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Meerbeck „African Queen“ ankert in Hiddenserborn
Schaumburg Niedernwöhren Meerbeck „African Queen“ ankert in Hiddenserborn
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12:24 28.07.2019
Von Bremen nach Berlin: Burghard Kühnlein beim Zwischenstopp in der Kanal-Idylle Hiddenserborn.  Quelle: Volkmar Heuer-Strathmann
Volskdorf

Sieben Tage hatte die Hinfahrt mit der „African Queen“ gedauert. Nun ist Burghard Kühnlein schon wieder auf dem Rückweg von Bremen nach Berlin. Er freut sich, dass er am beliebten Ausflugslokal Bad Hiddenserborn zwischenstoppen kann. Aus dem Tierpark grüßt ein tierischer Chor herüber.

Kühnlein ist ein Beispiel für die Tausenden von Freizeit-Skippern, die der Mittellandkanal übers Jahr an Hiddenserborn vorbeischickt. Vielen gefällt es dort so gut, dass sie einen Halt einlegen. Für einen Schnack vom Boot zum Uferweg sind die meisten zu haben. Anlass von Kühnleins Reise in die Hansestadt Bremen war der 50. Geburtstag eines Freundes. Der sei zunächst misstrauisch gewesen, als er gehört habe: „Ich komme mit dem Schiff vorbei.“

Dass seine „African Queen“ Aufmerksamkeit hervorruft, weiß Kühnlein. Am Berliner Wannsee hat das Schiff heute seinen Heimathafen, es kann gebucht werden. Einst war es in der Wesermündung unterwegs. Als Beiboot eines Feuerschiffs auf der Position „Weser 1“ hatte es – „natürlich unter einem deutschen Namen“ – auch die Funktion eines Rettungsbootes. Als Baujahr gilt 1941, Berichte über Kriegseinsätze liegen nicht vor.

Eine Reise durch die deutsche Geschichte

Dem 76-Jährigen „aus der Zone“, der schon lange im Westen Berlins lebt, ist bewusst, dass diese Tour auch eine Reise durch die deutsche Geschichte ist. Vor „Wende und Einheit“ wäre es nicht möglich gewesen, als Hobbykapitän auf dem Wasser in den Westen zu schippern. Heute sind nicht Grenzen das Problem, sondern Schleusen. Mitunter gebe es lange Wartezeiten, erzählt der weit gereiste Hobby-Schiffer, der ursprünglich vom Segelsport kommt; die „African Queen“ gehört ihm erst seit 1992. Der Name erinnert an das Dampfboot in dem gleichnamigen Film von John Huston (1951). Noch ehe man ihn fragen kann, stellt er mit Berliner Bescheidenheit klar: „Der Bogart und die Hepburn waren nicht auf dem Schiff!“

Längere Reisen haben Kühnlein nach Frankreich und Polen geführt. Komfort gibt es nicht an Bord des Schiffes, das schon für Filmaufnahmen geordert wurde. Eine Kajüte ist nicht vorhanden, aber dem Pensionär scheint nichts zu fehlen. Als Sonnenschutz hat Kühnlein ein großes Tuch gespannt. Nur um seinen Schlaf macht er sich angesichts der Bullenhitze noch ein bisschen Sorgen.

Von Volkmar Heuer-Strathmann