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Suthfeld 19. Ausgabe Rieher Heimatblätter: Wie der kleine Johan Tatiche starb
Schaumburg Nenndorf Suthfeld 19. Ausgabe Rieher Heimatblätter: Wie der kleine Johan Tatiche starb
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14:33 16.12.2019
Auch historische Fotos sind der neuen Ausgabe der Heimatblätter zugefügt. Quelle: Privat
Riehe

Die 19. Ausgabe der Rieher Heimatblätter ist erschienen. Dahinter steckt aufwändige und spannende Forschungsarbeit der örtlichen Geschichts-Detektive. Thematisch geht es diesmal um den ersten Teil eines historischen Orts-Familienregisters für Riehe.

Ergänzung der Generationenfolgen

Mit der aktuellen Ausgabe beginnen die Akteure des Arbeitskreises Heimatgeschichte die Ergänzung der Generationenfolgen aus den Heimatblättern zwei und vier, als das Thema „Rieher Häuser und deren Bewohner“ gelautet hatte. Erschienen waren diese Ausgaben in den Jahren 2002 und 2004.

Ziel bei der geschichtlichen Detektivarbeit ist es, nun sämtliche Familienmitglieder pro Adresse aufzulisten. „So entsteht für Riehe ein komplettes Orts-Familienregister“, erklärt Arbeitskreismitglied Ralf Schröder. Die ersten schriftlichen Quellen haben sich Schröder und seine Mitstreiter aus dem Rodenberger Erb- und Besaahtregister besorgt. Denn auch Riehe gehörte einst zum Gerichtsbezirk (Amt) Rodenberg.

Alte Schulden

Daraus ließen sich die Namen der Bewohner der Grundstücke eins bis sechs, neun, elf und 19 herleiten. Die Dokumente stammen aus dem Jahr 1615. Darin steht unter anderem genau, welche Abgaben die Rieher an die Obrigkeit zu richten hatten. Minutiös aufgelistet ist, wie viel von ihren Erzeugnissen die Bauern unterschiedlichen Adressaten schuldeten.

Ein Mann namens Tielcke Flentke, der als Halbmeyer bezeichnet wird, musste zum Beispiel pro Jahr ein „Mahlschwein“ und alle zwei Jahre eine Kuh abliefern. Auch Hühner, Eier und anderes Essbares wurden von dem damaligen Rieher verlangt. Außerdem hatte er Geld zu bezahlen. Als ein Empfänger wird ein Feudalherr namens „Herman von Zertzen zum Stadthagen“ genannt.

Mehr zum Thema: 14. Heimatblatt: Hungerwinter und Flüchtlingswelle

Schaurige Begräbnisdokumentationen

Wie kompliziert die Recherche war, belegt dieser Umstand: Die Vergabe der Hausnummern erfolgte erst im Jahre 1732, und zwar gemäß den Baujahren der Häuser. Doch die Mühen lohnte sich offenbar. Bei der Forschung fielen dem Arbeitskreis auch ausführliche und teils kuriose Texte in die Hände, die den zugehörigen Hausstellen zugeordnet werden konnten.

Die schriftlichen Dokumentationen handelten beispielsweise von Rieher Begräbnissen und geben so weitere interessante Einblicke in das Leben im historischen Riehe. Der älteste dieser Einträge, den die Hobbyhistoriker Riehe zuordnen konnten, stammte aus dem Kirchenbuch von Nenndorf und datiert vom 11. November 1677.

Wie der kleine Johan Tatiche starb

Dies ist der Wortlaut: „Johan Tatiche, Harmen Tatichs auff der Rihe filio lg, so mit von einem Stuel ein siedender Teer Kessel umbgefallen und sein Fell sehr verbranndt, daß er wenige Stunden darauf verschieden.“ Die Bezeichnung „filio lg“ bedeutet laut Arbeitskreis „kleiner Junge“. Es handelt sich also um die Dokumentation eines tragischen Todesfalls.

Solche Zusammenhänge und Vorfälle machen einen Großteil der 19. Ausgabe der Heimatblätter aus. Hinzu kommt eine statistische Auswertung der in Riehe am meisten verwendeten weiblichen und männlichen Vornamen im Zeitraum 1660 bis 1960.

Sechs Kinder namens Ernst

In diesen 300 Jahren hießen besonders viele Mädchen und Frauen Marie, Engel und Sophie. Bei den Männern waren Heinrich, Johann und Conrad am beliebtesten. Kurios aus Sicht der Historiker: Der Name Ernst wurde in diesem Zeitraum nur sechsmal vergeben, obwohl er im Fürstentum Schaumburg-Lippe sonst weit verbreitet war.

Eine Aufstellung aller bisher erschienenen Ausgaben mit den entsprechenden Themen ist im Internet auf der Seite www.Riehe.de in der Rubrik „Geschichte/Rieher Heimatblätter“ zu finden. Zu bekommen ist die aktuelle Ausgabe – wie auch alle zuvor veröffentlichten Heimatblätter – bei Wilhelm Schröder, Telefon (0 57 23) 67 84, und bei Ralf Schröder, Telefon (0 50 31) 6 94 23 33. von Guido Scholl

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