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Suthfeld So arbeitet Jörg Bente in seiner Orgelbauwerkstatt in Helsinghausen
Schaumburg Nenndorf Suthfeld So arbeitet Jörg Bente in seiner Orgelbauwerkstatt in Helsinghausen
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09:50 24.12.2019
Aufgereiht wie die Orgelpfeifen: Jörg Bente erklärt, worauf es bei der Reinigung und Reparatur der Tongeber ankommt. Quelle: göt
Helsinghausen

Fußballer, Künstler, Ortsbrandmeister – oder eben einfach nette Leute. Wie gut kennen Sie Ihre Nachbarn? Die SN stellen sie vor: Es sind die „Schaumburger von nebenan“.

Vor 25 Jahren lässt sich der Orgelbauer in Suthfeld nieder

Die Werkstatt des Orgelbaumeisters Jörg Bente befindet sich seit etwa 25 Jahren in Helsinghausen. Bente beschäftigt neun handwerkliche Mitarbeiter, davon zwei Auszubildende, sowie zwei Bürokräfte. Die Orgelbauer sind durch ihre Ausbildung zwar breit aufgestellt, jeder hat aber gewisse Spezialisierungen, wie Bente berichtete.

Er selbst leiste heute eher konzeptionelle Arbeit. Gerne übernehme er auch die klangliche Arbeit – also die Feinarbeit nach erfolgter Reparatur oder Reinigung. „Ich stehe nicht so viel in der Werkstatt, wie ich das manchmal gerne hätte“, sagt Bente.

So ist Bente zu seinem Beruf gekommen

Nach dem Abitur wollte der heute 61-Jährige „nicht irgendetwas studieren“. Durch das Klavier- und Orgelspielen ist er auf den Instrumentenbau gekommen. Die Produktion von Klavieren sei sehr industriell, wohingegen der Orgelbau deutlich individueller sei, weil jede Orgel ein Unikat ist. Selbst wenn in zwei Kirchen identische Orgeln stehen würde, müsste der Klang des Instruments jeweils noch individuell angepasst werden, weil sich die Räume unterscheiden.

Auch die Klaviatur wird im Zuge der Wartung überprüft.

Im Laufe der Jahrhunderte sind verschiedene Systeme entwickelt worden – mechanisch, pneumatisch, elektrisch oder Kombinationen davon. Auch die Anzahl an Klaviaturen und Pfeifen variiert je nach Größe. Sich jedes Mal neu in ein Instrument einzufinden, mache den Reiz des Berufs aus, schilderte Bente. Neben dem Klang spielt auch die Architektur eine Rolle. „Es ist eine Summe an Dingen, die man beherrschen muss“, sagte er.

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Orgeln sind in der kurzlebigen Zeit etwas Besonderes

Doch was fasziniert Bente so an dem Instrument? „Die Orgel lebt über uns hinaus“, in der kurzlebigen Zeit sei das etwas Besonderes, antwortet er. Dass das Herzstück einer Kirche dabei förmlich zum Leben erweckt werden kann, wird jeder unterschreiben, der schon einmal ein meisterhaftes Orgelkonzert mit all den vielschichtigen Klängen erlebt hat.

Bei guter Pflege geben die Pfeifen auch noch nach Jahrhunderten Melodien von sich. Eine gründliche Reinigung ist laut Bente alle 20 bis 30 Jahre erforderlich, insbesondere die Schimmelbildung ist in der heutigen Zeit ein Problem. Gestimmt werden die Instrumente alle zwei Jahre. Die älteste Orgel, mit der er es zu tun hatte, ist um 1750 herum gebaut worden. Es gibt aber auch noch spielbare Orgeln aus dem 15. und 16. Jahrhundert, „die aus der Zeit herüberklingen“.

Die Überarbeitung eines Instruments dauert Monate

Orgelbauer sind viel unterwegs. Zwar werden die Instrumente in der heimischen Werkstatt überarbeitet, danach folgt aber noch die klangliche Arbeit am eigentlichen Standort, die zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen kann, schilderte der Meister, der seit 2004 auch Lehrbeauftragter für Orgelbau an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover ist.

Mit der sogenannten Stimmrolle bekommen die Pfeifen ihren klanglichen Feinschliff.

Diese Feinabstimmung erfolgt immer in der Kirche, weil der akustische Raum auf den Klang einwirkt. Genau diese Schlussphase ist Bentes Lieblingspart. Der Klang müsse den Zuhörer berühren können, sagt er.

Mehrere Schaumburger Kirchen waren schon zur Kur in seiner Werkstatt

Dem ein oder anderem dürfte die Arbeit von Bente und seinem Team auch schon begegnet sein. So haben sie beispielsweise die Orgel der Bad Nenndorfer St.-Godehardi-Kirche umgebaut und neu intoniert. Sie sei zwar äußerlich alt, innerlich aber noch recht neu, weiß der Experte. Auch die Orgeln der Kirche in Apelern und der Petruskirche in Steinhude waren schon zur Kur in Helsinghausen. Im kommenden Jahr wird das Team zudem das Herzstück der St.-Nikolai-Kirche in Rinteln reinigen und überholen. von Andrea Göttling