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Hohnhorst Lattwesen "schwer enttäuscht"
Schaumburg Nenndorf Hohnhorst Lattwesen "schwer enttäuscht"
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15:32 26.07.2018
Am Ende der Rundreise durch die Gemeinde wurde über den vermeintlich verschwundenen Weg diskutiert.
Am Ende der Rundreise durch die Gemeinde wurde über den vermeintlich verschwundenen Weg diskutiert. Quelle: Archiv
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HOHNHORST

Der Vorwurf, ein Landwirt habe einen Feldweg bei Nordbruch durch Überpflügen sukzessive verkleinert und schließlich ganz verschwinden lassen, stammt von Karl-Heinrich Meyer, Mitglied der Rehrener Naturgruppe. Meyer hatte die Rundreise von Umweltschützern mit dem Bundestagsabgeordneten Maik Beermann geleitet und war gegen Ende auf das Thema gekommen.

Weg nie im Kataster eingetragen

Den vermissten Weg hat es im eigentlichen Sinn aber nie gegeben, wie Lattwesen nun ausführte. Es habe sich um eine Parzelle Gemeindeland gehandelt, das ab etwa Mitte des 19. Jahrhunderts als Mulde der Entwässerung von Grundstücken diente. Grund sei der feuchte Marschland-Boden gewesen. Im Laufe der Zeit sei aber auf unterirdische Drainage umgestellt worden, sodass die Mulde keine Entwässerungsfunktion mehr hatte. Sie wurde daher als Weg genutzt.

Drei Landwirte hatten Lattwesen zufolge bis vor Kurzem noch rund 150 Jahre alte Verträge, die von Generation zu Generation weitergegeben worden waren. Demnach oblag es ihnen, solche alten Entwässerungslinien zu pflegen. Gleichzeitig konnten sie deren Erträge nutzen – sprich: Nach der Mahd das Heu an ihr Vieh verfüttern. „Heutzutage würde man von einer Win-win-Situation sprechen“, so Lattwesen.

Erst vor zwei Jahren wurde entschieden, diese Verträge aufzulösen. Das Land ging somit von der Gemeinde Hohnhorst an die drei Landwirte über. Diese mussten im Gegenzug aber ökologische Ausgleichsmaßnahmen in der Feldmark vornehmen. Somit sieht der Bürgermeister die Flächenübertragung als abgegolten an.

Naturschützern entgegen gekommen

Genau diese Vorgänge wurden vor wenigen Wochen bei einer Umweltausschusssitzung vorgetragen, bei der auch Meyer anwesend war. Dass dieser nun öffentlich etwas behauptet, was nachweislich nicht stimmt, frustriert Lattwesen. Zwei Jahre lang sei über dieses Thema diskutiert worden. Zudem haben die Landwirte in der Gemeinde seiner Ansicht nach zuletzt viel getan, um den Naturschützern entgegenzukommen.

„Ich bin schwer enttäuscht“, sagte der Bürgermeister unverblümt. Im Kataster war der Weg nie als solcher eingezeichnet. Das Überpflügen sei mit dem alten Vertrag kompatibel gewesen, weil dieser die landwirtschaftliche Nutzung zuließ. Allerdings war der Pflegeaspekt weggefallen. Doch spätestens mit dem Lösen der Verträge und den Ausgleichsmaßnahmen sollte die Sache gegessen sein. Die erneute sachlich verkehrte Diskussion lässt Lattwesen allmählich resignieren, wie er eingestand.