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Suthfeld Rieher Grabung: Relikte aus Mittelalter und Steinzeit gefunden
Schaumburg Nenndorf Suthfeld Rieher Grabung: Relikte aus Mittelalter und Steinzeit gefunden
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10:59 13.08.2019
Daniel Lau zeigt die Tonschicht, in der die Knochenfunde die Zeit überdauerten. Quelle: gus

Riehe ist somit älter als bislang angenommen. Der Ort entstand vor mindestens 1000 Jahren, wie Kommunalarchäologe Daniel Lau erklärte.

Die rein ehrenamtlich aufgezogene Aktion war demnach ein Erfolg. Bislang hatten die Heimatforscher ihre Theorie, dass die ersten Rieher am Lindenbrink lebten und dann irgendwann von dort in den jetzigen Ort übersiedelten, daraus abgeleitet, dass Keramik- und Metallstücke auf dem Acker gefunden worden waren.

Doppelpfosten weist auf Haus hin

Rein theoretisch hätten die Gegenstände aber auch aus einem vor langer Zeit vergrabenen Behältnis stammen können.

Keramikscherben und ein großer Rinderknochen liegen in einem Eimer. Fotos: gus

Doch jetzt stießen die Hobby-Archäologen unter Laus Regie auf den Doppelpfosten eines früheren Hauses, dessen Grundriss wohl etwa 29 mal acht Meter misst. Außerdem taten die Beteiligten eine im Mittelalter verfüllte Grube auf. Eigentlich waren sie davon ausgegangen, auch an der Stelle auf ein Haus zu stoßen, das einst für handwerkliche Zwecke genutzt worden war.

Keramik und Knochen gefunden

Nun geht Lau aber davon aus, dass es sich um einen Graben handelt, in den die Siedler Steine, Keramik und Knochen warfen, um ihn zu aufzufüllen.

Eine steinzeitliche Klinge und ein mittelalterlicher Knochenkamm sind die aufregendsten Funde.

„Je tiefer wir kamen, desto mehr Keramikscherben und Knochen tauchten auf“, berichtete Lau. Der spektakulärste Fund war ein Teil eines Knochenkamms. Eigentlich wäre dieser längst verrottet, doch dank einer Tonschicht an der Stelle blieb das Stück erhalten.

"Das ist menschengemacht": Archäologe Daniel Lau sieht in den Rundungen die Reste eines Hauspfostens.

Dasselbe gilt für weitere Knochenstücke und einen Rinderknochen, der die Länge eines menschlichen Unterarms hat. Hinzu kommen zahlreiche größere Keramikscherben, die von unterschiedlichen Gefäßarten stammen. Benutzt wurden diese zwischen dem 9. bis 13. Jahrhundert.

Brunnen-Grabung war eine Niete

Das älteste Fundstück war eine steinzeitliche Klinge. Das leicht gebogene Schätzchen ist Lau zufolge etwa 12.000 Jahre alt, hat mit der mittelalterlichen Siedlung aber nichts zu tun. Er geht davon aus, dass Jäger den Hügel des Lindenbrinks zwecks Ausschau nutzten.

Ein Metallrohr brachte die Forscher auf die falsche Fährte.

Zwar war die Vermutung, dass sich an der dritten Grabungsstätte ein Brunnen befand, verkehrt – dort war lediglich ein Eisenrohr in den Boden getrieben worden. Dennoch ist sich Lau nun sicher: Riehe ist mindestens 1000 Jahre alt, wahrscheinlich sogar älter. Und wäre der Boden nicht so knochentrocken gewesen, wären bei den Grabungen noch weitaus mehr Funde gemacht worden. Das, was sichergestellt wurde, soll bald in einer Ausstellung präsentiert werden.

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Lau hob hervor, dass die von Ralf Schröder und Ronald Reimann initiierte Aktion keinen Cent kostete. Alle – er selbst inbegriffen – waren ehrenamtlich dabei. Und die Arbeit in der prallen Sonne sei enorm anstrengend gewesen. Nicht nur aus Riehe waren Helfer gekommen – die weiteste Anreise hatten Hobby-Archäologen aus Bremen. An drei Tagen waren insgesamt 20 Unterstützer im Einsatz.

Von Guido Scholl