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Samtgemeinde Nenndorf Kommunen bleiben auf Schlamm sitzen
Schaumburg Nenndorf Samtgemeinde Nenndorf Kommunen bleiben auf Schlamm sitzen
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16:54 20.07.2018
Die Reste aus dem Nenndorfer Klärbetrieb könnten bald in einer kommunalen Verbrennungsanlage landen. Quelle: gus
SAMTGEMEINDE NENNDORF

Nach Inkrafttreten der neuen Düngemittelverordnung der Europäischen Union (EU) im Jahr 2017 dürfen Rückstände aus Kläranlagen nämlich nicht mehr im früher üblichen Maße auf Feldern verteilt werden. Daher nehmen Landwirte die Masse nicht mehr so bereitwillig an, um nicht selbst darauf sitzen zu bleiben.

Grünen-Ratsherr Bernd Reese gibt zu bedenken, dass andere Kommunen bereits auf die Veränderung reagiert haben und gemeinsam Anlagen betreiben, in denen Klärschlamm verbrannt werden darf. Denn die Verordnung wurde bereits viele Jahre lang vor ihrem Inkrafttreten öffentlich diskutiert. Somit war allen ländlichen Kommunen bekannt, was auf sie zukommen würde.

Krebserregende Stoffe verantwortlich

Die neuen Regeln sollen die Phosphat-Belastung des Trinkwassers verringern. Es sind letztlich krebserzeugende Stoffe dafür verantwortlich, dass Klärschlamm nun nicht mehr im alten Umfang aufs Feld gebracht werden darf, erklärte Grünen-Ratsfrau Imke Hennemann-Kreikenbohm im SN-Gespräch. Reese zufolge hat die Samtgemeinde Nenndorf einen Vertrag mit einem hiesigen Landwirt, der die nötigen Flächen hat, um den Schlamm als Dünger zu verwerten.

Dieser Kontrakt sei zeitlich begrenzt, und diese Entsorgung kostet die Kommune Geld, führt der frühere Verwaltungschef aus. Die Grünen wollen deshalb bei der Samtgemeinde abfragen, ob es bei der Klärschlammverwertung durch die neue Verordnung ein Problem gibt. In der Nachbar-Samtgemeinde Rodenberg hatte das Thema jüngst den zuständigen Fachausschuss beschäftigt (wir berichteten).

Theoretisch könne die Samtgemeinde versuchen, eine eigene Verwertungsanlage zu bauen und Geld mit der Verbrennung von Klärschlamm zu verdienen – wenn sie nämlich auch überschüssige Massen anderer Kommunen annimmt. Hennemann-Kreikenbohm weiß, dass es Anlagen gibt, die das Phosphat aus der Masse abscheiden.

"Erst einmal investieren"

„Dafür bräuchten wir aber Partner, und wir müssten erst einmal investieren“, sagte Reese. Allein reiche der Klärschlamm aus Nenndorf nicht aus, um die Verbrennung wirtschaftlich zu betreiben. Daher wäre es auch denkbar, einen solchen Betrieb mit mehreren Kommunen auf die Beine zu bringen. Schließlich betreffe das Problem alle im Umkreis. Und von interkommunaler Kooperation werde zurzeit ohnehin viel diskutiert.

Darüber hinaus wollen die Grünen jeweils eine Photovoltaikanlage für die Klärwerke Bad Nenndorf und Haste beantragen. Eine solche Investition helfe dabei, den Abwasserbetrieb zu optimieren. Ob sich dies für einen oder für beide Standorte rechnet, möge die Verwaltung prüfen.