auch schon über die Bühne gehen sollen, denn die Bahn hat dies beim Verkauf des Gebäudes vor drei Jahren vertraglich zugesichert. Bei den beiden Kabeln handelt es sich um eine sogenannte Speiseleitung. Diese ist nicht etwa mit den Oberleitungen der Gleise bei Haste verbunden, aber an einen Metallmast direkt neben dem Ex-Bahnhof montiert. Es müsste also nur eine andere Halterung für die Speiseleitung gefunden werden.

„Die Bahn hat auch vertraglich zugesichert, uns zu informieren, wenn der Auftrag erteilt worden ist“, erklärte Führer. Dies sei aber bisher nicht geschehen. Daher hängt das Unternehmen in Haste in der Luft. Dort hatte vor einiger Zeit die Nachricht für Unmut gesorgt, dass die Führer-Gruppe beim Landkreis noch nicht einmal einen Bauantrag gestellt hatte. Doch Schmedes erläuterte nun, dass das Unternehmen warten wollte, bis die Speiseleitung verlegt ist. Denn solange dies nicht der Fall ist, kann ein Bauantrag nicht genehmigt werden.

Bauantrag soll Druck erhöhen

Um überhaupt Bewegung in die Sache zu bringen, entschloss sich die Führer-Gruppe dann aber doch, den Antrag beim Landkreis einzureichen. Die Genehmigung steht aus – mit Verweis auf die noch immer unveränderte Speiseleitung. Die Verzögerung ist umso ärgerlicher, weil das Dach teils durchgemodert ist und Wasser ins Innere dringt. Ob dies Einfluss auf die Gebäudesubstanz hat? Führer: „Also hilfreich ist das zumindest nicht.“ Dennoch ist an Reparaturen am Dach aus Sicherheitsgründen nicht zu denken.

Die jetzigen Arbeiten dienen dem Entkernen des früheren Bahnhofs. Diese sind ohne Baugenehmigung durchführbar. Auch mit dem Denkmalschutz ist das Vorgehen abgestimmt. Denn die diesbezüglichen Auflagen beschränken sich auf die Fassade, die zu erhalten ist, und zwei Treppenhäuser rechts und links im Gebäude, die ebenfalls in ihrer Grundstruktur unverändert bleiben sollen.

Treppen und Fassade unter Denkmalschutz

Am Raumkonzept im Erdgeschoss, auf das sich die aktuelle Pläne konzentrieren, will die Führer-Gruppe nicht viel ändern. Es soll eine Tagespflegestelle entstehen, in die der seit Jahren bereits in Haste ansässige ambulante Pflegedienst Rosenblatt einzieht. Einen Aufenthaltsraum, einen Gruppenraum, einen Pflegeraum, Dienstzimmer, Abstellkammern sowie weitere Funktionsräume sind dafür herzurichten. An der hinteren Wand muss wegen des Zugbetriebs intensiver Lärmschutz her.

Die Kosten schätzt Führer insgesamt auf 1,5 Millionen Euro. „Ein Neubau wäre günstiger, hätte aber keine Seele“, betont der Investor.