Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Hohnhorst Im großen Bogen um die Nester
Schaumburg Nenndorf Hohnhorst Im großen Bogen um die Nester
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:45 21.05.2018
Landwirt Cord Lattwesen schaut, wo auf seinem Feld die Kiebitze nisten.
Landwirt Cord Lattwesen schaut, wo auf seinem Feld die Kiebitze nisten. Quelle: göt
Anzeige
Rehren

Langsam fährt Landwirt Lattwesen an sein Feld heran. Schon vom Auto aus lässt er seinen Blick mit dem Feldstecher über den Acker bei Rehren schweifen. Er ist auf der Suche nach Vögeln, die einen schwarz und grün schimmernden Rücken und einen weißen Bauch haben. Kiebitze. Er entdeckt sechs Tiere.

Als sich Lattwesen nähert, werden die Vögel unruhig, heben ab in die Luft und stoßen Warnpfiffe aus. „Sie fangen schon an zu schimpfen“, bemerkt der Hohnhorster. Es gefällt ihnen gar nicht, dass der Landwirt kommt, um nach ihren Nestern zu sehen. Vor einigen Tagen hat er auf seinem Feld drei gefüllte Nester gefunden. „In den Vorjahren war es immer nur ein Gelege“, erinnert sich Lattwesen.

Kiebitze nisten auf dem Acker

Kiebitze bauen ihre Nistplätze nicht in Bäumen, sondern mitten auf flachem, offenem Land – beispielsweise auf einem Acker. Das Gelege ist dabei gar nicht einfach zu finden, denn die Kiebitze polstern die Eier nur mit etwas Gras oder Stroh. Die Suche nach dem Ei auf dem frisch gedrillten Acker gestaltet sich in etwa so schwierig wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Das erste Nest findet Lattwesen trotzdem schnell. Darin liegen vier olivgrüne, schwarz gefleckte Eier. Auch das zweite Nest findet der Landwirt nach kurzer Suche. Allerdings ist es leer.

In einem der Nester liegen vier Eier (kleines Bild), die anderen zwei sind „ausgeräubert“ worden.

Deutlich länger gestaltet sich die das Aufspüren des dritten Geleges. Erst als Lattwesen auf dem Boden ein Stück Eierschale findet, wird klar, dass auch dieses Nest geplündert wurde. Nicht einmal mehr Stroh liegt an der Stelle – das Nest wurde vollkommen zerpflückt. „Das könnte ein Fuchs gewesen sein“, mutmaßt Lattwesen sichtlich enttäuscht. Auf der Nabu-Website ist allerdings nachzulesen, dass Kiebitze bei Verlust des ersten Geleges häufig ein zweites Mal Eier legen.

Erfolg dank jahrelanger Pflege

„Der Bruterfolg ist schwierig“, resümiert der Landwirt. Aus diesem Grund versucht er schon seit über zehn Jahren, den Kiebitzen zu helfen, wo er kann. „Als ich klein war, nistete hier ein Pärchen“, erinnert er sich. Durch „Hege und Pflege“ sind es inzwischen mindestens sechs ausgewachsene Kiebitze plus einige Jungtiere. „Der Erfolg zeigt, dass wir Landwirte etwas machen können“, schildert der Landwirt stolz.

Er freue sich jedes Frühjahr, wenn die Kiebitze zurückkommen. „Und das kostet nichts, außer etwas Zeit“, so Lattwesen. Die Hauptbrutzeit der Kiebitze ist im Mai und Juni. Zuvor schaut der Landwirt, ob er auf seinem Feld Gelege entdecken kann. Diese markiert er dann, damit die Landmaschinen bei der Bearbeitung des Ackers einen Bogen um die Nester machen können.

Vorwürfen begegnen

Damit möchte Lattwesen auch den Vorwürfen begegnen, Landwirte würden durch die Bewirtschaftung Lebensräume von Tieren zerstören. Zwar sei Deutschland schon lange keine Natur-, sondern eine Kulturlandschaft – „trotzdem kann es ein Miteinander geben“, ist Lattwesen überzeugt.

Die Rücksichtnahme auf die Nester der Kiebitze ist eine Maßnahme, mit der Lattwesen zeigt, dass ihm die Natur am Herzen liegt. „Manchmal sind es die kleinen Dinge“, sinniert Lattwesen auf dem Rückweg zu seinem Auto. Kaum hat er den Acker verlassen, landet ein Kiebitz wieder bei seinem Nest und schaut nach den Eiern.

Biodiversitätsprüfung

Kürzlich hat Cord Lattwesen, der nicht nur Landwirt, sondern auch Bürgermeister der Gemeinde Hohnhorst ist, eine Biodiversitätsprüfung für seinen Betrieb durch die Landwirtschaftskammer vornehmen lassen, die letztlich für die gesamte Gemeinde interessant ist. Das Ergebnis soll bald öffentlich im Umweltausschuss vorgestellt werden. Das Datum wurde noch nicht bekannt gegeben. göt