Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Hohnhorst Die Nenndorfer haben die Nase voll von der B65-Umleitung
Schaumburg Nenndorf Hohnhorst Die Nenndorfer haben die Nase voll von der B65-Umleitung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:46 28.10.2019
Mit diesem Bobbycar wollen Anwohner der B65-Umleitungsstrecke die Autofahrer zum Abbremsen bewegen. Quelle: Kultau
Samtgemeinde Nenndorf

Eine Ohndorferin meldete sich beispielsweise in den sozialen Netzwerken zu Wort, um „Dampf abzulassen“. Die Frau legte dar, wie sie von anderen Verkehrsteilnehmern angehupt wird, wenn sie ihr Grundstück verlassen oder nach der Arbeit wieder in die Einfahrt biegen will.

An Beschimpfungen gewöhnt

Doch nach Wochen mit dieser Situation gewöhne sie sich sogar schon daran. „Auch Beschimpfungen prallen mittlerweile an mir ab“, schreibt die Ohndorferin.

Sie berichtet darüber hinaus von kaputt gefahrenen Straßenlaternen und dass Dorfbewohner, die mit Rollatoren die Straße überqueren, von Autofahrern „angeschnauzt“ werden. Zudem gebe es Szenen, in denen sich Passanten mit Hechtsprüngen vor nahenden Autos „in die Rabatten flüchten müssen“.

Zustände in allen Orten schlimm

Ein anderer Schreiber bekräftigt die Darstellung und erklärt, dass die Situation in den anderen Orten entlang der nördlichen Umleitungsstrecke auch nicht anders sei.

In Ohndorf sind die Anlieger wohl aus einem Grund besonders sensibel: Viele erinnern sich sicher noch an einen Unfall vom März 2014, bei dem auch Verkehr eine Rolle spielte, der eigentlich nicht in den Ort gehörte. Seinerzeit verursachte ein Lastwagen einen Unfall, der Material von der Bahnbrückenbaustelle bei Haste und Hohnhorst abtransportierte.

Zuspruch für Netz-Kritik

Eine junge Reiterin verletzte sich seinerzeit, weil ihr Pferd von dem Fahrzeug zur Seite gedrückt worden war und die Frau danach abgeworfen hatte.

Kein Wunder also, dass die Ohndorferin für ihr „Dampfablassen“ Zuspruch erhielt. „Du sprichst mir aus der Seele“, schrieb eine andere Bürgerin. „Ich hätte längst die Polizei um Hilfe gebeten“, lautete der Tipp einer anderen Userin.

Pendler zu spät am Arbeitsplatz

Doch nicht nur die Bewohner der Nordgemeinden sind von der Umleitung genervt. Eine Bad Nenndorferin beschrieb gegenüber dieser Zeitung beispielsweise, dass sie wegen der unberechenbaren Zustände häufig zu spät zu ihrem Job in Nienstädt kommt. Ihre Kollegen machen bereits Witze: „Na, wie war die Fahrt?“, werde sie augenzwinkernd gefragt.

Lesen Sie auch:

Sie könne sogar wählen, ob sie die südliche oder nördliche Umleitung nimmt, aber beide Seiten stellten sich als kritisch heraus. Als die Bad Nenndorferin nach mehreren Unfällen und Sperrungen auf der Rodenberger Seite eines Tages auf die Nenndorfer Seite umschwenkte, stand sie plötzlich bei Riepen vor einer neuen, nicht angekündigten Sperrung, sodass ein noch größerer Umweg nötig wurde.

Bürgermeister ist machtlos

Samtgemeindebürgermeister Mike Schmidt zeigt Verständnis für die Beschwerden. Doch er betont, dass weder die Samtgemeinde noch die Stadt Bad Nenndorf und auch nicht die Gemeinde Hohnhorst für die Probleme verantwortlich sind. Hohnhorsts Bürgermeister, Cord Lattwesen, sehe sich seit einiger Zeit heftigen Vorwürfen von Bürgern ausgesetzt.

Doch ihm seien ebenso die Hände gebunden wie Schmidt. Denn für die Bauarbeiten und die Umleitung sind die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln sowie die Untere Verkehrsbehörde des Landkreises zuständig.

Weiter Arbeiten an Wasserleitung

Am 10. September war die B65 bei Bad Nenndorf gesperrt worden. Nach Freigabe des Abschnitts Drei Steine-Beckedorf rollt der Umleitungsverkehr über Riepen, Beckedorf, Lindhorst und Kobbensen. Zumindest Ohndorf ist dann raus. Oder beinahe: Denn wegen der anhaltenden Arbeiten an der Wasserleitung zwischen Horsten und Riepen bleibt diese Verbindung nach wie vor dicht, sodass zumindest dieser Umleitungsverkehr noch durch Ohndorf rollt. gus

Von Guido Scholl