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Lauenhagen Schlauchtürme: Aus der Zeit gefallen
Schaumburg Niedernwöhren Lauenhagen Schlauchtürme: Aus der Zeit gefallen
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17:11 06.01.2019
Hat fast was von moderner Kunst: Der Schlauchturm in der Feuerwehrtechnischen Zentrale Stadthagen ist gut 20 Meter hoch. Hier können alle Feuerwehren Schläuche trocknen lassen. Quelle: ab
Hülshagen

Der Hülshäger Schlauchturm ist in Schaumburg fast ein Unikum. Nur wenige dieser Anlagen werden noch für ihren ursprünglichen Zweck genutzt. Für die Heimatverbundenheit sind sie dennoch wichtig, weil sie – wie Städtebauer sagen – das Ortsbild prägen wie sonst wohl nur noch Kirchtürme. „Jetzt ist unser Turm ein bisschen in die Jahre gekommen“, erklärt Lothar Ebbighausen, „an der Wetterseite platzen Klinker ab.“ Ebbinghausen ist Hülshagens stellvertretender Ortsbrandmeister.

Bis zu einer Woche dauert die Trocknung

Schlauchtürme dienen den Wehren dazu, Schläuche zu trocknen und zu pflegen. Das Prinzip ist einfach: Flaschenzüge ziehen sie bis unter das Dach, die Kupplungen hängen knapp über dem Boden, sodass alles Nasse und Feuchte aus den Schläuchen herauslaufen kann. „Vor allem nach Übungen trocknen wir die Schläuche bei uns in Hülshagen“, sagt Ortsbrandmeister Heinz-Konrad Lübke. „Das kann bis zu eine Woche dauern“, ergänzt Stellvertreter Ebbighausen. Die Hülshäger nutzen den Turm außerdem für Kletterübungen, bei denen Leitern zum Einsatz kommen.

Nur noch wenige Wehren in Schaumburg nutzen die Türme

In Schaumburg gibt es nur noch wenige Wehren, die Schlauchtürme zum Trocknen benutzen, dazu zählen Bückeburg-Bergdorf und Schierneichen-Deinsen-Baum. Vielerorts ragen derartige Anlagen jedoch immer noch über die Häuser, obwohl sie ihre Funktion verloren haben. Der Schlauchturm in Hülshagen wurde 1962 in die Höhe gezogen. „Zu jener Zeit sind viele Feuerwehrgerätehäuser und Schlauchtürme gebaut wurden, weil die Gemeinden noch Geld hatten“, sagt Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote, „außerdem waren sie vor der Gebietsreform, die in den siebziger Jahren lief, für die Wehren zuständig.“

Bis vor etwa einem halben Jahrhundert bestanden Feuerwehr-Schläuche aus Hanf, damals war das Trocknen noch wichtiger. Heute sind sie aus Kunstfaser, innen gummiert. Der zweite Unterschied zu früher: Das Wasser wird mit höherem Druck in die Schläuche gepumpt. „16 bar müssen sie aushalten“, sagt Jonas Ammerschubert. Er leitet die Feuerwehrtechnische Zentrale (FTZ) in Stadthagen. Hier können alle Feuerwehren des Landkreises Schläuche trocknen und überprüfen lassen. „Wenn unser Material nach Einsätzen besonders dreckig ist, bringen wir es auch nach Stadthagen“, sagt Hülshagens Ortsbrandmeister Heinz-Konrad Lübke.

Die Feuerwehr in Schierneichen-Deinsen-Baum gehört zu den wenigen, die den Schlauchturm noch nutzen. Steil ragt er in der Ortsmitte in den Himmel.

Zwei bis fünf Tage hängen die Schläuche im Schacht

„Erst waschen wir die Schläuche, dann prüfen wir sie auf Dichtigkeit, dann hängen wir sie zum Trocknen auf“, erklärt FTZ-Leiter Jonas Ammerschubert. Bis zu 300 der etwa 15 Kilo schweren Schläuche kriegt er unter, zwei bis fünf Tage hängen sie im Schacht, bevor die Wehren sie abholen können. An einem Tresen kann Ammerschubert die Schläuche längelang ausrollen, um sie genau zu begutachten.
In einigen Städten und Gemeinden stehen noch Sirenen auf den Dächern der Schlauchtürme, aber auch für diese Art der Alarmierung werden sie kaum noch benötigt. „In der Samtgemeinde Niedernwöhren werden die Kameradinnen und Kameraden inzwischen digital über Meldeempfänger alarmiert“, sagt Feuerwehrchef Heinz-Konrad Lübke. „Unser Schlauchturm gehört jedoch ein Stück weit zu Hülshagen“, sagt Stellvertreter Ebbighausen. „Die Türme belegen die Bedeutung der Feuerwehren für die Dorfgemeinschaften“, assistiert Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote.

Die Weiterentwicklung der Schlauchturm-Trocknung kommt auch aus dem Landkreis Schaumburg. In Rehren sitzt die Firma von Karl Hafenrichter. Bis Anfang der neunziger Jahre hatte er in der FTZ Stadthagen gearbeitet, sich dann selbstständig gemacht. Die Firma Hafenrichter hat elektrisch betriebene Maschinen entwickelt, die die Schläuche trocknen. „In Bezug auf die Leistungsfähigkeit übertreffen sie durchaus Schlauchtrockentürme - für die bei einem Neubau die Kosten gespart werden können“, heißt es auf der Internetseite von Hafenrichter.

Von Arne Boeker