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Lauenhagen Jogger in Lauenhagen angeschossen: Der schwierige Weg zum Ermittlungserfolg
Schaumburg Niedernwöhren Lauenhagen Jogger in Lauenhagen angeschossen: Der schwierige Weg zum Ermittlungserfolg
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00:22 26.10.2018
Die Lauenhäger können wieder beruhigt den Feldweg hinter der Wohnbebauung nutzen, die Polizei hat die Tat aufgeklärt. Quelle: rg
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Lauenhagen/Stadthagen

Der erste Durchbruch
Zwei Schaumburger Sondengänger wollen der Polizei bei der Suche nach dem Projektil helfen. Sie rücken ehrenamtlich mit ihren hochsensiblen Gerätschaften ins Feld nach Lauenhagen aus. Und es passiert, was kaum ein Beamter für möglich gehalten hat: Sie finden das Geschoss, an dem später das Landeskriminalamt (LKA) die DNA des Opfers feststellt.

Die Laborarbeit
Mithilfe der Experten des LKA wird das Projektil bestimmt. Es ist ein Kaliber .22 Magnum. Diese Patronen können nicht alle Waffen abfeuern. Die Analyse des Waffenregisters zeigt: Drei Waffen sind beim Landkreis registriert, und zwar alle auf eine Person – Treffer.

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Der Fingerabdruck
Bei der Hausdurchsuchung des Schaumburgers stellen die Beamten die drei Waffen sicher. Das Bundeskriminalamt ordnet das im Feld gefundene Projektil eindeutig einer der drei sichergestellten Waffen zu. „Das ist quasi wie ein Fingerabdruck“, erläutert Jörg Stuchlik, Leiter des Kriminalermittlungsdienstes. Jeder Lauf habe Eigenheiten, die sich auf dem Projektil wiederfinden lassen. So auch im Fall des Lauenhäger Schützen.

Die Vernehmung
Aufgrund der Beweislast gibt der Schaumburger innerhalb der Vernehmung zu, dass sich beim Hantieren mit seiner Waffe ein Schuss gelöst habe.

Mögliche Szenarien
Die Akte über den Vorfall in Lauenhagen liegt nun bei der Staatsanwaltschaft in Bückeburg. Dort wird entschieden, wie es weitergeht. Im Raum steht der Straftatbestand der fahrlässigen Körperverletzung. Die Behörde könnte das Verfahren mit einem sogenannten Strafbefehl einstellen. Dieser zieht eine Geldstrafe oder aber Freiheitsentzug nach sich.

Sollte die Staatsanwaltschaft aber Zweifel daran haben, dass die Version des Beschuldigten wahr ist, könnte sie die Akten wieder mit dem Hinweis auf weitere Ermittlungen zurück an die Polizei geben. Dann gilt es zu prüfen, ob nicht doch andere Umstände zu dem Geschehen geführt haben. Von einer vorsätzlichen Tat gehen die Ermittler indes derzeit nach eigenen Angaben nicht aus. Dennoch würde das Strafmaß im Falle einer Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung der der einfachen Körperverletzung ähneln.

Der Beschuldigte
Die Polizei gibt über den Beschuldigten lediglich preis, dass er ein Schaumburger ist. Sie führt ermittlungstaktische Gründe an. Die drei Waffen hat der Mann legal besessen. Nach Angaben von Polizeisprecher Axel Bergmann, hat er für alle drei Exemplare eine Waffenbesitzkarte. Demnach darf er die Waffen zu Hause bei sich führen und diese auch unter besonderen Auflagen außerhalb der eigenen vier Wände nutzen. Dann aber muss er Waffe und Munition getrennt von einander transportieren.

Weitere Konsequenzen
Der Landkreis als Waffenbehörde wird aller Wahrscheinlichkeit nach prüfen, ob der Schütze weiterhin Waffen besitzen darf. Diese Entscheidung wird im Einklang mit dem Vorgehen der Staatsanwaltschaft getroffen.

Bilanz
Die Polizei blickt zufrieden auf das Ermittlungsergebnis. Dennoch: „Der Strafverdacht gibt nicht ansatzweise das Ausmaß des Vorfalls wieder“, fasst Stuchlik zusammen. Immerhin hätten lediglich Zentimeter gefehlt und der 31-jährige Lauenhäger wäre vor den Augen seiner drei kleinen Kinder gestorben. Oder aber die Kugel hätte eines der Kinder getroffen. „Nicht auszudenken“, fügt Bergmann hinzu. „Dann würden wir hier von einem Tötungsdelikt sprechen.“

Den Beamten sei von Anfang an klar gewesen, dass es auch sie oder andere Nahestehende hätte treffen können. „Jeder war mit Leib und Seele bei den Ermittlungsarbeiten dabei“, sagt Stuchlik, der Leiter des Kriminalermittlungsdienstes.

Temporär waren 20 Beamte im Einsatz. Bergmann: „Dem Biss, der Hartnäckigkeit, den professionellen Ermittlungen, aber auch dem Quäntchen Glück ist es zu verdanken, dass wir den Fall geklärt haben.“ Einen großen Dank spricht die Polizei in diesem Zusammenhang den Sondengängern aus. Dass der Fall geklärt ist, sei auch für das Opfer wichtig. So wisse der 31-Jährige, was genau geschehen ist. Das sei mit Blick auf die Traumabewältigung enorm wichtig. 

Verena Gehring