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Haste Vorwurf Ausbeutung: 46 Polizisten durchsuchen Haster Bordell
Schaumburg Nenndorf Haste Vorwurf Ausbeutung: 46 Polizisten durchsuchen Haster Bordell
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18:06 07.11.2019
An der Kolenfelder Straße wurde ein Bordell von der Polizei durchforstet. Quelle: Göttling
Haste

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bückeburg rückten bereits am Dienstag 46 Beamten auch von außerhalb des Landkreises Schaumburg an, um das ehemalige Gasthaus zu durchsuchen.

Hund auf Banknoten spezialisiert

Drei Stunden dauerte der Einsatz, der laut Sprecher Nils-Holger Dreißig ruhig verlief. Es kam auch ein Banknotenspürhund zum Einsatz, der eine größere Bargeldsumme und weiteres Beweismaterial aufstöberte.

Mehr zum Thema: Bordell-Großrazzia mit Festnahmen in Bad Nenndorf

Doch worum ging es eigentlich? Der 65-jährigen Bordellbetreiberin wird in anonymen Hinweisen ausbeuterische Zuhälterei vorgeworfen. Vermeintlich verabredete die Frau den Lohn der bei ihr arbeitenden Prostituierten mit den Freiern und steckte 50 Prozent des Geldes in die eigene Tasche.

Zehn Prostituierte in Haste tätig

Das Bordell gibt es seit 2016, zehn Prostituierte gehen dort ihrem Gewerbe nach. An sich ist dies nichts Strafrelevantes. Doch normalerweise zahlen Prostituierte eine Art feste Miete für die Nutzung von Räumen.

Alles weitere Finanzielle ist ihnen selbst vorbehalten. Doch laut Dreißig wird der 65-jährigen Betreiberin in Haste vorgeworfen, dass sie die bei ihr arbeitenden Frauen einer Überwachung unterzieht.

Ausbeuterische Zuhälterei vermutet

Dies sei als eine Art Zwangsarbeitsverhältnis zu bewerten. Von ausbeuterischer Zuhälterei werde zudem gesprochen, wenn sich jemand auf unzulässige Weise einen geldwerten Vorteil aus der Arbeit von Prostituierten verschafft. Dieser Tatbestand ist strafbar.

Auch interessant: Deshalb wurden thailändische Prostituierte zu Geldstrafen verurteilt

Die gefundenen Beweise werden laut Dreißig nun zunächst ausgewertet. Ein Ermittlungsverfahren soll Klarheit darüber bringen, ob es zur Anklage kommt. Ob der Betrieb des Bordells nun zunächst fortgesetzt wird, konnte die Staatsanwaltschaft nicht sagen.

Zwei Frauen und ein Transsexueller

Erst im März dieses Jahres waren drei Prostituierte aus Thailand, die in Bad Nenndorf gearbeitet hatten, vom Amtsgericht Stadthagen zu Geldstrafen verurteilt worden. Sie konnten keine Pässe vorlegen, um ihre Identitäten und somit ihre Aufenthaltserlaubnisse zu beurkunden.

Damals hatte der Verdacht im Raum gestanden, die Drei – zwei Frauen und ein Transsexueller – seien zwangsprostituiert worden, um vorgestreckte Einreisekosten abzuzahlen. Dies ließ sich aber ebenso wenig nachweisen wie der Vorwurf des Menschenhandels.

Von Guido Scholl